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Stopsignal für Kunststoffsammlung

Kunststoffabfälle nicht gemischt sammeln in Gebührensäcken: Diese Empfehlung an Gemeinden im Osten der Ostschweiz bringt eine Tagung. Thurgau und Fürstenland/Toggenburg beurteilen das anders.
Fritz Bichsel

RORSCHACH. Information und Diskussion über Verwertung von Kunststoffabfällen: Dazu treffen sich im Würth-Haus in Rorschach hundert Fachleute von Gemeinden, Kantonen und Umweltverbänden. Sie kommen aus dem Gebiet der Abfallverbände für Appenzellerland und St. Gallen-Rorschach, Rheintal, Werdenberg-Sarganserland und Liechtenstein. Und sie hören von Erfahrungen in anderen Gegenden: In der Innerschweiz, wo nur Plastikflaschen angenommen werden, und aus dem Gebiet der Abfallverbände Thurgau und Bazenheid (ZAB), wo die Bevölkerung Kunststoffabfälle gemischt abliefern kann in Säcken mit tieferer Gebühr als für Kehricht.

Zug verzichtete nach Versuchen auf solche Säcke. Geringe Mengen und tiefer Anteil an wiederverwertbarem Material trugen bei, aber auch höherer Energiegewinn aus dem Verbrennen von Kehricht mit einer neuen Anlage für die Innerschweiz. Hasi Schwarzenbach als Geschäftsführer des Abfallverbandes der Zuger Gemeinden zieht den Schluss: «Separate Sammlung müsste für die Bevölkerung auch bei Kunststoffen gratis sein.»

Nach ersten Erfahrungen berichtet Peter Steiner als Geschäftsleiter des Abfallverbandes Thurgau Gegenteiliges: Die Bevölkerung sammle mehr als erwartet (siehe Ausgabe von gestern). Und das Potenzial an wiederverwertbarem Material könne bei zwei Dritteln liegen.

«Eine Glaubensfrage»

Der frühere Fernsehmoderator Walter Eggenberger stellt als Gesprächsleiter fest: «Kunststoffrecycling ist Glaubenssache.» Referenten stimmen zu – mit Verweis auf die Faktoren: ökologischer Nutzen, Wünsche der Bevölkerung und Kosten. Je nach Gewichtung fällt die Bilanz für oder gegen Kunststoffsammlung aus. Marco Sonderegger, Leiter Entsorgung in der Stadt St. Gallen und Tagungsorganisator, relativiert die Glaubensfrage: «Im Gebiet der Ostschweiz ohne solche Säcke wird die Umwelt jährlich nur so belastet wie durch zwei Flüge nach New York.»

Energie oder Rohstoff

Der Bund schreibt den Kantonen die Verwertung von Kunststoffen vor. Michael Hügi vom Bundesamt für Umwelt erläutert dazu, dass er beide Verfahren erlaubt: thermisch (mit dem Kehricht für Energiegewinnung in Verbrennungsanlagen) oder stofflich (zur erneuten Herstellung von Kunststoffprodukten).

In letzteres stiegen auch Unternehmen ein. Wie die Migros nehmen nun weitere Grossverteiler alle Plastikflaschen zurück. Von diesen lässt sich ein grosser Teil wiederverwerten. Heidi Oswald vom Migros-Genossenschaftsbund sagt, das rechne sich nur einigermassen, weil bereits ein Transportnetz bestehe und die Kunden die Flaschen sortieren. Wie im Thurgau die öffentliche Hand sammeln in anderen Gegenden Recyclingbetriebe Kunststoff gemischt in Säcken. Das rechnet sich, sogar beim tiefen Ölpreis, wenn die Nebenkosten zulasten von Gemeinde und Einwohnern gehen: Ohne Kunststoffe nimmt die Kehrichtmenge ab. So wird die Abfuhr je Kilogramm teurer und können Verbrennungsanlagen weniger Energie produzieren. Also steigt die Kehrichtgebühr.

Entwicklung abwarten

Marco Sonderegger empfiehlt den Gemeinden im Osten der Ostschweiz, gemeinsam vorzugehen, die Rücknahme von Plastikflaschen zu steigern und mindestens vorerst auf das Sammeln von gemischten Kunststoffabfällen zu verzichten. Denn Private erproben eine weitere Variante: In Gebührensäcken sammeln, aber nur Flaschen.

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