«Uwe» ist nicht der erste Sturm, der im Rheintal wütete: Nach dem Föhnsturm von 1982 wurden sogar Notdächer verteilt

Montlingen wurde von Sturmtief «Uwe» hart getroffen. Das weckt Erinnerungen an den Föhnsturm von 1982. Auch damals war das Rheintal in der Schusslinie. Der Sturm deckte Häuser ab, knickte die Antenne auf dem Hohen Kasten um und forderte in der ganzen Schweiz zwei Menschenleben. 

Linda Müntener
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Sechs Artikel und die Frontseite. So viel Platz widmete das «St.Galler Tagblatt» dem Föhnsturm in seiner Ausgabe vom 9. November 1982. «Föhnsturm richtet grosse Schäden an», «Föhnsturm deckte Häuser ab», «Plachen für Notdächer verteilt», lauten die Schlagzeilen in der Ausgabe.  Am 7. und 8. November hatte der Sturm in der ganzen Schweiz gewütet. Auf dem Gotthard blies er mit 185 Kilometern pro Stunde. Zum Vergleich: Sturmtief «Uwe» lieferte am Sonntag Spitzenwerte von 160 Kilometern pro Stunde. Der Föhnsturm erreichte 1982 damit die damals höchste je gemessene Geschwindigkeit. Ein Jahrhundertereignis. 

Die Tagblatt-Frontseite der Ausgabe vom 9. November 1982. (Bilder: Linda Müntener)

Die Tagblatt-Frontseite der Ausgabe vom 9. November 1982. (Bilder: Linda Müntener)

Der Sturm hinterliess seine Spuren: abgedeckte Häuser, entwurzelte Bäume, geknickte Leitungsmasten, verschüttete Strassen. Mancherorts fiel der Strom aus. In der Ostschweiz waren vor allem das Gebiet des oberen Bodensees, das Appenzeller Vorderland und das Rheintal betroffen, insbesondere Hinterforst (Altstätten). Dort blieb kaum ein Haus ohne Schaden. An die hundert Obstbäume wurden ebenfalls zerstört. Das St.Galler Tagblatt schreibt: 

«Verheerend sieht es in Eichberg aus. Das Speiserestaurant und Hotel Hölzlisberg wurde praktisch vollständig seines Daches beraubt, so dass der Betrieb vorübergehend eingestellt werden musste.»

In einer neuen Einfamilienhaussiedlung deckte der Sturm ein bewohntes, neues Ferienhaus ab und schleuderte das Dach gegen ein dahinterstehendes Einfamilienhaus.

Tannen stürzten auf Bahnlinien

Der Sturm legte teilweise auch den Verkehr lahm. In den Höhen des Rorschacherbergs beschädigte er den Wald so stark, dass Tannen auf Strassen und Bahnlinien stürzten. Die Bahnverbindung nach Heiden und Rheineck war zeitweise stillgelegt. Fahrleitungen und Barrieren wurden beschädigt. Der Föhnsturm knickte auf dem Hohen Kasten sogar die neue Mehrzweck-Antenne, die hauptsächlich dem Polizeifunk diente, etwa auf halber Höhe um. In der Stadt St.Gallen traf es den Osten. Die Martinsbruggstrasse war von Ästen und Strünken übersät und musste gesperrt werden.

Dach bergwärts geschleudert

Am Steinerberg ob Stein wurde das tonnenschwere Dach einer neuen Scheune von einer Sturmböe erfasst und rund 35 Meter bergwärts geschleudert. Nur eine Viertelstunde zuvor hatte der Eigentümer sein Gebäude noch auf allfällige Sturmschäden kontrolliert. Die umstürzende Seitenwand der Scheune begrub ein Moped unter sich. In Brülisau konnte ein beginnender Flächenbrand rechtzeitig gelöscht werden. Ein Bild der Zerstörung zeigte sich auch am Bodensee, im Erholungsgebiet des Alten Rheins. Im St.Galler Tagblatt heisst es: 

«Boote wurden wie Büchsen herumgeworfen.»

Bei der kantonalen Gebäudeversicherungsanstalt (GVA) gingen innerhalb zweier Tage 500 Meldungen ein. Schweizweit beliefen sich die Schäden auf 30 Millionen Franken. 700'000 Kubikmeter Wald wurden zerstört. Die GVA des Kantons St.Gallen sprach von einem «enormen» Ereignis und verteilte Plachen für Notdächer, um weitere Schäden zu vermeiden.

Ein Bild der Verwüstung auf dem Campingplatz in Altenrhein. Der Föhnsturm zerstörte Wohnwagen und Möbel.

Ein Bild der Verwüstung auf dem Campingplatz in Altenrhein. Der Föhnsturm zerstörte Wohnwagen und Möbel. 

Zwei Menschen kamen ums Leben

Trotz herabstürzender Ziegel und Windgeschwindigkeiten von teilweise über 100 Stundenkilometern gab es in der Ostschweiz keine Meldungen über Verletzte. Schweizweit kamen beim Sturm jedoch zwei Menschen ums Leben. Der Feuerwehrkommandant von Grindelwald wurde von einem tödlichen Stromstoss getroffen, als er einen vom Sturm ausgelösten Brand löschte und dabei mit einer 1600-Volt-Leitung in Berührung kam. In Brienz kam eine Frau ums Leben, die nach einem sturmbedingten Stromausfall eine Kerze angezündet hatte. Dabei geriet ihr Zimmer in Brand. 

Sturmtief «Uwe» fegt über die Ostschweiz: 20 Dächer in Montlingen beschädigt +++ Umgestürzte Bäume und Äste auf den Strassen +++ Bahnverkehr zwischen Weissbad und Wasserauen unterbrochen

Sturmtief «Uwe» hat der Ostschweiz einen stürmischen Sonntag beschwert. Die Polizei hat diverse Meldungen erhalten. So verursachte der Sturm in Montlingen grossen Schaden und beschädigte zahlreiche Häuser und Autos. Zudem wurde der Bahnverkehr in Weissbad und Wasserauen beeinträchtigt. Chaos entstand in Zürich und Basel – der Flugverkehr war massiv gestört.