Büchel, Egger, Gartmann oder Kölliker: Bei der St.Galler SVP kommt es  vor den Ständeratswahlen zum Stechen

Die St.Galler SVP greift mit einem Mann in den Ständeratswahlkampf ein. Wer es für die Partei richten soll, entscheidet sich kommende Woche. Schon heute ist klar: Es kommt zu einer Ausmarchung.

Regula Weik
Drucken
Teilen
Toni Brunner, Wahlkampfleiter der St.Galler SVP, plaudert aus dem Nähkästen. (Bild: Michel Canonica)

Toni Brunner, Wahlkampfleiter der St.Galler SVP, plaudert aus dem Nähkästen. (Bild: Michel Canonica)

Toni Brunner, Wahlkampfleiter der St.Galler SVP, hat gut lachen: Bei ihm geben sich derzeit mehrere interessierte Ständeratskandidaten die Türklinke in die Hand. Brunner sähe sie alle als künftige Vertreter seiner Partei in der kleinen Kammer. Auf die Frage, wen es in das Berner Amt dränge, nennt er vier Männer. Die Namen sind überraschungsfrei – Roland Rino Büchel, Mike Egger, Walter Gartmann, Stefan Kölliker. Die grösste Überraschung an dieser Auflistung: Dass die vier prominenten Parteimitglieder bereit sind, sich einer internen Ausmarchung zu stellen. Brunner relativiert: «Ich habe noch nicht von allen vier die Zusage für eine Kandidatur.»

Dennoch ist bereits heute klar: Es kommt zu einem Stechen um die Ständeratskandidatur. Zwei mögliche Kandidaten haben Brunner nämlich bereits zugesagt. Dieser lässt sich nicht in die Karten schauen. «Ich mag die beiden andern, die es sich noch überlegen, nicht unter Druck setzen.» Der Entscheid, wer im Herbst für die Partei ins Rennen steigt, fällt nächste Woche an der Delegiertenversammlung. «Bei uns bestimmt die Basis den Ständeratskandidaten, nicht die Parteileitung», sagt Brunner.

SVP greift Rechsteiner an

Wen die SVP aus dem Ständerat kippen will, liegt auf der Hand: SP-Vertreter Paul Rechsteiner. «Wir wollen den linken Sitz von Rechsteiner holen», sagt Brunner. «Wir wollen eine zu hundert Prozent bürgerliche Vertretung im Ständerat. Heute ist die St. Galler Delegation Mitte-links, künftig muss sie Mitte-rechts sein.»

Das Ziel einer eigenen Vertretung im Ständerat verfolgt die SVP seit Jahren – erfolglos. Die Partei ist bei allen ihren bisherigen Anläufen gescheitert, letztmals vor wenigen Wochen. Ende Mai bissen sich FDP und SVP an Regierungsrat und Finanzchef Benedikt Würth (CVP) die Zähne aus.

Interesse hoch, Wahlchance gering

Nationalrat Mike Egger

Nationalrat Mike Egger

Das Abschneiden diesen Frühling zeigte einmal mehr: Wenn es um Personenwahlen geht, fehlen der SVP mehrheitsfähige Köpfe. Dies dürfte auch im Herbst ihr grösstes Problem sein. So überrascht, dass Nationalrat Mike Egger erneut auf Brunners Kandidatenliste steht. Die Motivation des Rheintalers ist zwar ungebrochen, doch tritt die Partei erneut mit ihm an, wird sie wieder scheitern. Umso mehr, als es Egger nicht gelungen war, die breite Parteibasis abzuholen.

Parteipräsident Walter Gartmannnt

Parteipräsident Walter Gartmannnt

Wenig realistisch ist auch ein Erfolg von Parteipräsident Walter Gartmann; er dürfte ausserhalb der eigenen Reihen kaum Stimmen holen, und solche sind nötig, wenn die Partei in den nationalen Wahlen im Herbst reüssieren will.

Nationalrat Roland Rino Büchel

Nationalrat Roland Rino Büchel

Besser ist diesbezüglich die Ausgangslage für den Oberrieter Nationalrat Roland Rino Büchel. Er hat sich als Fifa-Kritiker national Respekt verschafft, ist sprachgewandt und jovial.

Regierungsrat Stefan Kölliker

Regierungsrat Stefan Kölliker

Bleibt der vierte mögliche Kandidat: Regierungsrat und Bildungschef Stefan Kölliker. Wichtige kantonale Bildungsvorlagen, die er bislang als Grund gegen Bern ins Feld geführt hat, kommen noch dieses Jahr an die Urne. Er wäre danach frei für eine neue Herausforderung. Ob er allerdings Lust verspürt, gegen Rechsteiner und seinen Noch-Regierungskollegen Würth in den Ring zu steigen, ist fraglich. Auch, ob es sich die St. Galler Regierung leisten könnte, über mehrere Monate zwei ihrer Mitglieder mehrheitlich in Bern und nicht in der Pfalz zu wissen.

Auf die grundsätzlichen Wahlchancen angesprochen, antwortet Brunner: «Die St.Galler SVP wird solange antreten, bis wir im Ständerat vertreten sind.»

Bürgerliches Ticket? Ja, aber ...

Um Rechsteiner ernsthaft gefährden zu können, müssten die Bürgerlichen zusammenspannen. Das weiss auch Brunner. Doch im ersten Wahlgang wird es keinen Schulterschluss geben. «Da wird jede Partei den Kampf allein führen», sagt der Toggenburger. Bei einem allfälligen zweiten Durchgang – «und falls Rechsteiner dann noch im Rennen ist» – schliesst er ein «bürgerliches Ticket» nicht aus. Er sei offen für Gespräche, dann nur noch die beiden bestplatzierten Bürgerlichen ins Rennen zu schicken  – «unabhängig von der Partei». Voraussetzung dazu sei «eine verbindliche Vereinbarung zwischen CVP, FDP und SVP» vor den Wahlen.

Wer Brunner kennt, weiss: Er nimmt nie und nimmer seinen Kandidaten «gratis» aus dem Rennen. Und prompt hat er einen bürgerlichen Plan für die kantonalen Wahlen im Frühling 2020. «Wir fordern im Gegenzug einen zweiten Sitz in der St. Galler Regierung – auf Kosten der SP. Und wir erwarten dannzumal die volle Unterstützung von CVP und FDP.» Eine solche Kooperation im Herbst wie im Frühling müsste eigentlich «im Interesse aller Bürgerlichen im Kanton» sein, ist Brunner überzeugt.

Sollten sich CVP, FDP und SVP tatsächlich darauf einigen, fordert Brunner volle Transparenz: «Dann müssen wir unser Abkommen offen deklarieren und kein Versteckspiel treiben.»