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Die Fabrik der Bubenträume: Neuer Blick hinter die Kulissen der Flug- und Fahrzeugwerke Altenrhein

Das St.Galler Staatsarchiv zeigt neu erschlossene Bilder aus den Flug- und Fahrzeugwerken Altenrhein (FFA): Eine Zeitreise in einen Industriebetrieb, der von Pioniergeist und Pragmatik lebte.
Adrian Vögele
Der ganze Stolz der FFA: Der Kampfjet P-16 mit Bodenpersonal, 1960. (Bild: Staatsarchiv St.Gallen, W 241/5-010083.3)Der ganze Stolz der FFA: Der Kampfjet P-16 mit Bodenpersonal, 1960. (Bild: Staatsarchiv St.Gallen, W 241/5-010083.3)
Endmontage des Trainingsflugzeugs AS 202 Bravo, 1975. (Bild: Staatsarchiv St.Gallen, W 241/5-075065)Endmontage des Trainingsflugzeugs AS 202 Bravo, 1975. (Bild: Staatsarchiv St.Gallen, W 241/5-075065)
FFA-Patron Claudio Caroni (rechts) und sein designierter Nachfolger Hans Eisenring beobachten den Erstflug der AS 202 Bravo, 1969. (Bild: Staatsarchiv St.Gallen, W 241/5-069110-6.2)FFA-Patron Claudio Caroni (rechts) und sein designierter Nachfolger Hans Eisenring beobachten den Erstflug der AS 202 Bravo, 1969. (Bild: Staatsarchiv St.Gallen, W 241/5-069110-6.2)
Seilbahnkabinen für Palm Springs, 1963. (Bild: Staatsarchiv St.Gallen, W 241/5-010951.1)Seilbahnkabinen für Palm Springs, 1963. (Bild: Staatsarchiv St.Gallen, W 241/5-010951.1)
Ein FFA-Mitarbeiter vernietet den Rumpf einer Mirage III, 1965. (Bild: Staatsarchiv St.Gallen, W 241/5-065112)Ein FFA-Mitarbeiter vernietet den Rumpf einer Mirage III, 1965. (Bild: Staatsarchiv St.Gallen, W 241/5-065112)
Der amerikanische Testpilot Bill Lear (rechts) mit FFA-Mitarbeiter Balmer, einem Original, das in der Firma für seine Unverfrorenheit bekannt war. (Bild: Staatsarchiv St.Gallen, W 241/5-010061-6.1)Der amerikanische Testpilot Bill Lear (rechts) mit FFA-Mitarbeiter Balmer, einem Original, das in der Firma für seine Unverfrorenheit bekannt war. (Bild: Staatsarchiv St.Gallen, W 241/5-010061-6.1)
Ein Mann liegt zur Probe in einem experimentellen Deltasegler, 1965. (Bild Staatsarchiv St.Gallen, W 241/5-065059)Ein Mann liegt zur Probe in einem experimentellen Deltasegler, 1965. (Bild Staatsarchiv St.Gallen, W 241/5-065059)
Tanklastwagen auf dem FFA-Gelände, 1966. (Bild: Staatsarchiv St.Gallen, W 241/5-066292)Tanklastwagen auf dem FFA-Gelände, 1966. (Bild: Staatsarchiv St.Gallen, W 241/5-066292)
Blick in die riesige Lehrlingswerkstatt der FFA, 1963. (Bild: Staatsarchiv St.Gallen, W 241/5-011079)Blick in die riesige Lehrlingswerkstatt der FFA, 1963. (Bild: Staatsarchiv St.Gallen, W 241/5-011079)
Diesen Golfwagen bauten FFA-Lehrlinge für Patron Claudio Caroni, 1980. (Bild: Staatsarchiv St.Gallen, W 241/5-800122)Diesen Golfwagen bauten FFA-Lehrlinge für Patron Claudio Caroni, 1980. (Bild: Staatsarchiv St.Gallen, W 241/5-800122)
Werftmitarbeiter testen das Sinkverhalten eines FFA-Boots, 1971. (Bild: Staatsarchiv St.Gallen, W 241/5-071210)Werftmitarbeiter testen das Sinkverhalten eines FFA-Boots, 1971. (Bild: Staatsarchiv St.Gallen, W 241/5-071210)
Tramwagen und ein Flugzeug vom Typ AS 202 Bravo, 1969. (Bild: Staatsarchiv St.Gallen, W 241/5-069040)Tramwagen und ein Flugzeug vom Typ AS 202 Bravo, 1969. (Bild: Staatsarchiv St.Gallen, W 241/5-069040)
Die FFA schaffte es bis in den Weltraum: Teil einer Ariane-Rakete beim Transport, 1976. (Bild: Staatsarchiv St.Gallen, W 241/5-760055.2)Die FFA schaffte es bis in den Weltraum: Teil einer Ariane-Rakete beim Transport, 1976. (Bild: Staatsarchiv St.Gallen, W 241/5-760055.2)
13 Bilder

FFA-Bilder

Flugzeuge, Eisenbahnen, Seilbahnen, Segelboote, Trams, Tanklaster: Wer heutzutage in der Ostschweiz ein Sammelsurium dieser Art sucht, wird höchstens noch im Spielzeugladen fündig. Über Jahrzehnte aber gab es in der Region eine Adresse für all diese Bubenträume – im Originalformat: Die Flug- und Fahrzeugwerke Altenrhein (FFA) stellten in ihrer vierzigjährigen Firmengeschichte eine Vielzahl rollender, schwimmender und fliegender Transportmittel her. Seit dem Verkauf und der Aufteilung des Unternehmens 1987 leben die Werft und ihre Kreationen in Erinnerungen weiter – und in Dokumenten. Am Montag hat das Staatsarchiv St. Gallen einen Bestand von neu erschlossenen und digitalisierten Fotografien aus dem Eigentum der Firma präsentiert. Der Rorschacher Ingenieur und Verkehrshistoriker Anton Heer hat mehrere Tausend Bilder durchgearbeitet und Inhalte sowie Daten recherchiert ­– im Kontakt mit diversen Zeitzeugen, die bei der FFA tätig waren.

