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Interview

St.Galler SVP-Ständeratskandidat Roland Rino Büchel: «Jeder will Pestalozzi spielen»

Der St.Galler SVP-Ständeratskandidat Roland Rino Büchel über Ärzteshopping, Weltretter und linke Wahlversprechen.
Interview: Michael Genova und Regula Weik
«Solche Spielchen gefallen mir nicht»: Roland Rino Büchel beim Interview im Bundeshaus. (Bild: Peter Schneider/Keystone)

«Solche Spielchen gefallen mir nicht»: Roland Rino Büchel beim Interview im Bundeshaus. (Bild: Peter Schneider/Keystone)

Weshalb sind Sie der bessere Ständerat als die beiden bisherigen Paul Rechsteiner und Benedikt Würth?

Roland Rino Büchel: Darum geht es nicht. Es geht um die Zusammensetzung. Die Linken waren mit Paul Rechsteiner in den vergangenen acht Jahren im Ständerat vertreten. Dies, obwohl im Kanton St.Gallen zwei Drittel der Stimmbürger bürgerlich wählen.

Ihre Kandidatur richtet sich klar gegen Paul Rechsteiner .

Paul Rechsteiner ist der Methusalem des Parlaments. Ich habe nichts gegen ältere Leute, sie sollen in Bern sehr wohl vertreten sein. Aber 33 Jahre sind definitiv genug. Zudem ist er ein tiefroter Sozialist. Es ist an der Zeit, ihn zu ersetzt. Jetzt gibt es die Chance dafür.

Gehört die SP nicht in den Ständerat?

Doch. Aber für den Kanton St.Gallen gibt es bessere Lösungen als Paul Rechsteiner. Als SVPler vom Land bin ich die Alternative zum Sozialisten aus der Stadt.

Nochmals: Weshalb wären Sie ein guter Ständerat?

Ich mache seit neuneinhalb Jahre eine solide Politik in Bern. Politische Freunde wie Gegner attestieren mir, die aussenpolitische Kommission ruhig und sicher geleitet zu haben. Nun bin ich bereit für einen Wechsel. Und wie gesagt: Ich will die St.Galler Standesstimme wieder bürgerlicher machen.

Internationaler Rheintaler

Er spricht fünf Sprachen, doch sein Rheintaler Dialekt verrät sogleich, woher er kommt: Roland Rino Büchel, 54, ist in Oberriet daheim. Der SVP-Politiker rückte 2010 für Jasmin Hutter in den Nationalrat nach, zuvor hatte er sechs Jahre dem St. Galler Kantonsparlament angehört. Büchel ist als selbstständiger Sportmanager tätig und international bekannt als Kritiker des Weltfussballverbandes Fifa. Aktuell ist er stark engagiert im Kampf gegen die Machenschaften der Wettmafia auf der ganzen Welt. Büchel ist Vater einer sechseinhalbjährigen Tochter und fährt leidenschaftlich gerne Velo. (rw)

Bislang haben Sie sich aber nicht sonderlich für st.gallische Anliegen eingesetzt.

Es gibt genügend Politiker, die ihren Einfluss überschätzen. Ich habe sehr wohl Ostschweizer Anliegen unterstützt, mich für eine bessere Anbindung auf Strasse und Schiene eingesetzt. Vor allem aber habe ich darauf geachtet, dass Bürger und Unternehmen nicht mit noch mehr Steuern und bürokratischen Hürden belastet werden. Das hilft uns am meisten.

Verkehr ist ein gutes Stichwort: Das Ständeratsduo Keller-Sutter/Rechsteiner hat in dieser Frage gut zusammengespielt.

Wenn Sie das Gefühl haben, dass könne ich nicht auch, dann täuschen Sie sich. Ich bin lösungsorientiert und kann es gut mit den Leuten. Begleiten sie mich zwei Tage im Bundeshaus. Urteilen sie dann, ob ich mit Menschen, vom Bundespräsidenten über die Parlamentskollegen bis zur Putzfrau, umgehen kann oder nicht.

Braucht die Schweiz ein Rahmenabkommen mit der EU?

Ich stehe für eine unabhängige Schweiz und sage klar Nein zum Rahmenvertrag. Zudem gefällt es mir ganz und gar nicht, wie wichtige aussenpolitische Entscheide hinausgeschoben werden.

Welche?

Die Kohäsionsmilliarde an die EU und der UNO-Migrationspakt wurden auf Eis gelegt. Nach den Wahlen wird es dann rassig gehen. Solche Spielchen gefallen mir nicht.

Roland Rino Büchel, St.Galler SVP-Nationalrat und Ständeratskandidat. (Bild: Peter Schneider/Keystone)

Roland Rino Büchel, St.Galler SVP-Nationalrat und Ständeratskandidat. (Bild: Peter Schneider/Keystone)

Die AHV serbelt. Wie lautet ihr Lösungsvorschlag?

Das AHV-Alter für Frauen muss auf 65 erhöht werden. Später braucht es wohl eine Flexibilisierung des Rentenalters.

Das reicht, um die Altersvorsorge in den Griff zu bekommen?

Es wird weitere Massnahmen brauchen. Nach den Wahlen werden sich Lösungen finden. Davor nicht, da will jeder noch Pestalozzi spielen. Gerade weil die Finanzierung der AHV noch ungeklärt ist, habe ich den Vaterschaftsurlaub abgelehnt. So sind auch die beschlossenen zwei Wochen zu viel.

