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St.Galler Ständeratswahl hat Frauen mobilisiert – weshalb dies Susanne Vincenz-Stauffacher im zweiten Wahlgang wohl nichts nützen wird

Die Stimmbeteiligung ist bei Frauen im Kanton St.Gallen fast immer tiefer als bei Männern. An der Ständerats-Ersatzwahl vom 10. März haben sich aber überdurchschnittlich viele Frauen beteiligt. Die Kandidatur Susanne Vincenz-Stauffachers könnte dabei eine Rolle gespielt haben. Experten winden der FDP-Kandidatin ein Kränzchen: Sie habe die «Frauenkarte» mit Bedacht ausgespielt.
Luca Ghiselli
Die beiden Bestplatzierten des ersten Wahlganges: CVP-Kandidat Benedikt Würth und FDP-Bewerberin Susanne Vincenz-Stauffacher. (Bild: Michel Canonica)

Die beiden Bestplatzierten des ersten Wahlganges: CVP-Kandidat Benedikt Würth und FDP-Bewerberin Susanne Vincenz-Stauffacher. (Bild: Michel Canonica)

Frauen gehen weniger abstimmen und wählen. Nicht nur, aber auch im Kanton St.Gallen. Seit Mai 2017 erhebt die kantonale Fachstelle Statistik Daten zur Stimmbeteiligung nach Geschlechtern. Zu diesem Zweck wertet sie Stimmzettel in neun St.Galler Gemeinden (Au, Gossau, Mels, Quarten, Schmerikon, St.Gallen, Thal, Uzwil und Wildhaus-Alt St.Johann) aus.

In diesem Zeitraum haben acht Urnengänge stattgefunden. Die Erkenntnis: Durchschnittlich liegt die Stimmbeteiligung bei Frauen um 2,9 Prozent tiefer als bei Männern. Der grösste Differenzwert lag am 10. Juni 2018 bei vier Prozentpunkten. Damals wurde über das Geldspielgesetz, den Medical Master und die Einmalanlage in die Pensionskasse abgestimmt.

Den niedrigsten Differenzwert seit September 2017 hat nun der erste Wahlgang der Ständerats-Ersatzwahl vom 10. März vorzuweisen: Vor zehn Tagen lag die Stimmbeteiligung bei den Frauen nur um 2,1 Prozent tiefer als jene der Männer. Die Ständeratswahlen scheinen weibliche Wählerinnen also zu mobilisieren.

Theo Hutter, Leiter der Fachstelle Statistik, kommentiert die Daten wie folgt: «Dass eine Frau eine der aussichtsreichsten Kandidaturen verkörperte, hat möglicherweise zu diesem Ergebnis beigetragen.» Auf Anfrage präzisiert er: «Seit wir diese Daten erheben, war die Differenz am 24. September 2017 am tiefsten. Damals standen AHV-Vorlagen im Zentrum.» Bei jener Abstimmung sei – wie im vorliegenden Fall – davon auszugehen, dass der Inhalt der Vorlage die Frauen tendenziell stärker mobilisiert haben dürfte, sagt Hutter.

Die Frauenfrage ist allgegenwärtig

Hat die FDP-Kandidatur also tatsächlich dazu beigetragen, dass mehr Frauen als sonst gewählt haben? «Gut möglich», sagt Patrick Emmenegger, Professor für Politikwissenschaften an der Universität St.Gallen. Er könne sich gut vorstellen, dass die aussichtsreiche Kandidatur von Susanne Vincenz-Stauffacher einen Einfluss auf die weibliche Stimmbeteiligung hatte.

Patrick Emmenegger, Professor für Politikwissenschaften an der HSG. (Bild: PD)

Patrick Emmenegger, Professor für Politikwissenschaften an der HSG. (Bild: PD)

Die Frauenfrage sei aber nicht erst seit diesem Wahlkampf aktuell, sondern habe im öffentlichen Diskurs seit den Bundesratswahlen nicht an Aktualität verloren. «Bei den Bundesratswahlen war die Geschlechterfrage das grosse Thema, man hat über fast nichts anderes gesprochen», sagt Emmenegger. Mit der Wahl Karin Keller-Sutters habe sich das Thema auf den vakanten Ständeratssitz transferiert. Hinzu komme, dass Frauen in der Kleinen Kammer ohnehin untervertreten seien.

«Vincenz-Stauffacher hat es geschickt gemacht»

Der Politologe windet der FDP-Kandidatin ein Kränzchen: «Sie hat die Frauenfrage im Wahlkampf immer wieder eingestreut und sich als bürgerliche Politikerin mit einem Gespür für Frauenthemen präsentiert.» So habe sie sich beispielsweise die Unterstützung der SP Frauen gesichert. Dies aber, ohne das Thema ins Zentrum ihrer Kampagne zu rücken.

Sollte Vincenz-Stauffacher die Genderfrage nun, da sie im zweiten Wahlgang gegen drei Männer antritt, noch stärker in den Fokus rücken? Es sei eine Gratwanderung, sagt Emmenegger. Einerseits sei dieses Alleinstellungsmerkmal durchaus wirksam, andererseits sei Frausein alleine noch kein politisches Programm. Karin Keller-Sutter habe dieses Argument vor den Bundesratswahlen kein einziges Mal ins Feld geführt.

«12'000 Stimmen Rückstand sind eine gewaltige Hypothek»

Die Gratwanderung zwischen aggressiver Werbung um Frauenstimmen und dem genderneutralen Fokus auf Kompetenzen sei der FDP vor dem ersten Wahlgang gut gelungen. Sie hat sich eine gute Basis geschaffen. «Jetzt gilt es für die FDP, diese in den zweiten Wahlgang zu übertragen», sagt Emmenegger.

Nichtsdestotrotz sieht Emmenegger nur geringe Chancen für eine Wahl Vincenz-Stauffachers. «12'000 Stimmen Rückstand auf Benedikt Würth sind eine gewaltige Hypothek.» Es müsse schon eine geschlossene Mobilisierungswelle durch das links-grüne Lager gehen, damit es am 19. Mai für Benedikt Würth eng würde. «Einige Stimmen aus diesem Lager werden mit Sicherheit aber auch an ihn gehen.» Wenn der CVP-Regierungsrat keinen Faux-Pas begehe, dürfte es laut Emmenegger für Vincenz-Stauffacher – Frauen-Mobilisierung hin oder her – äusserst schwierig werden.

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