St.Galler Stadtratswahlen: Grüne verzichten auf eigene Kandidatur im zweiten Wahlgang – CVP will Ausgangslage neu besprechen und bald entscheiden

Die Gerüchte bestätigen sich nicht: Die Grünen Stadt St.Gallen treten nicht mit einer eigenen Kandidatur für den Stadtrat im zweiten Wahlgang an – sofern Mathias Gabathuler (FDP) nicht der einzige Kandidat ist.

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Franziska Ryser, Co-Präsidentin Grüne Stadt St.Gallen (Mitte), und Stadtparlamentarier Andreas Hobi verfolgen die Bekanntgabe der Resultate der Stadtratswahlen vom Sonntag, 27. September.

Franziska Ryser, Co-Präsidentin Grüne Stadt St.Gallen (Mitte), und Stadtparlamentarier Andreas Hobi verfolgen die Bekanntgabe der Resultate der Stadtratswahlen vom Sonntag, 27. September.

Bild: Michel Canonica

(dar/ghi) Die Grünen verzichten auf eine Kandidatur im zweiten Wahlgang. Die Bestätigung kommt am Donnerstagnachmittag in einem Communiqué der Partei. Zwar sei der Anspruch der Grünen nach den Parlamentswahlen von vergangenem Sonntag «materiell gerechtfertigt», trotzdem verzichte man – zumindest vorerst.

Ihren Entscheid begründen die Grünen mit den Mehrheitsverhältnissen in der Stadt. «Die bürgerliche Seite hält in der kommenden Legislatur 28 Parlamentssitze.» Das gelte es bei der Zusammensetzung der Exekutive zu berücksichtigen. Aber:

«Wir werden bei der nächsten Vakanz unseren Anspruch auf einen Sitz in der Regierung geltend machen.»

Und die Grünen behalten sich für den zweiten Wahlgang vom 29. November eine Hintertür offen: Sollte sich eine «stille Wahl» abzeichnen, bei der Mathias Gabathuler (FDP) der einzige Kandidat wäre, würden sie sich trotz ihrer Erwägungen eine eigene Kandidatur vorbehalten. Heisst konkret: Tritt Trudy Cozzio (CVP) doch nicht an, könnte es doch noch zu einer Kandidatur der Grünen kommen.

Ryser: «Wollen den Sitz nicht kampflos einer Partei überlassen»

Franziska Ryser, Nationalrätin und Co-Präsidentin Grüne Stadt St.Gallen.

Franziska Ryser, Nationalrätin und Co-Präsidentin Grüne Stadt St.Gallen.

Bild: Alessandro Della Valle / KEYSTONE

Auf Nachfrage präzisiert Franziska Ryser, Co-Präsidentin der Grünen Stadt St.Gallen, es sei aufgrund der Mehrheitsverhältnisse nach den Wahlen vom vergangenen Sonntag richtig, dass die Bürgerlichen mit einem Sitz im Stadtrat vertreten seien.

«Die Bürgerlichen haben rund einen Drittel der Stimmen erhalten und damit einen legitimen Anspruch.»

Das bürgerliche Lager ist laut Ryser aber in der Pflicht, eine Auswahl zu bieten. Sollte das nicht der Fall sein, behält sich die Partei vor, doch noch jemanden ins Rennen zu schicken. «Wenn diese demokratiepolitisch wichtige Auswahl nicht gegeben ist, wollen wir den Sitz nicht kampflos einer Partei überlassen.»

Es liegt nahe, dass die bürgerlich-soziale CVP-Kandidatin Trudy Cozzio den Grünen näher steht als FDP-Kandidat Mathias Gabathuler. Ryser: «In sozialpolitischen Fragen ist das sicher so. Hinzu kommt, dass Trudy Cozzio im ersten Wahlgang ein überraschend gutes Resultat erzielt hat.» Ob die Grünen eine allfällige Kandidatur Cozzios unterstützten, sei aber noch nicht klar. «Das müssen wir anschauen.»

CVP steht kaum mehr etwas im Weg

Tritt sie zum zweiten Wahlgang an? CVP-Kandidatin Trudy Cozzio.

Tritt sie zum zweiten Wahlgang an? CVP-Kandidatin Trudy Cozzio.

Bild: Ralph Ribi

Noch unklar ist ebenfalls, was die CVP macht. Kandidatin Trudy Cozzio und Parteipräsident Raphael Widmer erklärten diese Woche, nicht antreten zu wollen, falls die Grünen eine eigene Kandidatur ins Rennen schickten. Dieses Hindernis ist mit dem Verzicht der Grünen aus dem Weg geräumt. Einer CVP-Kandidatur im zweiten Wahlgang steht damit kaum mehr etwas im Weg – auch wenn es am Donnerstagnachmittag weder von der Partei noch von der Kandidatin eine offizielle Bestätigung gibt.

«Wir sind von der neuen Ausgangslage überrascht», sagt Raphael Widmer auf Anfrage. Man müsse diese in der Parteileitung analysieren und diskutieren. Das geschieht am Donnerstagabend. Mit einem definitiven Entscheid für oder gegen eine Kandidatur Trudy Cozzios im zweiten Wahlgang ist in den kommenden Tagen – wohl am Freitag – zu rechnen.

Gabathuler tritt nochmals an

FDP-Stadtpräsidiums- und Stadtratskandidat Mathias Gabathuler.

FDP-Stadtpräsidiums- und Stadtratskandidat Mathias Gabathuler.

Bild: Benjamin Manser

FDP-Kandidat Mathias Gabathuler hat bereits am Dienstag bekanntgegeben, nochmals im zweiten Wahlgang anzutreten: sowohl fürs Stadtpräsidium als auch für den Stadtrat. Gabathuler erzielte im ersten Wahlgang am Sonntag in beiden Rennen gute Resultate: Im Kampf um das Stadtpräsidium überflügelte er mit 7437 Stimmen Schuldirektor Markus Buschor (4854 Stimmen) und kam der Favoritin, SP-Baudirektorin Maria Pappa (9'116 Stimmen), gefährlich nahe. Bei den Stadtratswahlen verpasste Gabathuler das Absolute Mehr mit 10'889 Stimmen nur knapp und erzielte knapp 1000 Stimmen mehr als Trudy Cozzio (CVP).