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Streit um Forschungsanstalt Agroscope: Bauern sollen Standorte mitbestimmen

Der Nationalrat verlangt, dass der Bundesrat für die Forschungsanstalt Agroscope ein Konzept mit diversen Standorten prüft. Die Bauern sollen mitreden können. In Tänikon droht jedoch weiterhin ein Abbau.
Adrian Vögele, Bern
Wie der Agroscope-Standort Tänikon künftig aussehen wird, ist nach wie vor unklar.(KEYSTONE/Gaetan Bally)

Wie der Agroscope-Standort Tänikon künftig aussehen wird, ist nach wie vor unklar.(KEYSTONE/Gaetan Bally)

Die landwirtschaftliche Forschungsanstalt Agroscope bleibt ein politischer Dauerbrenner. Nachdem Bundesrat Johann Schneider-Ammann mit der Idee gescheitert ist, die heute zehn Standorte an einem einzigen Campus im Kanton Freiburg zu zentralisieren, wird nun über eine andere Variante diskutiert. Der Nationalrat hat am Mittwoch eine Motion angenommen, die vorschlägt, nebst dem zentralen Campus je ein regionales Forschungszentrum in der Deutsch- und der Westschweiz sowie weitere dezentrale Stationen zu betreiben. Die Finanzkommission, die den Vorstoss lancierte, verzichtete bewusst darauf, konkrete Standorte zu nennen.

Umso grösser war der Ärger, als Schneider-Ammann Ende November bereits ein Konzept vorlegte, noch bevor das Parlament über die Motion entschieden hatte (Ausgabe vom 1. Dezember). Angedacht sind ein zentraler Campus in Posieux FR und je ein regionales Forschungszentrum in Changins VD und ­Reckenholz ZH. Der Thurgauer Standort Tänikon würde eine von mehreren zusätzlichen, dezentralen Forschungsstationen – und soll demnach von rund 85 auf 50 Stellen reduziert werden. Am Mittwoch im Nationalrat betonte Markus Hausammann (SVP/TG) als Sprecher der Finanzkommission, der Bundesrat habe dem Entscheid des Parlaments vorgegriffen. Der Auftrag in der Motion laute, das vorgeschlagene Modell erst zu prüfen.

Tempo machen zugunsten der Mitarbeiter

Bundesrat Schneider-Ammann entgegnete, er halte es für notwendig, jetzt in Sachen Agroscope rasch vorwärts zu machen. Das Personal sei verunsichert – die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssten so bald wie möglich Klarheit über ihre Zukunft haben. «Wir wollen das erstklassige Personal behalten können.»
Die Motion der Finanzkommission sei in seinem Sinn, sagte der Landwirtschaftsminister. «Das Konzept mit den drei Hauptstandorten scheint mir vernünftig zu sein.» Darauf könne man aufbauen. Es gehe nun darum, diese Idee zügig umzusetzen. Den erneuten Vorwurf, er schaffe bereits Strukturen, noch bevor das inhaltliche Konzept feststehe, wies Schneider-Ammann zurück. Er kündigte zudem an, einen Agroscope-Rat als Aufsichtsorgan zu bilden. Dieser soll aus zwölf Personen bestehen – je vier aus Verwaltung, Forschung und Landwirtschaft. Damit sollen die Leute aus der Praxis künftig mehr mitreden können als bisher.

Der Nationalrat stimmte ausserdem einer zweiten Motion zu, die verlangt, dass die Sparvorgabe für Agroscope in eine Effizienzvorgabe umgewandelt wird. Heute würden zum Beispiel zu viele Mittel in die Infrastruktur statt in die Forschung investiert. Der Ständerat hat die beiden Vorstösse noch nicht behandelt.

«Bauern können am besten beurteilen, wo es Standorte braucht»

Der Thurgauer Standort Tänikon bleibt somit weiterhin auf der Agroscope-Landkarte. Wie er künftig ausgestaltet wird und wie viele Stellen er dann tatsächlich umfassen wird, bleibt aber offen. «Zurzeit ist nichts in Stein gemeisselt», sagte Markus Hausammann nach der Debatte im Nationalrat. Er teile die Sorge des Bundesrats um die Mitarbeiter: «Tänikon hat bereits einige gute Leute verloren.» Seine Hoffnung ruhe nun vor allem auf dem angekündigten Agroscope-Rat, mit Vertretern aus der Landwirtschaft. «Die Bauern können am besten beurteilen, wo es aus welchen Gründen einen Standort braucht.» Hausammann erwartet, dass das Departement Schneider-Ammann diesen Agroscope-Rat im ersten Quartal des nächsten Jahres ins Leben ruft, sodass dieser seine Arbeit sogleich aufnehmen kann, sobald das Parlament im Frühling abschliessende Entscheide gefällt hat. «Je länger man jetzt abwartet, desto grösser ist die Gefahr, dass die Verwaltung die Reform von Agroscope einfach auf eigene Faust weiterführt.»

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