Ständeratssitz: Stöckli soll in Frauenhand bleiben

Erika Forster, Karin Keller-Sutter und bald Susanne Vincenz-Stauffacher: Die St.Galler FDP will den freien Ständeratssitz mit der Abtwiler Rechtsanwältin verteidigen.

Regula Weik
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Susanne Vincenz-Stauffacher: «Ich habe den Kopf und den Rücken für dieses hohe Amt frei.» (Bild: PD)

Susanne Vincenz-Stauffacher: «Ich habe den Kopf und den Rücken für dieses hohe Amt frei.» (Bild: PD)

Die Thurgauer CVP-Politikerin Brigitte Häberli ist die einzige Ständerätin, die 2019 wieder antritt. Es sei denn, die St.Gallerinnen und St.Galler wählen im Frühling als Ersatz für die neue Bundesrätin Karin Keller-Sutter eine Frau in die Kleine Kammer. Diese Möglichkeit will ihnen die FDP bieten: Sie steigt mit Susanne Vincenz-Stauffacher in die Ständeratsersatzwahl. Die Vorstellung, die Kleine Kammer könnte bald nahezu frauenlos sein, scheint die Partei aufgeschreckt zu haben. Jedenfalls schreibt sie: «Aufgrund der angekündigten Rücktritte von Ständerätinnen anderer Kantone läuft das Gremium Gefahr, ab den Wahlen 2019 kaum mehr Frauen in seiner Mitte zu haben. Das wäre fatal – damit wäre mehr als die halbe Bevölkerung der Schweiz nicht mehr im Ständerat vertreten.» Hinzu kommt: Mit Erika Forster und Karin Keller-Sutter war einer der beiden St.Galler Ständeratssitze lange Zeit in freisinniger Frauenhand. Mit Susanne Vincenz-Stauffacher möchte die Partei diese «Tradition» fortsetzen.

Susanne Vincenz-Stauffacher? Noch nie gehört, dürfte in mancher Region des Kantons die erste Reaktion nach Bekanntwerden der FDP-Kandidatur gewesen sein. Die Abtwilerin weiss um ihre mangelnde Bekanntheit im Linthgebiet, im Sarganserland, im Werdenberg. Darauf angesprochen, sagt sie denn auch: «Ich werde in den kommenden Wochen oft in den Regionen unterwegs sein.» Besonders freut sie denn auch, dass beim einstimmigen Entscheid der Parteileitung alle Regionen vertreten waren – «und hinter mir stehen; ohne ihre Unterstützung wäre ich auf verlorenem Posten».

«Das macht mir keine Angst»

Susanne Vincenz-Stauffacher gehört seit zweieinhalb Monaten dem Kantonsparlament an; zuvor hatte sie kein politisches Amt inne, weder auf kantonaler, noch auf kommunaler Ebene. Die 51-jährige Mutter zweier erwachsener Töchter führt seit 1993 als Rechtsanwältin und öffentliche Notarin in St. Gallen eine eigene Kanzlei.

«Ich habe als junge Anwältin ohne fremdes Geld eine Kanzlei gegründet und war bereit, dieses Risiko auf mich zu nehmen.»

Als Unternehmerin kenne sie die Herausforderungen der Wirtschaft, als Anwältin habe sie oft mit kleineren und mittleren Unternehmen zu tun. Auf den Herausforderer der CVP, Finanzchef Benedikt Würth angesprochen, antwortet sie denn auch: «Ich habe ein völlig anderes Profil als er. Ich war immer in der Privatwirtschaft tätig und bin unabhängig.» Würth wird vielerorts, auch ausserhalb der eigenen Partei, bereits als gewählt betrachtet. Dazu sagt Susanne Vincenz-Stauffacher: «Das macht mir keine Angst. Das ist gelebte Demokratie.» Ihre offizielle Nomination nächste Woche ist eine reine Formsache.

Sicher auch ins Rennen steigt die SVP. Oft als möglicher Kandidat genannt wird Stefan Kölliker. Es ist aber eher unwahrscheinlich, dass der Bildungschef gegen Regierungskollege Würth in den Ring steigt. Setzt die Partei ebenfalls auf eine Frau, auf Esther Friedli? Sie hat stets betont, es reize sie einzig ein Exekutivamt. Allenfalls ziehen auch die Grünen nach. Sie können sich noch bis 11. Januar 2019 bedeckt halten; dann läuft die Einreichefrist ab. Die Ersatzwahl findet am 10. März 2019 statt.