STRECKENSPERRUNG: Thurgauer Lebensader wird erneuert

Ende Juli wird die Thurtallinie zwischen Weinfelden und Frauenfeld neun Tage für den gesamten Zugsverkehr gesperrt. Während dieser Zeit müssen die Reisenden auf Ersatzbusse umsteigen.

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Was die Thurtalstrasse für den Strassenverkehr, das ist die ­Thurtallinie für die Schiene: die ­Lebensader, welche den Kanton durchquert. Nun kündigt sich während der Sommerferien für neun Tage ein veritabler bahnpolitischer Ausnahmezustand an. Vom 29. Juli bis 6. August heisst es auf der Thurtallinie zwischen Frauenfeld und Weinfelden ­nämlich: Nichts geht mehr. Für sämtliche Züge wird Weinfelden ­beziehungsweise Frauenfeld zur Endstation. Grund sind die in die Jahre gekommenen Fahrleitungen, die während der Totalsperrung auf einer Länge von 16 Kilometern erneuert werden. Und das von bis zu 120 Mitarbeitern in zwei bis drei Schichten im 24-Stunden-Betrieb.

Weshalb aber gleich eine Totalsperrung statt Erneuerungsarbeiten während der Nacht? Die SBB-Verantwortlichen begründeten diesen «sehr innovativen Ansatz» gestern an einer Medienorientierung in Frauenfeld zum einen mit der grösseren Effizienz.

In neun Tagen kann auf diesem Weg realisiert werden, was sonst nicht weniger als 600 Nächte in Anspruch nehmen würde, sagte Philippe Heinzer, Leiter Fahrstrom bei der SBB Infrastruktur. Das wiederum wirkt sich positiv auf die Kosten aus, die bei der Variante Totalsperrung rund 20 Prozent tiefer liegen. Profitieren sollen aber auch die Anwohner, welche weniger lang vom Lärm betroffen sind. Denn dass diese Arbeiten nicht geräuschlos vonstatten gehen werden, liegt auf der Hand. «Über 600 neue Fahrleitungsmasten, insgesamt 7500 Tonnen Stahl, werden aufgestellt», verdeutlichte Heinzer die Dimensionen. Die Arbeiten beginnen in Frauenfeld, dann arbeiten sich zwei unabhängige Teams, je eines für jedes Gleis, Richtung Weinfelden vor.

Die Totalsperre ermöglicht darüber hinaus einen weiteren Synergieeffekt. In Weinfelden kann gleichzeitig die neue Personenunterführung West mit vorfabrizierten Elementen eingebaut werden. «Das reduziert die Bauzeit gegenüber der herkömmlichen Bauweise mit Hilfsbrücken um circa ein Jahr», so Heinzer. Man setze alles daran, die Einschränkungen auf ein Minimum zu reduzieren.

Der gesamte Verkehr muss während der neun Tage mit Ersatzbussen bewältigt werden – eine logistische Herausforderung. In den Hauptverkehrszeiten sitzen in einem einzigen IC zum Beispiel über 600 Fahrgäste, die umgeleitet werden müssen. Diesen Part übernehmen die Postautos, zusammen mit Partnern. So hat man laut Walter Schwizer von der Postauto-­Region Ostschweiz auch die Bus Ostschweiz AG sowie die Regiobus AG an Bord geholt. Insgesamt stehen 22 Busse mit über 30 Fahrern im Einsatz. Angeboten werden drei Linien: ein Direktbus zwischen Frauenfeld und Weinfelden, einer zwischen Frauenfeld und Kreuzlingen via Autobahn sowie ein Bahnersatzbus zwischen Frauenfeld und Weinfelden mit Halt an allen Stationen. Trotz ausgeklügeltem Konzept: Die SBB sind auch auf das Verständnis ihrer Kundschaft während der Streckensperrung angewiesen. Denn die Reisezeit auf der Strecke kann sich, je nachdem, ob man einen Anschluss noch schafft, um bis zu 30 Minuten verlängern. (ck)