Streitfall: Wenn der Täter eingebürgert worden ist

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Für Ärger und Reklamationen bei den Polizeikorps sorgen immer wieder Meldungen über Vorfälle, bei denen eingebürgerte Menschen eine Straftat begangen haben. Die St. Galler Kantonspolizei kommuniziert in solchen Fällen konsequent die Schweizer Staatsbürgerschaft, ohne zu erwähnen, dass der Täter über einen Migrationshintergrund verfügt. Die Polizei bestätigt den Medien Informationen über den Migrationshintergrund eines Verdächtigen nicht einmal – «für uns ist Pass gleich Nationalität», sagt Medienchef Hanspeter Krüsi. Weshalb? Krüsi macht ein Beispiel, um zu verdeutlichen, wie schwierig es seiner Ansicht nach ist, angemessen über den Migrationshintergrund eines Menschen zu informieren: «Gesetzt der Fall, meine Mutter war Italienerin: Weise ich als Straftäter nun einen Migrationshintergrund auf oder nicht?», fragt Krüsi. Die grosse Frage sei, wie weit ein solcher zurückliegen müsse, um noch kommuniziert werden zu dürfen. Krüsi erhält nach solchen Fällen – der letzte war das Tötungsdelikt in Bazenheid – immer wieder böse Anrufe oder Mails. Und bemüht sich dann, den Leuten zu erklären, dass es nicht ums Vertuschen gehe.

«Grundsätzlich kennt die Staatsbürgerschaft eines Menschen in den Augen der Kantonspolizei Thurgau keine Differenzierung», sagt Andy Theler, Medienchef der Kantonspolizei Thurgau. Die Kapo hält sich diesbezüglich ebenfalls an die Richtlinien der Konferenz der kantonalen Polizeikommandanten: «Einen allfälligen Migrationshintergrund einer involvierten Person bestätigen wir auf Nachfrage – wir unterstützen also richtiges Wissen der Medien.» (dwa)

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