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St.Galler Wikipedianer kämpft gegen digitale Trolle

Die Wikicon, das Treffen der deutschsprachigen Wikipedianer, findet demnächst in St.Gallen statt. Patrick Grawehr ist einer dieser Wikipedianer. Im Internet kämpft er unter dem Pseudonym PaterMcFly gegen Trolle, Störenfriede und für Qualität.
Marlen Hämmerli
Patrick Grawehr vor der Stadt St.Gallen, deren Wikipedia-Artikel er verfasst hat. (Bild: Hanspeter Schiess (St.Gallen, 21. September 2018))

Patrick Grawehr vor der Stadt St.Gallen, deren Wikipedia-Artikel er verfasst hat. (Bild: Hanspeter Schiess (St.Gallen, 21. September 2018))

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die aktuelle Ausgabe lesen Sie hier.

Hinter den Kulissen von Wikipedia tobt ein Kampf. Nicht nur streiten die Mitglieder der Enzyklopädie untereinander, sie wehren sich auch gegen aussen. Einer der Kämpfer für die Qualität von Wikipedia ist der St.Galler PaterMcFly. Während Marty McFly in «Zurück in die Zukunft» gegen Bösewichte und Rüpel kämpft, kämpft PaterMcFly gegen Trolle und Vandalen. Seit bald zehn Jahren ist Patrick Grawehr, wie er wirklich heisst, Administrator. In der Community ein Ritterschlag. Nur Benutzer, die sich aktiv engagieren, länger dabei sind und denen eine neutrale Sicht zugetraut wird, werden gewählt.

Im Gegenzug erhalten sie das Recht, Seiten zu löschen und Benutzer zu sperren. Zwei bis drei Benutzer sperrt Grawehr täglich. «Oder auch mal zehn, je nachdem, wer gerade aktiv ist.» Konten züchten, nennt Grawehr das Phänomen. Manche Benutzer versuchen mehrere Konten zu führen, um bei Diskussionen Mehrheiten vortäuschen zu ­können. Möglich ist dies, weil es bei Wikipedia sehr einfach ist, Konten zu erstellen. Nicht einmal eine Mailadresse ist nötig. Auch die Anonymität wird hochgehalten. «Der Einstieg soll einfach sein», sagt Grawehr. Doch das führt zu Problemen.

Wikipedia wird für Werbung missbraucht

So erstellen Start-up-Gründer Artikel über ihre Firma, um bekannt zu werden. Unter Wikipedianern ist das verpönt. «Wikipedia ist nicht dazu da, etwas bekannt zu machen, sondern dafür, über ­etwas zu berichten, das schon bekannt ist», sagt Grawehr.

Die Offenheit Wikipedias vereinfacht auch Vandalenakte. «Benutzern, die in einen Artikel Naziparolen reinschreiben, würde ich manchmal gerne die Meinung sagen.» Zum Glück gebe es standardisierte Löschgründe, sagt Grawehr. Denn Administratoren benötigen Fingerspitzengefühl und Psychologie, um Konflikte nicht weiter anzuheizen. «Da habe ich viel gelernt. Als Administrator muss man sich mit vielen Konflikten herumschlagen, die einen nicht interessieren.»

Störenfriede schaden der Reputation

Hohe Qualitätsansprüche, mühsame Konflikte. Woher kommt die Motivation, an Wikipedia mitzuarbeiten? Grawehr überlegt lange, sagt dann: «Doch, es ist der Wille, ein möglichst umfangreiches, einfaches Nachschlagewerk bereitzustellen. Eines mit gesicherten, verlässlichen Informationen.» Gerade um diesen Anspruch wird im Wikipedia-Universum gerungen. So ist die Artikelpflege eines von vielen Diskussionsthemen an der Wikicon (siehe Kasten am Ende des Textes). Störenfriede erstellen etwa Artikel mit mangelhaften Quellen. «Das schadet der Reputation und hält ehrliche Benutzer davon ab, Artikel zu pflegen.» Gleichzeitig stellen Nutzer unsinnige Erwartungen an die Enzyklopädie: Eine halbe Stunde nach einem Flugzeug­absturz gebe es dazu schon einen Artikel. Zu einem Zeitpunkt also, zu dem noch kaum gesicherte Informationen vorliegen.

Grawehr schreibt hingegen Artikel zu seinem Hobby, dem Segeln. Aber auch zu Pyjama, Potenzmittel und Penisvergrösserung. Den Artikel zur Stadt St.Gallen hat hauptsächlich er verfasst, ebenso wie jene zum Kinderfest und dem Gübsensee. «Lese ich einen Artikel, merke ich manchmal, dass ein Aspekt fehlt, und ergänze ihn», erklärt Grawehr. Das empfiehlt er auch Neulingen, um sich mit dem ­System vertraut zu machen: bestehende Artikel zu verbessern. «Sei es nur ein Schreibfehler.»

Wikicon ist öffentlich

An der Konferenz der deutschsprachigen Wikipedia-Gemeinschaft kann jede und jeder teilnehmen. Die Wikicon findet vom 5. bis zum 7. Oktober in St.Gallen an der Kantonsschule am Burggraben statt. Besucher benutzen den Eingang an der Lämmlisbrunnenstrasse. Im Eingangsbereich der Kanti stellen Wikipedianer Projekte und die verschiedenen Organisationen vor. Am Samstag gibt es Einführungskurse für jene, die mitschreiben möchten. Programm und Anmeldung unter www.wikicon.org. (mha)

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