Streit um Leinenpflicht

AUSSERRHODEN. Der Ausserrhoder Regierungsrat will keine Leinenpflicht für Hunde im Wald und am Waldrand. Dies sei nicht umsetzbar. Noch steht die 2. Lesung aus.

Roger Fuchs
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Der Leinenzwang für Hunde im Wald und an Waldrändern soll aufgehoben werden. (Bild: Keystone)

Der Leinenzwang für Hunde im Wald und an Waldrändern soll aufgehoben werden. (Bild: Keystone)

Der Kanton Appenzell Ausserrhoden soll ein neues Hundegesetz bekommen. Damit will man die Halter stärker in die Pflicht nehmen. Für viel Diskussionsstoff im Anschluss an die erste Lesung sorgte die auf Antrag von Kantonsrat Yves-Noël Balmer (SP, Herisau) aufgenommene Bestimmung, wonach Hunde künftig im Wald und entlang des Waldrandes an der Leine zu führen seien.

Sensibilisierung statt Verbot

Der Ausserrhoder Regierungsrat war bereits im Rahmen der ersten Lesung gegen eine solche Ausweitung der Leinenpflicht. Auf die zweite Lesung hin beantragt er nun die ersatzlose Streichung des besagten Gesetzesartikels. Bestärkt wird er in seiner Haltung durch 262 Eingaben, die in einer teils konzentrierten Aktion eingingen und sich ebenfalls gegen einen generellen Hundeleinenzwang entlang von Waldrändern und im Wald wehren.

Der Regierungsrat begründet seine Haltung mit dem Hinweis, der Artikel widerspreche der Tierschutzgesetzgebung, sei unverhältnismässig und nicht umsetzbar. Lukas Gunzenreiner, Departementssekretär Volks- und Landwirtschaft, ergänzt: «Eine Sensibilisierung der Hundehalter ist wirksamer als ein Verbot.» Komme hinzu, dass sich der Grossteil der Hundebesitzer korrekt verhalte und diese mit besagtem Gesetzesartikel auch eingeschränkt würden. Natürlich sei jedes Wildtier, das Opfer eines Hundes werde, eines zu viel. Doch sieben Tiere im Jahr zeigten auch, dass es kein riesengrosses gesellschaftliches Problem sei.

Für Hund Zeit nehmen

Kantonsrat Yves Noël Balmer kann dieser Argumentation nichts abgewinnen. Sieben gerissene Tiere würden zwar pro Jahr erfasst, viele weitere Tiere würden aber nicht gefunden. Balmer rechnet mit einem Faktor von drei bis vier. Und wenn nun damit argumentiert würde, ein solcher Artikel sei nicht umsetzbar, dann müssten Hunderte von Gesetzesartikeln gestrichen werden, sagt Yves Noël Balmer. Gar als doppelbödig erachtet er es, wenn der Tierschutz ins Feld geführt wird. «Nutztiere auf Weiden will man mit einer entsprechenden Leinenpflicht schützen, die Wildtiere dagegen sollen keinen solchen Schutz verdient haben. «Wer einen Hund hat, muss sich eben auch Zeit nehmen. So kommt der Hund auch an der Leine zu seiner Bewegung.»

Der Kantonsrat wird das Hundegesetz in zweiter Lesung voraussichtlich am 23. März behandeln. Balmer freut sich auf die Debatte. 35 Ratsmitglieder wusste er in der ersten Lesung hinter sich.