Streit eskaliert: Thurgauer FCSG-Caterer Urs Egger wirft in Schaffhausen den Bettel hin

Die Besucherverpflegung im Lipo-Park war seit der Eröffnung im Februar 2017 immer wieder ein Streitthema im Verein und unter den Fans. Nun kommt es zum Knall: Der Caterer schmeisst hin.

Tobias Erlemann/Schaffhauser Nachrichten
Merken
Drucken
Teilen
Zu lange anstehen für die Verpflegung: Die Catering-Boxen im Lipo-Park stehen seit jeher in der Kritik. (Bild: Luisa Kehl)

Zu lange anstehen für die Verpflegung: Die Catering-Boxen im Lipo-Park stehen seit jeher in der Kritik. (Bild: Luisa Kehl)

Die Vorbereitungen beim FC Schaffhausen auf das Derby gegen den FC Winterthur laufen auf Hochtouren. Doch nicht nur sportlich sorgt das Spiel für Brisanz. In der Infrastruktur kam es nun zum Knall: Die Firma Eggers Catering hat den Lipo-Park verlassen und die Verpflegungsstände leer geräumt. Friteusen, Grills, Kühlschränke – in den sieben Verpflegungsboxen herrscht Leere.

Urs Egger, Caterer. (Archivbild: Hannes Thalmann)

Urs Egger, Caterer. (Archivbild: Hannes Thalmann)

Schaffhausens Geschäftsführer Marco Truckenbrod Fontana hält fest: «Das Unternehmen ist der Meinung, den Vertrag einseitig kündigen zu können. Das hat keine rechtliche Handhabe.» Dem widerspricht Caterer Urs Egger. «Wir haben unsere Gründe, und den Vertrag haben wir vor einem halben Jahr gekündigt. Ich bin entspannt.»

«Wo kommen wir denn da hin?»

Kurz gesagt: Die Anwälte beider Parteien sind nun gefordert, wobei der FCS offene Forderungen geltend macht und klarstellt, dass der Fünfjahresvertrag nicht einfach kündbar ist. Truckenbrod Fontana echauffiert sich:

«Wo kommen wir denn da hin, wenn jeder machen kann, was er will?»

Der Geschäftsführer der Stadion Schaffhausen AG hatte oft Kontakt mit dem Caterer, gibt es doch schon seit der Eröffnung des Stadions im Februar 2017 Ärger: Zu lange Wartezeiten beim Getränkeausschank, fehlende Qualität bei den Würsten, schlecht geschultes Personal. Die Liste der Kritiken, immer wieder von Besuchern geäussert, ist lang. «Es lief nie wirklich rund», gesteht Truckenbrod Fontana.

Doch den Hauruck-Auszug inklusive Abtransport zahlreicher Gerätschaften, welche wohlgemerkt dem Unternehmen gehören, hatte beim FCS niemand erwartet. Schliesslich läuft der Vertrag mit den Romanshornern noch fast dreieinhalb Jahre. Und Eggers Catering investierte zum Einzug an die 250'000 Franken in die Verpflegungsstände. Hat sich die Firma damit überlupft? Denn auch im Kybunpark des FC St.Gallen und im IGP Sportpark des FC Wil führt Eggers Catering das Zepter.

Überraschung beim FC St.Gallen

In der Ostschweiz ist man über die Entwicklung in Schaffhausen überrascht. «Eigentlich pflegen wir einen regen Austausch, bei uns läuft alles normal», sagt Benni Burkart, Bereichsleiter Stadion- & Spielbetrieb bei der FC St.Gallen Event AG. Seit der Stadioneröffnung im Jahr 2008 ist Eggers Catering in St.Gallen dabei, Reklamationen kommen auch dort immer wieder vor, offenbart Burkart.

«Aber das ist wohl normal. Wenn 13'000 Zuschauer bei einem Spiel sind, dann kann es auch mal eine Warteschlange geben.»

Dennoch gibt es auch in der Ostschweiz merklich mehr Wortmeldungen, die von einer Verschlechterung des Catering-Angebotes berichten. So läuft dort der Vertrag zwischen beiden Parteien noch zwei Jahre. Eine Zukunft mit Eggers Catering? Das gelte es immer wieder zu überprüfen und zu verhandeln, sagt Burkart, der anfügt: «Im VIP-Bereich arbeiten wir mit der Migros zusammen.»

