Streit um befruchtete Eizelle: Thurgauerin erhebt Vorwürfe gegen vorarlbergische Einrichtung

Eine Thurgauerin erhebt Vorwürfe gegen ein Vorarlberger Institut, das auf künstliche Befruchtungen spezialisiert ist. Der komplexe Prozess am Montag war voller Gegensätze.

Christiane Eckert
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Die Thurgauerin klagt auf ihre zwei befruchteten Embryonen sowie 10'000 Euro. (Bild: Keystone)

Die Thurgauerin klagt auf ihre zwei befruchteten Embryonen sowie 10'000 Euro. (Bild: Keystone)

Am Landesgericht Feldkirch wurde am Montag jener Zivilprozess fortgesetzt, bei dem eine 43-jährige Thurgauerin auf Herausgabe «ihrer» zwei befruchteten Eizellen sowie 10'000 Euro Schmerzensgeld klagt. Gegner ist eine Vorarlberger medizinische Einrichtung, die versucht, Menschen den Wunsch nach einem eigenen Kind zu erfüllen.

Auch dieses Mal war der knapp dreieinhalbstündige Prozess eine Mischung aus Fachvortrag und Emotionen. Als Zeuge wurde der Seniorchef einvernommen. Der Fortpflanzungsmediziner konnte zu den konkreten Vorgängen allerdings nicht allzu viel sagen, er hatte mit der Behandlung der Thurgauerin wenig zu tun. Abgesehen von einer Zusammenfassung und einer Versicherungsangelegenheit war er nicht involviert.

Widersprüche von Anfang an

Interessant waren die Ausführungen der Biologin, welche die Befruchtung der Schweizerin im Jahr 2016 durchführte. Sie erzählte von der Anmeldung bei der Rezeption bis zur potenziellen Schwangerschaft von dem Prozedere in einem derartigen Institut.

Bereits bezüglich der Anmeldeformalitäten gibt es widersprüchliche Aussagen von Klägerin und Beklagtem. «Höchst merkwürdig, sie fragten uns nach Beruf und Einkommen», sagen die Patientin und deren Mann. «Nach dem Einkommen fragen wir nicht, der Beruf ist für uns in medizinischer Hinsicht wichtig. Zum Beispiel, ob eine Frau Nachtschichten übernimmt, ob sie mit Röntgenstrahlen konfrontiert ist oder ähnliches», sagt die Gegenseite.

Gute Embryonen in den Kryotank

Die 52-jährige Biologin gibt Auskunft, wie Eizellen entnommen und in Schälchen aufbewahrt werden. Wie die Befruchtung im Labor stattfindet und wie die befruchteten Zellen, die Blastozysten, betreut und nicht aus den Augen gelassen werden. Sie erklärt, wie sich «erfolgreiche» Embryonen von «weniger erfolgreichen» unterscheiden. Analysiert wird, wie die besten eingesetzt und andere von guter Qualität für einen allfälligen weiteren Transfer in flüssigem Stickstoff, sogenannten Kryotanks, aufgehoben werden. Auch in diesem Fall sei alles normal verlaufen.

Mit einem eigenen Softwareprogramm werde alles lückenlos erfasst. Für Fortpflanzungsmediziner scheint das Programm, dass sie nur digital einsehen und bearbeiten, eine grosse Hilfe zu sein. Für andere tun sich etliche Rätsel auf, und selbst der EDV-Experte kann diverse Dinge nicht erklären, er ist am Computer qualifiziert, medizinische Hintergründe fehlen ihm allerdings.

Der 39-jährige Computerexperte führt im Zeugenstand aus, dass sich bei den Ausdrucken mit der Software offenbar leicht «Fehler» einschleichen. So findet sich zum Beispiel ein Eintrag auf einem Papier, wonach die Patientin 2018 mit einem Medikament behandelt wurde. Das kann nicht stimmen, denn die Frau war 2015 beziehungsweise 2016 in der Klinik. Bei dem Dokument wurde versehentlich das Ausdruckdatum als Behandlungszeitpunkt ausgewiesen. Wobei wohl nur das Datum falsch ist. «Im Protokoll, und dieses muss digital eingesehen werden, ist alles korrekt», betont der Fachmann.

Von der Gegenseite stets das Gegenteil

Der Ehemann der Patientin sagt, das Paar sei immer der Meinung gewesen, dass nach zwei erfolglosen Versuchen zwei weitere Embryonen verfügbar seien. Als man diese zwei Embryonen verlangt habe, um von einem anderen Mediziner den Eingriff vornehmen zu lassen, habe die Klinik finanzielle Forderungen gestellt und die Herausgabe verweigert.

«Wir haben immer wieder versucht, die Sache vom Patientenanwalt lösen zu lassen und haben auch eingeladen, die gesamten Unterlagen einzusehen, aber alles wurde abgelehnt», kontert der Vertreter der Beklagten. Und auch hier das Gegenteil von der Gegenseite: «Man hat uns die Unterlagen nur zögerlich herausgerückt.» Ende September geht der Prozess mit weiteren Zeugen weiter.