Stiefvater vergeht sich an Kind

Ein 39-Jähriger musste sich gestern vor dem Bezirksgericht Frauenfeld wegen sexueller Handlungen an der 11jährigen Stieftochter verantworten. Er wurde zu einer bedingten Geldstrafe verurteilt.

Christof Lampart
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FRAUENFELD. Neben der bedingt auf zwei Jahre erlassenen Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 50 Franken muss der verurteilte Mann eine Busse von 1800 Franken sowie Verfahrens- und Gerichtskosten von insgesamt 3025 Franken bezahlen. Das Bezirksgericht Frauenfeld folgte damit fast vollumfänglich der Anklage. Lediglich die Höhe des Tagessatzes und der Busse wurden aufgrund der angespannten finanziellen Lage des angeklagten Mannes leicht reduziert.

Eine Grenze überschritten

Grundsätzlich wertete die Richterin die auf Video aufgenommenen Aussagen des Kindes als glaubhaft und das Vergehen des Mannes als schwerwiegend. «Sie haben sich der sexuellen Handlungen mit Kindern schuldig gemacht. Es kommt nicht darauf an, was Sie selbst gefühlt haben oder ob es für das Kind als sexuelle Handlung erkennbar war. Da ist ganz klar eine Grenze überschritten worden», erklärte die Richterin dem Angeklagten.

Zum Fall: Die Anklage warf dem in Frauenfeld wohnhaften Mann vor, an zwei Tagen im Sommer 2011 seine damals elfjährige Stieftochter unsittlich berührt zu haben. Dabei reichte das Spektrum der Handlungen vom Streicheln an den Schultern über das Massieren der Brüste bis zum Einführen eines Fingers in ihre Scheide.

In der Anklageschrift heisst es, dass dem Beschuldigten bewusst gewesen sein musste, dass es sich bei der Stieftochter um eine Minderjährige im Schutzalter handelte und dass das Streicheln der weiblichen Brust und der Scheide einen sexuellen Bezug aufweise.

Vor Gericht erschienen nur der Angeklagte sowie die Mutter des Kindes und Ex-Ehefrau des Angeklagten. Das Kind blieb dem Gerichtstermin fern. Beide Anwesenden betonten, dass sie heute – obwohl kein Paar mehr – eine gute Beziehung pflegten. Der Angeklagte war gar bei der Konfirmation der Stieftochter dabei, die ihn immer noch «Papi» nenne, sagte er stolz.

«Da war ein komisches Gefühl»

Weniger stolz war der Mann auf das Vorgefallene. Er gab zu, dass er seine Stieftochter gestreichelt habe, bestritt aber, dass er sie an der Scheide berührt habe. Er habe sich einfach gedacht, das Mädchen brauche diese Nähe. Er habe es auch gefragt, ob ihm die Berührungen gefielen. Dass der Mann seine Stieftochter in ihrem Beisein in den Arm genommen habe, sei nichts Verwerfliches gewesen, erklärte dessen Exfrau. «Das hat mein Vater mit mir auch gemacht.»

Dennoch habe es rückblickend Situationen gegeben, bei denen sie ein «komisches Gefühl» beschlichen habe. In der Annahme, Teil einer funktionierenden Familie zu sein, habe sie dieses Gefühl aber negiert, räumte die Frau ein. Dass ein pubertierendes Kind seinen eigenen Körper kennenlernen wolle, sei normal, doch dieses «Kennenlernen» dürfe keinesfalls durch einen Erwachsenen geschehen.