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STURMSCHÄDEN: "Vorgänge am Pizol waren regelkonform"

Der CEO der Pizolbahnen AG verteidigt das Vorgehen während des Sturms Burglind. Andere Bergbahnen in der Region hatten den Betrieb eingestellt.
Joel Mähne
Auf dem Säntis sorgt nicht nur der Wind für Probleme, sondern besonders die vereisten Seile und Anlagen. (Bild: (Ennio Leanza))

Auf dem Säntis sorgt nicht nur der Wind für Probleme, sondern besonders die vereisten Seile und Anlagen. (Bild: (Ennio Leanza))

25 Personen waren am Mittwoch in der Pizolbahn eingeschlossen, gewesen, nachdem wegen Sturm Burglind Bäume auf die Tragseile gestürzt waren und die Bahn zu einem Notstopp gezwungen hatten. «Ich bin froh, dass es keine Verletzten gegeben hat und wir alle Fahrgäste sicher befreien konnten», sagte Klaus Nussbaumer, CEO der Pizolbahnen AG, am Donnerstag.

Bereits kurz nach Bekanntwerden des Unglücks tauchten erste Vorwürfe gegen die Pizolbahnen AG auf: Man habe die Bahn zu lange in Betrieb gehalten und damit die Sicherheit der Insassen gefährdet. Diesen Vorwürfen widerspricht Nussbaumer. Man habe die richtigen Entscheidungen getroffen: «Der obere und damit exponiertere Teil des Skigebietes sei schon den ganzen Tag geschlossen gewesen, für den unteren Teil habe der Windverlauf bis am Mittag keinerlei Probleme aufgewiesen. Erst mit Auffrischen des Windes am Mittag habe man sich entschieden, das Gebiet zu schliessen.

«Um die verbleibenden Wintersportler ins Tal zu bringen, war die Gondelbahn noch in Betrieb, da keine Möglichkeit zur Abfahrt ins Tal besteht», sagt der CEO. Der Wind sei für die Anlage selber kein Problem gewesen. Der Stopp sei durch eine Aussenwirkung, eben das Umstürzen der Bäume verursacht worden. «Die Bäume haben in der Vergangenheit auch schon hohen Windgeschwindigkeiten standgehalten. Der Föhn bläst im Sarganserland immer wieder heftig. Die Böen, welche in einer Zeit von etwa 15 bis 20 Minuten auftraten, waren aber wohl zu viel.»

Keine Schäden an den Anlagen

Laut Nussbaumer ist die Strecke mittlerweile von den Bäumen befreit worden und alle Kabinen haben garagiert werden können. Eine technische Kontrolle der Anlagen am Mittwochmittag habe ergeben, dass es keine Schäden an der Infrastruktur gegeben habe und der Betrieb ab Freitag wieder normal aufgenommen werden könne. Auch die Waldbestände im Skigebiet seien gemeinsam mit Forstmitarbeitern überprüft und für sicher befunden worden. Es gäbe keine weiteren, umsturzgefährdeten Bäume entlang der Bahnen.

Vorgänge am Pizol regelkonform

Die Gefahr, welche von umstürzenden Bäumen ausgehe, könne nur mit sehr grossem Aufwand auf null reduziert werden, meint Andreas Windlinger vom Bundesamt für Verkehr (BAV). «Die Schneisen müssten sehr breit oder die Masten sehr hoch sein, um solche Unfälle zu verhindern. Das ist mit dem Wald- und Landschaftsschutz nur schwer vereinbar.» Windlinger betont, dass die Vorgänge am Pizol nach ersten Erkenntnissen regelkonform gewesen seien. «Für Seilbahnen gelten grundsätzlich zwei Grenzgeschwindigkeiten: Bei Windgeschwindigkeiten ab 40 Stundenkilometern muss die Geschwindigkeit der Bahn reduziert werden. Ab 60 Stundenkilometern wird ein Windalarm ausgelöst und die Gondeln müssen garagiert werden.» Dieser Prozess sei am Pizol im Gange gewesen, als die Bäume auf die Tragseile stürzten. Auch die anschliessende Evakuierung hätte augenscheinlich funktioniert. Grundsätzlich überprüfe das BAV regelmässig die Bergbahnanlagen und Notfallkonzepte, sagt Windlinger.

Die Bergung der Bäume im unwegsamen Gelände am Pizol gestaltete sich schwierig. (Bild: PD)

Die Bergung der Bäume im unwegsamen Gelände am Pizol gestaltete sich schwierig. (Bild: PD)



Auch die anderen Bergbahnen in der Ostschweiz und im angrenzenden Montafon mussten ihren Betrieb grösstenteils einstellen. Am Flumserberg habe man sich am Mittwochmorgen entschieden, die Zubringerbahn von Unterterzen nicht in Betrieb zu nehmen, sagt Geschäftsführer Heinrich Michel. Auch die Bahnen oberhalb von 1600 Metern blieben am Mittwoch, wie auch gestern geschlossen. «Um Schäden durch umstürzende Bäume zu vermeiden, werden die Schneisen am Flumserberg ein bis zweimal jährlich gemeinsam mit dem Forstamt überprüft, dies ist ein Standardprozedere», sagt Michel.

Spezielle Situation am Säntis

Speziell sei die Situation am Säntis, wie Geschäftsführer Bruno Vattioni sagt. «Der Säntis ist als Wetterberg für seine extremen Windgeschwindigkeiten bekannt.» Alle Anlagen seien deshalb auf Stürme ausgelegt. «Hohe Windgeschwindigkeiten sind für uns keine besondere Situation, sondern kommen häufig vor. Wenn wir den Betrieb einstellen, dann wollen wir damit hauptsächlich Schäden an den Anlagen vermeiden», führt Vattioni weiter aus. «Für uns war klar, dass am Mittwoch kein Bergbahnbetrieb stattfinden kann.»

Ein viel grösseres Problem als der Wind sei die Vereisung der Stützen, Rollen, Reiter und Seile: «Nach Sturmtagen wie diesen, muss das Eis von Mitarbeitern bei einer Dienstfahrt entfernt werden. Das ist eine besondere Herausforderung, die viele Bahnen nicht haben.»

1'150 Schadensmeldungen aus dem Kanton St.Gallen

Bei der Gebäudeversicherung des Kantons St. Gallen (GVA) sind wegen des Sturms bis am späteren Donnerstagnachmittag rund 1'150 Schadensmeldungen mit einem Gesamtschadensbetrag von 2,7 Mio. Franken eingegangen.

Die Fallzahlen - und damit auch die Schadenssumme - dürften aber noch weiter ansteigen, heisst es von der GVA. Stetig träfen weitere Meldungen ein.

Von den Sturmböen am Mittwoch am stärksten betroffen war das Linthgebiet. Aus dieser Region wurden bisher 330 Schadensfälle angemeldet mit einer geschätzten Schadenssumme von 800'000 Franken. Ebenfalls stark getroffen wurde das Rheintal, das Sarganserland sowie das Toggenburg.

Im Kanton Thurgau hat die Gebäudeversicherung noch keinen Überblick über die Höhe der gemeldeten Schäden, wie es auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda hiess. (sda)

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