Streit um Quellwasser in Gams

Fünf von zwanzig Mitgliedern einer Brunnenkorporation in Gams wollen trotz eines Mehrheitsbeschlusses verhindern, dass ihr Werk aufgehoben wird und die Quelle an die Gemeinde geht. Massive Vorwürfe stehen im Raum.

Heini Schwendener
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GAMS. Das Quellwasser der Brunnenkorporation Hueb (BKH) in Gams hat derzeit eine ungenügende Qualität und muss seit Mitte Mai gemäss Anordnung der Behörden vor dem Gebrauch abgekocht werden. Der Kanton hat verfügt, dass das Netz der BKH noch diesen Monat mit sauberem Wasser zu versorgen ist. Mit dem Anschluss der Leitungen an das Wasserversorgungsnetz der Gemeinde könnte das Problem gelöst werden.

Widerstand auf der Baustelle

Für Dienstag war dieser Anschuss vorgesehen. Doch die Arbeiter konnten den Eingriff nicht vollziehen. Denn Mitglieder der BHK hinderten sie daran, einer stellte sich einfach auf das Leitungsrohr und bewegte sich da nicht mehr weg. Auch eindringliches Zureden des Gemeindepräsidenten nützte nichts. Der Ton bleibt zwar anständig, die Stimmung war aber aufgeladen. Um eine Eskalation zu verhindern, wurden die Bauarbeiter nach etwa einer Stunde unverrichteter Dinge abgezogen. Am Mittwoch, stellte Gemeindepräsident Fredy Schöb in Aussicht, werde darum die Polizei vor Ort dafür sorgen, dass der Auftrag des Kantons, allen Haushalten sauberes Wasser zu liefern, ohne Wenn und Aber umgesetzt werden könne. Auf die renitenten BHK-Mitglieder machte diese Ankündigung indes keinen Eindruck. Dass es gestern mittag doch nicht zum Showdown zwischen einigen BKH-Mitgliedern, Behörden und Polizei kam, ist einem kurzfristig einberufenen Treffen zu verdanken, zu dem gar ein Vertreter des kantonalen Amtes für Verbraucherschutz und Veterinärwesen anreiste. Der fünfköpfigen Gruppe von BKH-Mitgliedern wurde eine Frist bis heute morgen eingeräumt, um dem Anschluss ihres Netzes an die Wasserversorgung der Gemeinde zuzustimmen.

Mehrheit war für Beitritt

Im Jahr 2013, nur noch 24 Mitglieder stark, beschloss die BHK, eine UV-Anlage zur Entkeimung des Wassers zu installieren. Als in der Folge vier Mitglieder aus der BKH ausschieden, schien dem Vorstand unter dem Präsidium von Karl Lenherr die Investition finanziell nicht mehr tragbar. Im Juli 2015 beschlossen die Mitglieder der BKH mit 11 zu 8 Stimmen den Beitritt zur Wasserversorgung der Gemeinde. «Unsere Argumente dagegen wurden damals gar nicht angehört, uns wurde das Wort abgeklemmt», sagt Anita M. Dürr, die sich mit vier Mitstreitern gegen die Auflösung der BHK wehrt: unter anderem mit Einsprachen beim Gemeinderat und bei der Regierung, die allesamt abgewiesen wurden. «Hätte der Präsident 2013 den Auftrag für eine UV-Anlage umgesetzt, statt sich eigenmächtig dagegen zu entscheiden, wäre es gar nie so weit gekommen.» Die schlechten Messresultate ihres Wassers seien absichtlich herbeigeführt worden, so die fünf BHK-Mitglieder. Die Gemeinde brauche Wasser und sei daher interessiert an der Quelle der BKH.

«Wir haben genug Wasser»

Schöb und Lenherr weisen die Vorwürfe zurück. Für Lenherr sprechen genügend betriebswirtschaftliche Gründe dafür, jetzt die BKH aufzulösen. Da stecke keine Strategie dahinter. Dies stellt auch Schöb entschieden in Abrede: «Wir haben zwar nicht Wasser im Übermass, aber wir haben genug.»

Die fünf unzufriedenen Mitglieder haben angekündigt, den Beschluss zur Auflösung der BKH anzufechten. «Wir können die Brunnenkorporation finanziell und personell stemmen, auch zu fünft.»