Streik: Zeitungen zu spät im Briefkasten

OSTSCHWEIZ. Weil rund 50 Zeitungsverträger gestreikt haben, wurden die Zeitungen am Freitag in Teilen der Ostschweiz verspätet zugestellt. Die Arbeitnehmenden protestierten damit gegen Lohnkürzungen.

Diana Bula
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Bild: Keystone

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Rund 5500 Zeitungen – mehrheitlich Ausgaben des St.Galler Tagblatts – lagen später in den Briefkästen als üblich. Vom Streik betroffen waren St.Gallen, Wittenbach, Engelburg, Rorschach, Walterswil, Kradolf, Wil und Eschlikon. Laut Sonja Levy, Pressesprecherin der Zustellorganisation Zuvo AG, traten 46 Zeitungsverträger am Freitagmorgen ihre Arbeit nicht an. Hans-Peter Graf, Zentralsekretär bei der Gewerkschaft Comedia, zählte jedoch über 50 Streikende. Rund 770 Personen vertragen in den Kantonen St.Gallen und Thurgau für die Zuvo AG Zeitungen.

 

Die Zuvo AG habe umgehend Ersatzpersonal aufgeboten, so Levy. «So konnten wir die meisten Ausfälle auffangen. Viele Zeitungen sind bereits nachgeliefert worden.»

Insgesamt beschäftigt das Unternehmen, das in Zürich und in der Ostschweiz für die Frühzustellung der Zeitungen verantwortlich ist, 3600 Menschen. Die Zuvo AG gehört zu 50 Prozent der NZZ und zu 50 Prozent der Tamedia.

 

«Stolze Streikende»

Die Streikenden versammelten sich ab 4.30 Uhr im «Kultur am Gleis». Die Aktion erfüllte laut Zentralsekretär Graf viele der mitwirkenden Zeitungsverträger mit Stolz. Der Entscheid, einen Streik zu unterstützen, erfordere schliesslich Mut. «Man muss seine Angst überwinden – besonders, wenn man zum ersten Mal dabei ist. Und das war bei den meisten Streikenden der Fall», sagt Graf.  

 

Auch in Zeiten, in denen es nicht gut um die Wirtschaft stehe, müssten sich Arbeitnehmer für ihre Rechte einsetzen. «Die Arbeitsverträge der Zuvo AG berücksichtigen die Würde der Angestellten nicht mehr», so Graf. Deshalb habe die Comedia zusammen mit der Gewerkschaft Kommunikation die Zeitungsverträger aufgefordert, die Arbeit zu verweigern.

  

Bessere Löhne, ernsthaftere Diskussion

Graf schliesst nicht aus, dass es wegen des Streiks zu Kündigungen kommt. Gemäss der Zuvo-Pressesprecherin werden die Vorkommnisse nun analysiert. «Wir erwägen, rechtlich gegen die beiden anstiftenden Gewerkschaften vorzugehen», sagt Levy.


Dem Streik gingen Lohnkürzungen voraus. Neuere Zuvo-Angestellte verdienen seit Mitte Jahr, langjährige Arbeitskräfte seit August durchschnittlich 9,3 Prozent weniger. In Gesprächen mit der Zuvo-Geschäftsleitung versuchten die Arbeitnehmervertretung sowie die Gewerkschaften, diesen Entscheid rückgängig zu machen. Die Diskussionen führten gemäss Comedia-Sekretär Hans-Peter Graf zu keiner Einigung.

 

Mit dem Streik hätten sich die Zeitungsverträger nicht nur für bessere Löhne, sondern auch für ernsthafte Verhandlungen eingesetzt. Laut Graf müssen einige Arbeitnehmende Lohneinbussen bis zu 20 Prozent hinnehmen. «Das entspricht in der Ostschweiz einem Stundenlohn von 22 Franken – inklusive Ferien- und 13.-Monatslohn-Anteil», sagt der Gewerkschaftssekretär.

«Ein mickriges Angebot»

Zuvo-Pressesprecherin Levy betont, dass das Unternehmen mit der Arbeitnehmervertretung eine Vereinbarung abgeschlossen habe. Diese sieht einen Ausgleichsfonds vor, der 450'000 Franken fasst. Das Geld wird im Rahmen einer Einmalzahlung auf jene Angestellten verteilt, die schon länger als fünf Jahre für die Zuvo AG arbeiten.

 

Gemäss Zentralsekretär Graf erhalten die Mitarbeiter pro Dienstjahr 20 Franken. «Ein mickriges Angebot», sagt er. Obwohl die Betriebsversammlung es im Juni abgelehnt hatte, habe die Arbeitnehmervertretung dem Vorschlag letztlich «in einer Nacht- und Nebelaktion» dennoch zugestimmt. Der Streik von Freitagmorgen stellt Graf nicht zufrieden. Er habe sich mehr Teilnehmer erhofft, sagt er. Das Interesse habe sich wohl in Grenzen gehalten, weil viele Zeitungsverträger die neuen Arbeitsbestimmungen bereits unterzeichnet hätten.

 

Die Zuvo-Pressesprecherin zeigte sich vom Streik nicht überrascht. «Erst vor wenigen Tagen haben wir uns nochmals mit den Gewerkschaften ausgetauscht. Wir waren vorbereitet», sagt sie.

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