Strassenbau: Die Geschichte der Toggenburger Umfahrungen ist lang und beschwerlich

Der Kanton St.Gallen lässt zurzeit für über 300 Millionen Franken zwei Autostrassen im Toggenburg bauen. Sie schliessen Lücken zwischen bestehenden Umfahrungen. Bis es so weit war, hat es Jahre gedauert – vor allem wegen Einsprachen.

Martin Knöpfel
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Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Der Plot für den Bau der Umfahrungen von Bütschwil und Wattwil könnte der «Unendlichen Geschichte» entsprungen sein. Ideen für Dorfumfahrungen im Toggenburg gab es schon in den 1950er-Jahren, also vor über 60 Jahren. Zig Varianten kamen ins Spiel, etwa die einer Schnellstrasse – und wurden wieder verworfen. Und da die neuen Strassen keine Schnellstrassen sein dürfen, wurden und werden fast alle Anschlüsse ans vorhandene Strassennetz T-förmig angeschlossen oder als Kreisel ausgestaltet.

Ab den 1970er-Jahren kam etwa alle zehn Jahre eine Ortsumfahrung im Toggenburg dazu. Den Anfang machte Ebnat-Kappel 1972. In den 1980er-Jahren folgte Lichtensteig, wo sich der ganze Verkehr vorher durch Altstadtgassen zwängen musste.

Vom Ricken an Wattwil vorbei

Rund zehn Jahre später war die 1. Etappe der Umfahrung Wattwil fertig, die den Verkehr vom und nach dem Ricken am Dorf vorbeiführt. 2006 folgte die Umfahrung von Bazenheid, so dass noch zwei ­Lücken bestanden.

Die eine liegt bei Bütschwil, wo der ganze Strassenverkehr von Wil nach Wattwil sich heute noch durchs Dorfzentrum und über zwei Bahnübergänge quält. An Werktagen waren das letztes Jahr gut 17000 Fahrzeuge.

Strassen mit vielen Wohnhäusern

Die andere Lücke betrifft den Verkehr von Orten nördlich von Wattwil ins Obertoggenburg und umgekehrt. Die Fahrzeuge werden in Wattwil über die Wiler- und die Ebnater­strasse geleitet, an denen sich viele Wohnhäuser befinden. Auf der Wilerstrasse zählte man vergangenes Jahr an Werktagen gut 16000 und auf der Ebnater­strasse noch fast 8600 Fahrzeuge.

Die Ortsumfahrungen im Toggenburg sind zweispurige Autostrassen mit Höchstgeschwindigkeiten zwischen 60 und 100 Stundenkilometern. An einigen Orten benutzt man zwischen den Umfahrungen die Überlandstrasse.

Einsprachen bis nach «Lausanne» weitergezogen

Im Dezember 2009 hiess der Kantonsrat den Bau der beiden fehlenden Umfahrungen gut. Ein Referendum kam nicht zu Stande. Einsprachen, die bis ans Bundesgericht gingen, verzögerten die 2. Etappe der Umfahrung Wattwil. Sie brachten kleine Änderungen am Projekt.

Die Umfahrung Bütschwil ist rund 3,8 Kilometer lang, davon 1,4 Kilometer in Tunnels. Mit Kosten von 200 Millionen Franken ist sie das momentan teuerste Strassenbauprojekt, das der Kanton bezahlt. Eröffnung soll im dritten Quartal 2020 sein. Besonders an der ­Umfahrung Bütschwil ist, dass sie weitgehend von Norden nach ­Süden gebaut wird. Schon fertiggestellte Abschnitte dienen als Baustellenzufahrt.

Eröffnung für 2022 geplant

Die 2. Etappe der Umfahrung Wattwil ist kürzer und günstiger als die Umfahrung Bütschwil. Sie verläuft meist an der südwestlichen Talflanke, misst gut drei Kilometer und dürfte 124 Millionen Franken kosten. Die Kunstbauten werden zusammen rund einen Kilometer lang sein.

Am Mittwoch war Spatenstich. 2022 soll die 2. Etappe eröffnet werden. Der Kanton erwartet, dass durch die Umfahrungen Bütschwil und Wattwil (2. Etappe) der Verkehr durch die beiden Dorfzentren um je die Hälfte abnimmt.