Haben Sie bei der Geburt Ihrer Tochter nicht frei genommen?

Klar, habe ich mir Zeit genommen. Aber auf meine Kosten. Wenn Unternehmen ihren Mitarbeitern einen Vaterschaftsurlaub bieten wollen, dann sollen sie das tun. Aber ich wehre mich dagegen, dass der Staat es für alle verordnet.

Wie bekommen wir die Gesundheitskosten in den Griff?

Heute gibt es über 20 Prozent unnötige medizinische Leistungen. Das muss aufhören. Deshalb müssen wir das Angebot reduzieren. In Basel sind bald alle psychisch krank, weil es dort so viele Psychiater und Psychologen gibt. Und die Ärzte sollen viel mehr Generika verschreiben. Sinnvoll wäre auch die Erhöhung der maximalen Franchise, von mir aus auch auf 5000 Franken.

Welche Verantwortung tragen die Versicherten?

Ihre Anspruchshaltung muss sich zwingend ändern. Man sollte nicht wegen jedem Wehwehchen zum Arzt rennen. Manch einer klopft bei drei Ärzten an, bis ihm endlich einer bestätigt, dass er krank ist. Dieses Ärzte-Shopping muss aufhören.

Wie gross ist der Einfluss der Krankenkassen- und Pharma-Lobby in Bundesbern?

Im Ständerat ist er sehr gross. Dass es deshalb zu kostentreibenden Fehlentscheiden kommt, liegt in der Natur der Sache. Zu viele Ständerate nehmen nach ihrer Wahl solche Mandate an.

Sie würden nie ein Pharma-Mandat annehmen?

Diese Frage ist fast schon mutig. Wenn einer immer klar gesagt hat, wo die Lobbyisten hingehören, dann bin ich es. Ich bin und bleibe unabhängig, das habe ich schon bei meiner Wahl in den Nationalrat klar gemacht.

Das dominierende Wahlkampfthema ist das Klima. Greta Thunberg bezeichnen Sie als «Marionette», die Klimaaktivisten als «Polithooligans». Sind Sie nicht zu streng mit der engagierten Jugend?

Nein. Gewisse Junge glauben, alles sei erlaubt, weil sie für «etwas Gutes» einstehen. Das stört mich. Diese Aktivisten verlangen Verbote und immer höhere Steuern und Abgaben. Das bringt nichts.

Die SVP hat die Klimafrage doch schlicht verschlafen.

Nein. Was ist das für eine Arroganz zu glauben, wir Schweizer könnten die Welt retten! Wir müssen etwas tun für den Klimaschutz, einverstanden, aber in vernünftigem Mass. Es ist mir schon klar, dass es für die Gegenseite marketingmässig interessant ist, unzählige Versprechen abzugeben.

Ihre Familie betreibt im Rheintal zwei Autogaragen. Reagieren Sie deshalb derart empfindlich?

Wir brauchen uns nicht zu verstecken. Über drei Viertel einer von uns verkauften Marke sind Hybridfahrzeuge. In der Stadt, wo all die Super-Klimaschützer hocken, werden anteilsmässig weniger ökologische Modelle verkauft. Unsere Kunden handeln, während andere schwatzen.

Wie oft stehen Sie im Öbergwändli in der Werkstatt?

Gar nicht. Wir haben zwei Unternehmen in der Familie. Ich bin daran beteiligt. Es war für meinen Vater damals eine Riesenenttäuschung, dass ich eine Banklehre absolvierte und nicht Automechaniker wurde.

Roland Rino Büchel, St.Galler SVP-Nationalrat und Ständeratskandidat. (Bild: Peter Schneider/Keystone)

Roland Rino Büchel, St.Galler SVP-Nationalrat und Ständeratskandidat. (Bild: Peter Schneider/Keystone)

Die IHK lud Sie zum Hearing, empfiehlt jetzt Benedikt Würth und Marcel Dobler. Das muss Sie als Unternehmer ärgern.

Es ist der Entscheid einer Organisation, die im Voraus wusste, wen sie will. Nämlich Kandidaten, die dem unseligen Rahmenvertrag mit der EU zustimmen. Weshalb soll Benedikt Würth besser in Bern vernetzt sein als ich nach neuneinhalb Jahren im Nationalrat? Die Begründung der IHK ist schwach.

Sie arbeiten als Sportmanager, früher auch im Auftrag der Fifa. Wie oft liessen Sie sich bestechen?

Nie.

Ihre Weste ist restlos weiss?

Hundertprozentig.

Aber Bestechungsversuche gab es?

Nein. Ich verzichte auf vieles, auf problematische Mandate erst recht. Das macht mich für Lobbyisten und Bestechungsversuche uninteressant.

Wen beraten Sie heute?

Ich helfe Verbände und Sponsoren, aber nicht Einzelsportlern und Clubs.

Für wen sind Sie aktuell tätig?

Das wäre ja noch schöner, wenn ich meine Kunden nennen müsste, bloss weil ich Politiker bin.

Sie politisieren treu auf Parteilinie...

... es könnte ja auch sein, dass ich etwas zu sagen habe in der Fraktion, dass ich sie mitpräge. Ich bin kein Parteisoldat, das mag ich nicht hören.

Unsere Frage zielte auf etwas anderes: Trotz Linientreue haftet Ihnen kein Etikett «Blocherist» an.

Jeder weiss: Wenn ich mal etwas anderes will als die Partei, dann mache ich es. Dann muss mich keiner vom Gegenteil überzeugen wollen.

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