Streit um künstliche Befruchtung: Thurgauerin klagt Vorarlberger Institut an – Ex-Geschäftsführer: «Es gab immer wieder Fehler und Verwechslungen»

Eine 44-Jährige aus dem Thurgau behauptet vor Gericht, dass ihr ein Voralberger Unternehmen falsche Eizellen eingepflanzt habe. Der Prozess geht seinem Ende entgegen. Das Urteil ergeht schriftlich.

Christiane Eckert
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Die 44-jährige Thurgauerin wirft einer Vorarlberger Einrichtung vor, ihr falsche Eizellen eingepflanzt zu haben. Der Prozess ist fast zu Ende. Das Urteil steht noch aus.

Die 44-jährige Thurgauerin wirft einer Vorarlberger Einrichtung vor, ihr falsche Eizellen eingepflanzt zu haben. Der Prozess ist fast zu Ende. Das Urteil steht noch aus. 

Bild: Keystone

Fünf Jahre ist es nun her, seit eine heute 44-jährige Thurgauerin die auf Fortpflanzungsmedizin spezialisierte Einrichtung in Vorarlberg aufsuchte. Der Frau war der Wunsch nach einem eigenen Kind trotz mehrerer Behandlungen verwehrt geblieben.

Deshalb wandte sich die Patientin hoffnungsvoll nach Vorarlberg. Sie und ihr Mann hofften auf die «In-vitro-Fertilisation», eine Methode zur künstlichen Befruchtung. Das Paar wurde über das Prozedere aufgeklärt, ein Therapieplan wurde erstellt. Die Hormonbehandlung begann, Eizellen wurden entnommen, befruchtet und eingesetzt, beziehungsweise auch als Reserve für spätere, allenfalls notwendige Versuche tiefgefroren. Doch dann begann der Streit um Anzahl, Dokumentation und den weiteren Verlauf der Behandlung.

Fremde Eizellen eingepflanzt?

Zum einen behauptet die Schweizer Klägerin, dass ihr falsche, das heisst fremde Eizellen eingepflanzt wurden. Sie erlitt eine Fehlgeburt. Ihre eigenen Eizellen, so vermutet die Frau, könnten einer anderen Patientin eingesetzt worden sein, ihr Kind könnte, so die Schweizerin, theoretisch von einer anderen Frau ausgetragen worden sein. Ausserdem geht die Klage davon aus, dass noch zwei weitere befruchtete Eizellen existieren müssten.

Deren Herausgabe verlangt die einstige Patientin nun. Bislang kamen Ärzte, Biologen, EDV-Experten, der Ex-Chef persönlich und der Sohn, gleichzeitig einstiger Geschäftsführer des medizinischen Institutes,  zu Wort. Während die eine Seite versichert, dass das Softwaresystem derartige Verwechslungen ausschliesse, räumte der Sohn in der letzten Verhandlung ein, dass es sehr wohl immer wieder zu Fehlern gekommen sei.

Dass Vater und Sohn zerstritten sind und seit vielen Jahren getrennte Wege gehen, ist kein Geheimnis. Der Anwalt sieht darin auch den Grund für die belastenden Aussagen des 46-jährigen einstigen Geschäftsführers. Aufgrund der aufgestellten Behauptungen wurde nun nochmals der zuständige EDV-Experte vor Gericht geladen. Er nahm am Montag nochmals zum Thema Dokumentation Stellung, ausserdem wurde ein diesbezügliches Gutachten eingeholt. Ein weiterer IT-Experte beurteilte das verwendete EDV-System des medizinischen Zentrums.

Fehler und Verwechslungen?

Der Belastungszeuge, Sohn des Seniorchefs des Institutes, gab an, es habe immer wieder Fehler und Verwechslungen gegeben. Daten im Fortpflanzungsinstitut seien in der EDV verwechselt worden und verschwunden. Er, damals Geschäftsführer, habe dies dem zuständigen Technologen mitgeteilt.

Der EDV-Experte sagte bei seiner zweiten Einvernahme aus, dass es zwar immer wieder Wünsche nach Programmverbesserungen gegeben habe, aber eher in die Richtung «praktischer für den Benutzer». Von groben Problemen habe man ihm nie berichtet. Auch das neuerlich eingeholte Gutachten kann keine Fehler finden. Dass Papierausdrucke unter Umständen anders aussehen als Bildschirmversionen, ist für EDV-Experten keine Besonderheit.

Prozess geschlossen

Der Anwalt des Institutes betonte, dass die medizinische Einrichtung sehr wohl ihrer Verpflichtung zur medizinischen Dokumentation nachgekommen sei. Sie habe nämlich die Wahl, sich bei den Behandlungsakten für «digital» oder «Papierform» zu entscheiden. Seine Mandantschaft habe sich für die digitale Variante entschieden.

Nachdem weitere Zeugen – wieder waren es Biologen, Ärzte und medizinisches Personal – vernommen worden waren, schloss die Richterin das Verfahren. Das Urteil ergeht schriftlich.

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