Sturz aus Olma-Festzelt: Ein Stück Boden fehlte – Verteidiger spricht von Manipulation

Ein Zeltbauer und ein Bauführer wehren sich gegen den Vorwurf, sie seien für den fehlerhaften Bau eines Festzeltes verantwortlich. Während der Olma 2012 war ein Gast vom 1. Stock des Zeltes in die Tiefe gefallen.

Claudia Schmid
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Während der Olma kommt es immer wieder zu Notfalleinsätzen. (Symbolbild: Coralie Wenger)

Während der Olma kommt es immer wieder zu Notfalleinsätzen. (Symbolbild: Coralie Wenger)

Die beiden Beschuldigten waren im September 2015 vom Kreisgericht St.Gallen wegen fahrlässiger schwerer Körperverletzung zu bedingten Geldstrafen verurteilt worden. Der Zeltbauer erhielt 50 Tagessätze à 120 Franken, der Bauführer 30 Tagessätze à 250 Franken.

Unzureichende Absturzsicherung bemängelt

Das Kreisgericht war überzeugt, dass es der eine Beschuldigte als Verantwortlicher für den Zeltbau unterlassen hat, für eine ausreichende Absturzsicherung zu sorgen. Der andere habe als Funktionär der Baubewilligungsbehörde der Stadt St.Gallen die Absturzsicherheit der Zeltkonstruktion nicht ausreichend geprüft. Die Absturzstelle im zweistöckigen Festzelt alp7 beim Restaurant Schützengarten war bei der Verbindungsstelle vom Zelt zum WC-Container. Das Opfer fiel 3,5 Meter in die Tiefe.

Gegen das Urteil der Vorinstanz legten die Beschuldigten Berufung ein. An der Verhandlung am Kantonsgericht St.Gallen vom Mittwoch verlangten sie einen Freispruch von Schuld und Strafe. Beide betonten in der Befragung des vorsitzenden Richters, sie fühlten sich absolut unschuldig. Er selber habe den Übergang vom Zelt zum WC-Container erstellt, betonte der Zeltbauer.

Er habe wie vorgeschrieben die Schalttafeln verschraubt, mit Blachen verstärkt und diese mit Dachlatten und Schrauben am Boden befestigt. Was ihn sehr nachdenklich mache, sei der Umstand, dass nach dem Unfall in einer Ecke ein Stück Boden gefehlt habe. Er sei sich sicher, dass das Brett bei der Fertigstellung des Zeltes befestigt gewesen sei.

Unter Druck Zeltbau abgenommen

Der Bauführer erklärte, es sei nicht seine Aufgabe gewesen, jedes einzelne Detail am Festzelt zu prüfen. Dies sei gar nicht möglich gewesen. Damals habe man unter grossem Zeitdruck viele temporäre Bauten bis zur Olma-Eröffnung abnehmen müssen. Deshalb könne er zur Absturzstelle keine genauen Angaben machen, zumal die besagte Stelle durch eine Dekorationsblache verdeckt gewesen sei. Heute stehe die entsprechende Behörde unter neuer Leitung, welche grösseren Wert auf die Kontrolle lege. Gemäss dem Bauführer rückt man heute zu zweit aus, um die Sicherheit zu beurteilen.

Der Verteidiger des Zeltbauers wies darauf hin, dass sein Mandant von Anfang an betont habe, dass er sich sicher sei, dass die Blache bei der Abnahme richtig gespannt und befestigt gewesen sei. Ein zusätzliches Geländer habe es gemäss Vorschriften nicht gebraucht. Bis zum Unfall sei das Zelt bereits während vier Tagen in Betrieb gewesen und niemandem sei aufgefallen, dass in der Ecke eine Schalttafel fehlen und die Blache nicht gespannt sein könnte. Sein Mandant habe nicht vorhersehen können, dass nach der Abnahme jemand mit schwerem Werkzeug am Boden und der Blache herumschraube.

Feuerwehr war auf dem Platz

Auch der zweite Verteidiger zeigte sich überzeugt, dass bei der Abnahme die spätere Absturzstelle gesichert gewesen war. Manipulationen durch Unbekannte seien wahrscheinlich. Bekannt sei beispielsweise, dass wenige Tage vor dem Unfall das Zeltdach durch starken Regen gefährdet gewesen und die Feuerwehr gerufen worden sei.

Der Staatsanwalt plädierte für die Abweisung der Berufung. Der von der Gefährlichkeit her neuralgische Übergang vom Zelt zum WC sei nicht genügend gesichert worden. «Hätte man ein Schutzelement angebracht, wäre der Unfall nicht passiert. Und dies unabhängig davon, ob darunter ein Brett fehlte oder nicht», erklärte er. Das Kantonsgericht St.Gallen wird das Urteil schriftlich bekannt geben.