Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

«Unter aller Sau», «erbärmlich», «falsch»: Wie Politiker aus dem Kanton St.Gallen auf das Wurm-Plakat der SVP reagieren

Das umstrittene Plakatsujet der SVP Schweiz empört auch St.Galler Politiker. Als erster distanziert sich der Rheintaler CVP-Kantonsrat Sandro Hess von der «unsäglichen» Kampagne. SVP-Kantonalpräsident Walter Gartmann hält sich auf Anfrage mit einem Kommentar zurück. Die Reaktionen von der Parteibasis seien aber «positiv».
Marcel Elsener
Das neue Kampagnenplakat der SVP. (Bild: ZvG)

Das neue Kampagnenplakat der SVP. (Bild: ZvG)

Die Entrüstung über das Apfel-Wurm-Plakatsujet der SVP Schweiz kam auch in der St.Galler Politlandschaft prompt. Bereits am Sonntagmittag liess CVP-Kantonsrat und Regionalpräsident Sandro Hess sein Facebook-Publikum klipp und klar wissen, was er davon hält. «Andersdenkende als Ungeziefer darzustellen», schreibt Hess. «So sieht also das Schweizbild und das Demokratieverständnis der SVP aus.»

«Unter aller Sau. Wer wählt noch diese Partei?»

Am späten Sonntagabend schrieb Kantonsrat und Grünen-Präsident Thomas Schwager ebenfalls auf Facebook: «Das Niveau der SVP rutscht immer tiefer. Nun stellt sie ihre politischen Gegner als Würmer dar. Zum Fremdschämen!» Unter den ersten Kommentaren bildete jemand das «Stürmer»-Plakat von 1931 mit einem Wurm mit Juden-Kopf ab und verwies auf die «gruseligen Vorbilder» der Kampagne. Damit zeige die SVP «ihr wahres Gesicht». «Zutiefst schockiert» davon meint die St.Galler SP-Stadtparlamentarierin Eva Crottogini: «Ich erwarte von der SVP St.Gallen eine dezidierte Distanzierung von der nationalen Kampagne.»

Nicht lange bitten liessen sich auch St.Galler SP-Politiker: «Auch wer verzweifelt ist, sollte keine strohdummen Plakate machen», meint der Wiler SP-Stadtrat und Kantonsrat Dario Sulzer auf Facebook.

«Sorry, SVP, das ist erbärmlich.»

Gemäss Hashtags ist er umso zuversichtlicher, dass im Herbst ein Linksrutsch zu erwarten ist.

St.Galler SVP-Exponenten halten sich mit persönlichen Äusserungen zurück

In den Reihen der St.Galler SVP gibt es wenig Anzeichen auf eine interne Zerreissprobe, die meisten Parteiexponenten verzichten auf öffentliche Äusserungen zum umstrittenen Sujet. Auf Anfrage mag sich der kantonale SVP-Präsident Walter Gartmann nicht auf eine persönliche Einschätzung hinauslassen. «Das Plakat der SVP Schweiz bringt zugespitzt auf den Punkt, dass die anderen Parteien und die EU die Schweiz kaputt machen wollen», schreibt er namens der St.Galler Parteileitung, ohne auf das heftig kritisierte Sujet selbst einzugehen. «Mit dem Rahmenabkommen wollen sie die Schweiz an die EU anbinden und sie in ihren Handlungsfreiheiten einschränken. Dies wird die Eigenheiten zerstören, die uns stark gemacht haben: Föderalismus, direkte Demokratie, starker Wirtschafts- und Finanzplatz, etc. Zu einer solchen Politik sagen wir klar Nein.»

Auf die Frage, ob die SVP des Kantons St.Gallen die nationalen Plakate verwenden oder adaptieren wird, antwortet Gartmann: «Die St.Galler SVP macht keine Vorkampagne und wird mit ‹Frei und sicher› in die Wahlen steigen.» Die Kantonalpartei hat laut ihrer Leitung bis am Montag offensichtlich noch keine wüsten Reklamationen erhalten, im Gegenteil: «Die Reaktionen der Parteibasis sind positiv», teilt Gartmann mit.

