Stieftochter missbraucht

Die St. Galler Justiz hat einen Mann, der seine Stieftochter mehrfach sexuell bedrängt und an den Geschlechtsteilen begrapscht hat, zu Recht verurteilt – so entscheidet das Bundesgericht.

Urs-Peter Inderbitzin
Merken
Drucken
Teilen

st. gallen. Der Stiefvater war in erster Instanz vom Kreisgericht Obertoggenburg-Neutoggenburg im Juni 2008 wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit einem Kind zu einer bedingten Gefängnisstrafe von 14 Monaten verurteilt worden. Ausserdem verurteilte das Gericht den Stiefvater zur Zahlung von Schmerzensgeld an seine Stieftochter.

In Badewanne missbraucht

Das Kreisgericht sah es für erwiesen an, dass der Mann im Winter 1999/2000 zu seiner Stieftochter in die Badewanne gestiegen war und sich vor ihr selbst befriedigt hatte.

Anschliessend soll er das Mädchen am ganzen Körper, auch zwischen den Beinen, abgetrocknet und dabei seinen Penis gegen das Mädchen gedrückt haben. Später fanden weitere sexuelle Übergriffe statt, wobei der Stiefvater dem Mädchen immer wieder an die Brust, an den Po und an die Vagina gegriffen hatte.

Sowohl der Verurteilte als auch die Staatsanwaltschaft erhoben in der Folge Berufung an das St. Galler Kantonsgericht. Dieses bestätigte den Schuldspruch, erhöhte aber die Freiheitsstrafe auf 20 Monate bedingt.

Beweise falsch gewürdigt?

Der Stiefvater akzeptierte diesen Entscheid wiederum nicht und rief deshalb das Bundesgericht in Lausanne an. Dort warf er der St. Galler Justiz vor, die Beweise falsch gewürdigt zu haben und in unzulässiger Weise auf die Glaubwürdigkeit der Stieftochter abgestellt zu haben.

Das Bundesgericht hat die Beschwerde des Mannes abgewiesen.

Zwar räumen die Richter ein, dass die Anzeige des Mädchens sehr spät – rund sechs Jahre nach den Vorfällen – erfolgt sei und dieses auch den Zeitpunkt der jeweiligen Übergriffe nicht genau habe nennen können. Da das Opfer aber die Vorwürfe in örtlicher und sachlicher Hinsicht präzise zu umschreiben vermochte, durfte der Stiefvater verurteilt werden.

Aussagen sind glaubhaft

Das Bundesgericht stützte das Kantonsgericht auch darin, dass es in diesem Zusammenhang die Aussagen des Mädchens zu Recht als glaubhaft bezeichnet.