Streit ums Umkleiden: Spitäler erhalten Bedenkzeit

Die Gewerkschaft VPOD fordert, dass Umkleidezeit als Arbeitszeit angerechnet wird. Die St.Galler Spitäler wollen bis Mitte April eine Stellungnahme abgeben.

Katharina Brenner
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(Bild: Jil Lohse)

(Bild: Jil Lohse)

Die St.Galler Spitäler konnten Zeit gewinnen. Der VPOD Ostschweiz, die Gewerkschaft für Angestellte im Service public, hatte vor zwei Wochen in einem Brief gefordert, Umkleidezeit als Arbeitszeit anzurechnen (Ausgabe vom 23. Februar). Wenn bis 7. März «keine befriedigende Antwort vorliege», erfolge eine Meldung ans Arbeitsinspektorat. Die Ostschweizer Sektion hatte im Rahmen der nationalen VPOD-Kampagne «Umkleiden ist Arbeitszeit» unter 180 Spitalangestellten eine Umfrage durchgeführt. 94 Prozent der Befragten gaben an, Umkleiden sei unbezahlte Arbeitszeit. Das sei «im Gesundheitswesen branchenüblich», meint Philipp Lutz, Mediensprecher des Kantonsspitals St. Gallen. Er zeigte sich irritiert über das Vorgehen des Personalverbands, das «einer guten Partnerschaft nicht förderlich» sei. Stellungnahme soll Mitte April erfolgen Jetzt ist die Frist abgelaufen. Es sei nicht möglich gewesen, sich bis zu diesem Zeitpunkt mit anderen Spitälern abzusprechen, so Lutz. Die Spitäler stellen jedoch «bis Mitte April eine gemeinsame Stellungnahme» in Aussicht. Maria Huber, Regionalsekretärin VPOD Ostschweiz, ist mit diesem Vorgehen einverstanden. «Wir warten die Antwort mit Spannung ab und werden dann das weitere Vorgehen diskutieren.» Huber sagt, sie habe den Eindruck, dass die Spitäler das Anliegen ernst nehmen. «Über unseren Brief waren sie nicht besonders erfreut.»

«Jährlich ein halber Monatslohn»

Für VPOD-Sekretärin Huber steht fest: «Den Angestellten muss zu ihrem Recht verholfen werden.» Das fordert auch die St. Galler SP-Kantonsrätin Monika Simmler. Sie hat eine einfache Anfrage zum Thema eingereicht. Am Beispiel des St.Galler Kantonsspitals rechnet sie vor, dass Angestellten, die der Umkleidepflicht unterstehen, «jährlich rund ein halber Monatslohn» entgehe. Gemäss Staatssekretariat für Wirtschaft gilt im Zusammenhang mit Umkleiden all das als Arbeitszeit, «was obligatorisch Teil des Arbeitsprozesses ist», beispielsweise «das Anziehen von Überzugskleidern oder steriler Arbeitskleidung».