Ständeratskandidat Büchel und Nationalratskollege Egger üben keine Stilkritik

Ähnlich vorsichtig äussert sich der St.Galler Nationalrat und Ständeratskandidat Roland Rino Büchel. Er sagt zum Plakat mit dem wurmstichigen Apfel lediglich: «Über den Stil, mit welchem eine Botschaft übermittelt wird, kann man immer diskutieren.» Doch sei es «leider so, dass die Mitte- und Linksparteien in wesentlichen Punkten gegen die etablierten demokratischen Gepflogenheiten in unserem Land ankämpfen», meint Büchel. «Das Hinauszögern des Entscheids zur Kohäsionsmilliarde bis nach den Wahlen ist das jüngste Beispiel dazu.» Und mit Blick auf seine Herkunftsregion ergänzt Büchel: «Dass diese Allianz offensichtlich auch für eine ebenso drastische wie nutzlose Erhöhung der Treibstoffpreise einsteht, ist für die Wirtschaft und die Menschen in einem mehrheitlich ländlichen Kanton wie St.Gallen noch gravierender als an andern Orten.»

Ähnlich antwortet Büchels Nationalratskollege Mike Egger: «Mit dem Plakat möchte die SVP Schweiz auf das Verhalten der anderen Parteien beim EU-Rahmenvertrag hinweisen. Gerade bei diesem wichtigen Thema ist es zentral, auf unmissverständliche Art und Weise darzustellen, um was es geht – nämlich um die Aushöhlung der Schweizer Werte.» Auch der jüngste St.Galler SVP-Nationalrat lässt sich nicht auf die Äste hinaus, was den als «ekelerregend» kritisierten Stil des Sujets betrifft: «Über die Darstellung des Plakatentwurfes kann man allerdings geteilter Meinung sein.»

Nur Kantonsrats-Fraktionschef Götte distanziert sich vom «Angriff auf andere Parteien»

Dezidiert anderer Meinung als die nationale Parteispitze ist der Chef der SVP-Fraktion im St.Galler Kantonsrat, Michael Götte. «Ich bin über das Sujet erschrocken», sagt der Tübacher Gemeindepräsident, im Wissen, dass im Wahlkampf mit allen Mitteln versucht werde, Aufmerksamkeit zu erheischen. «Den Angriff auf andere Parteien erachte ich als falsch, da es mir als Exekutivpolitiker und als langjährigem Fraktionschef bewusst ist, wie wichtig die parteiübergreifende Zusammenarbeit ist», sagt Götte, der für den Nationalrat kandidiert. Dies gelte deshalb auch für den persönlichen Wahlkampf und das gemeinsame Facebook-Wahltalk-Vehikel mit der FDP-Kandidatin Karin Weigelt.

Der Stil des Plakats entspreche nicht seinem «Ton». Der Fraktionschef hat sich überlegt, seine Meinung auf den sozialen Kanälen kund zu tun, will aber darüberhinaus nicht bei der Parteileitung vorstellig werden. Das sei Sache des Kantonalpräsidenten, der auch im nationalen Parteiausschuss sitze.

Satiremagazin twittert Gegenvorschlag

Die im thurgauischen Horn publizierte Schweizer Satirezeitschrift «Nebelspalter» hat einen Gegenvorschlag zum SVP-Wurm-Plakat entworfen «für alle, die zurückäpfeln möchten». Das Sujet: Ein faulender Apfel und ein zu einem Hakenkreuz umgestaltetes Schweizerkreuz. Darunter steht:

«Lieber von Insekten geschätzt als von Braunfäule befallen.»

Und im SVP-Grün: «Niemals wählen!»

Mehr zum SVP-Apfel-Plakat:

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.