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St.Galler Witwer sucht eine neue Partnerin: «Nähe und Zärtlichkeit vermisse ich am meisten»

Der 72-jährige St.Galler Albert Niederberger ist seit bald sieben Jahren verwitwet und wieder bereit für eine neue Partnerschaft. Er ist sportlich, aktiv und engagiert – dennoch gestaltet sich die Suche nach der passenden Frau schwierig.
Maria Kobler-Wyer
Albert Niederberger möchte nicht mehr allein sein. (Bild: Hanspeter Schiess)

Albert Niederberger möchte nicht mehr allein sein. (Bild: Hanspeter Schiess)

Kürzlich erzählten uns drei Frauen, alle um die 60 Jahre alt, über ihre Erfahrungen mit Online-Dating. Sie sprachen davon, dass Männer in ihrem Alter häufig gleich beim ersten Date Sex möchten oder eine Frau suchen, die kocht, putzt, wäscht, ihren Job und ihre Wohnung aufgibt.

«Als ich das gelesen habe, hat es mir den Deckel gelupft», sagt Albert Niederberger. «Ich weiss, dass es solche Männer gibt. Aber es gibt auch anständige.» Nicht nur Frauen hätten Probleme, einen passenden Mann zu finden. «Auch für Männer ist es schwierig, die richtige Frau zu finden», sagt der 72-Jährige. «Wo lernt man denn heute jemanden kennen?»

Langer Winter

Ein Stubenhocker ist Albert Niederberger nicht. Der St.Galler engagiert sich im Seniorenrat, im Trauercafé des Kantonsspitals, ist im Pfarreirat, kocht in einer Gruppe mit vier Frauen, war jahrelang Turnleiter. Die Richtige ist ihm dabei bisher nicht begegnet. «Beim Kirchgang lernt man heute niemanden mehr kennen.» Gerade der Winter sei sehr lang, wenn man allein sei, sagt der Rentner. «Nähe und Zärtlichkeit vermisse ich am meisten», sagt er.

«Ich würde gerne wieder eine Frau in die Arme nehmen.»

Frau bis zum Tod gepflegt

Seit dem Tod seiner Ehefrau vor rund sieben Jahren lebt Albert Niederberger allein. Zuvor hat er seine Gattin, die an Rachenmandelkrebs litt, während zwei Jahren zu Hause gepflegt. «Die Pflege war sehr kräfteraubend», sagt der ehemalige St.Galler Polizeioffizier. «Eine neue Beziehung war für mich daher vier Jahre lang kein Thema.» Inzwischen fühlt er sich bereit für eine Partnerschaft. Denn auch wenn er immer auf die Unterstützung seiner Familie – er ist zweifacher Vater, hat sechs Enkelkinder, eine Stiefenkelin und eine Urenkelin – zählen kann, sagt Niederberger: «Mir fehlt trotzdem eine Partnerin.»

Per Annonce gesucht

Vor rund eineinhalb Jahren hat er deshalb in der Zeitung eine Annonce aufgegeben. «Nichtraucher, sportlich, reist gerne» – mit diesen Worten beschrieb sich Albert Niederberger. Er wünschte sich zudem, dass die Frau in seinem Alter ist und ein Foto mitschickt. «Eine Frau hat ein 20 Jahre altes Föteli mitgeschickt und ihre Schrift war grausam», sagt er. «Eine andere schrieb, sie sei am Tanznachmittag anzutreffen, wieder eine andere wurde nach dem dritten Telefon ziemlich aufsässig.» Mit einer Frau hat sich Niederberger zwar getroffen, eine Beziehung hat sich daraus aber nicht entwickelt.

Albert Niederberger träumt von einer sportlichen, reisefreudigen Nichtraucherin – einer Frau auf Augenhöhe. «Sie darf nicht klammern», stellt er klar.

«Ich kann mir auch nicht vorstellen, wieder mit einer Frau zusammen zu wohnen.»

Zwei Jahre nach dem Tod seiner Frau ist er vom Haus in eine Eigentumswohnung gezogen. Diese hat er ganz nach seinem Geschmack eingerichtet. Der 72-Jährige wandert und reist gerne, fährt mit seinem E-Bike ins Appenzellerland, macht Skiferien und ist dreimal pro Woche im Fitnesscenter anzutreffen. Keine Freude hätte er, wenn die neue Frau an seiner Seite ein Abo des Stadttheaters hätte. «Früher war ich als Polizist im Theater, da musste ich immer aufpassen, dass ich nicht einschlafe», sagt er.

Nicht mehr alleine reisen

«Ich erledige alle Arbeiten im Haushalt selber, dafür brauche ich keine Frau», sagt der Witwer. Gekocht habe er schon immer. Wäsche waschen habe er gelernt, als seine Frau bereits krank war. «Ich bügle auch meine Hemden selber», sagt er stolz. Aber er würde sich sehr freuen, wenn er nicht mehr alleine auf Reisen gehen müsste. Der Rentner bezeichnet sich als aktiver Reisender. «Ich kann nicht drei Wochen im Liegestuhl am Strand sitzen», sagt er. «Ich will Land und Leute kennenlernen.» Ein Jahr nach dem Tod seiner Frau ist er für viereinhalb Wochen nach Neuseeland gereist und hat sich dort einer Wandergruppe angeschlossen.

«Ich habe schon Ferienbekanntschaften gemacht, aber am Ende des Tages sitzt man halt doch alleine im Zimmer», sagt der St.Galler.

Die Zeitungsanzeige hat Albert Niederberger kürzlich geschreddert. «Ich bin nicht auf der Jagd nach einer Frau», sagt er. «Dann bleibe ich halt allein.» Dennoch gibt er die Hoffnung auf Zweisamkeit nicht auf. «Am liebsten wäre mir, wenn es einfach ‘Bumm’ macht», sagt der St.Galler. So wie damals an der Fasnacht, als er als 17-Jähriger in seiner ursprünglichen Heimat Nidwalden seine damals 15-jährige, spätere Frau im Restaurant gesehen hat. «Es war Liebe auf den ersten Blick», sagt Albert Niederberger. «Ich weiss nicht, ob es so etwas ein zweites Mal gibt.»

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