«1000 Zuschauer? Da braucht es mich doch nicht»

Ähnlich ist die Lage beim FC Wil. Eggers Catering ist seit der Eröffnung im Jahr 2014 am Start, bis Ende Saison läuft der Vertrag. «Es stand bis dato nie zur Disposition, diesen vonseiten des Caterers zu kündigen», sagt Timo Straub, Leiter Sponsoring und Events bei den Wilern. So scheint es, als laufe in direkter Nachbarschaft der Firma Eggers Catering alles mehr oder weniger gut. In der knapp «80-Kilometer-Kooperation» zwischen Romanshorn und Schaffhausen war dagegen ordentlich Sand im Getriebe.

Der FCS pocht nun auf sein Recht und will offene Rechnungen vonseiten Eggers Catering beglichen bekommen. Urs Egger will davon nichts wissen. Er habe seine Gründe für die Kündigung, berichtet der Unternehmer. Einer davon ist wohl die Zuschauerzahl – und damit die Anzahl seiner Konsumenten. Egger sagt lapidar:

«Als wir vor rund vier Jahren über eine Zusammenarbeit sprachen, standen andere Zahlen im Raum. Und dann kommen plötzlich nur durchschnittlich 1000 Zuschauer, da braucht es mich doch nicht.»

Er hake dies unter dem unternehmerischen Risiko ab und nehme wertvolle Erfahrungen mit, so Egger weiter.

So wurde das Engagement in letzter Zeit merklich zurückgefahren. Teilweise blieben Verpflegungsstände ohne Gründe verwaist. So wurde das eh schon angekratzte Verhältnis noch weiter beschädigt. Aber auch hier driften die Ansichten auseinander. Während Egger das nun Folgende locker nimmt, «das wird sich schon regeln, auch ohne Anwälte», wird Truckenbrod Fontana deutlich. «Wir sind da konsequent und lassen uns nicht vorführen.»

Catering in Eigenregie

Marco Truckenbrod Fontana, Geschäftsführer Stadion Schaffhausen AG. (Bild: Keystone)

Marco Truckenbrod Fontana, Geschäftsführer Stadion Schaffhausen AG. (Bild: Keystone)

Der Blick des Geschäftsführers der Stadion Schaffhausen AG richtet sich bei allem Ärger sogleich wieder nach vorn. «Wir konzentrieren uns darauf, wie es weitergeht», sagt Truckenbrod Fontana. Denn immerhin steht das Derby vor der Tür, an die 3000 Zuschauer werden erwartet. Und diese wollen auch was essen und trinken. So hat der FCS bereits ordentlich geweibelt und Helfer akquiriert. Dazu wurde neues Equipment rangekarrt, um die Verpflegung zu gewährleisten. Denn: Der FCS wird das Catering selbst übernehmen. Zuerst einmal für die nächsten Partien. Aber wohl auch zukünftig sollte es funktionieren. Der Vorteil: An jedem verkauften Bier und jeder veräusserten Wurst verdient der FCS dann selbst etwas. Der Nachteil: Der Aufbau eines kompletten Caterings innert Tagen ist eine Mammutaufgabe. Dazu müssen Mitarbeiter gefunden werden, die kompetent und langfristig verfügbar sind, das weiss auch Truckenbrod Fontana. «Wir haben einiges zu tun.»

Das Sportliche rückt – zumindest für die Stadion Schaffhausen AG – erst einmal in den Hintergrund, der Ärger mit dem Catering-Unternehmen dafür umso mehr in den Fokus. Nach fast anderthalb Jahren muss das Fazit gezogen werden, dass die Kooperation einfach nicht funktioniert hat. Die daraus resultierenden Erfahrungswerte will der FCS nun nutzen, um eine konstruktive Verpflegung aufzubauen. «Wir wissen nicht, ob schon gegen Winterthur alles perfekt funktioniert. Wir geben uns aber Mühe», verspricht Truckenbrod Fontana.

Gegen den FC Winter­thur soll der Lipo-Park mal wieder gut gefüllt sein mit geschätzten 3000 Zuschauern. Mehr strömten zuletzt im Cup gegen YB ins Stadion (5986). Doch ansonsten sind die Heim-Fanzahlen recht mager. Die letzten Spiele: 964 gegen Rapperswil, 1064 gegen Servette und 1031 gegen Lausanne.

Dieser Artikel ist am 24. Oktober bei den «Schaffhauser Nachrichten» erschienen.