Ingenieur und Historiker Anton Heer präsentiert den FFA-Bildbestand im St.Galler Staatsarchiv. (Bild: Ralph Ribi)

Ingenieur und Historiker Anton Heer präsentiert den FFA-Bildbestand im St.Galler Staatsarchiv. (Bild: Ralph Ribi)

Vom Kampfjet bis zur Campingausrüstung

Auf vielen dieser FFA-Fotos dominiert der technische Blickwinkel: In der Regel stehen die Maschinen, Produkte und Bauteile im Zentrum, nicht die Mitarbeiter. Dennoch gibt es Verblüffendes zu entdecken. So entwickelte die Firma in den 1950er-Jahren nicht nur den berühmten Kampfjet P-16, sondern beispielsweise auch ein Camping-Iglu aus Kunststoff. Überhaupt besteht der Reiz der FFA rückblickend vor allem darin, dass sie auf Vielfalt statt auf Spezialisierung setzte. So wäre es heute unvorstellbar, dass in derselben Werkhalle gleichzeitig Tramwagen und Flugzeuge gebaut werden. Flexibilität war erst recht gefragt, nachdem 1958 zwei Prototypen des P-16 abgestürzt waren und der Bund seinen 400-Millionen-Auftrag stornierte. FFA-Besitzer Claudio Caroni – der Grossvater des Ausserrhoder Ständerats Andrea Caroni – leistete vergeblich Widerstand gegen den Entscheid aus Bern. «Sie würde ich nicht einmal als Portier einstellen», soll der temperamentvolle Tessiner dem damaligen Verteidigungsminister Paul Chaudet ins Gesicht gesagt haben.

FFA-Patron Claudio Caroni (rechts) und sein designierter Nachfolger Hans Eisenring beobachten den Erstflug der AS 202 Bravo, 1969. (Bild: Staatsarchiv St.Gallen, W 241/5-069110-6.2)

FFA-Patron Claudio Caroni (rechts) und sein designierter Nachfolger Hans Eisenring beobachten den Erstflug der AS 202 Bravo, 1969. (Bild: Staatsarchiv St.Gallen, W 241/5-069110-6.2)

Ein Flugzeug vom Typ AS 202 Bravo mit Gästen und FFA-Mitarbeitern, 1969. (Bild: Staatsarchiv St.Gallen, W 241/5-069109-1.1)

Ein Flugzeug vom Typ AS 202 Bravo mit Gästen und FFA-Mitarbeitern, 1969. (Bild: Staatsarchiv St.Gallen, W 241/5-069109-1.1)

1969 konnte Caroni wieder lachen: Ein Foto zeigt ihn beim Erstflug des Trainingsflugzeuges AS 202 Bravo. Die Maschine wurde ein internationaler Erfolg. Zugleich intensivierte die FFA den Waggonbau, lieferte Seilbahnen in die USA – und war sich auch für weniger prestigeträchtige Aufträge wie die Bearbeitung von Bratpfannen nicht zu schade. Dahinter stand ein Geschäftsmodell alter Schule: Zusatzaufträge suchen, anstatt die Belegschaft reduzieren. Die Bratpfannen-Episode ist im Bildarchiv nicht dokumentiert – dafür liefert die Abteilung Bootsbau erheiternde Einblicke. Mit grossem Eifer testen Mitarbeiter 1971 im sogenannten «Caroni-Hafen» das Sinkverhalten eines FFA-Boots.

Werftmitarbeiter testen das Sinkverhalten eines FFA-Boots, 1971. (Bild: Staatsarchiv St.Gallen, W 241/5-071210)

Werftmitarbeiter testen das Sinkverhalten eines FFA-Boots, 1971. (Bild: Staatsarchiv St.Gallen, W 241/5-071210)

Humor blitzt auch auf Bildern des amerikanischen Testpiloten Bill Lear mit einem Mitarbeiter namens Balmer auf – ein Original mit Zipfelmütze, das in der ganzen Firma für seine Unverfrorenheit bekannt war. Die Fotos stehen auch für die «Rettung» des glücklosen P-16 auf zivilem Weg: Der Kampfjet diente als Grundlage für das erfolgreiche US-Geschäftsflugzeug Learjet.

Der amerikanische Testpilot Bill Lear (rechts) mit FFA-Mitarbeiter Balmer, einem Original, das in der Firma für seine Unverfrorenheit bekannt war. (Bild: Staatsarchiv St.Gallen, W 241/5-010061-6.1)

Der amerikanische Testpilot Bill Lear (rechts) mit FFA-Mitarbeiter Balmer, einem Original, das in der Firma für seine Unverfrorenheit bekannt war. (Bild: Staatsarchiv St.Gallen, W 241/5-010061-6.1)

Bei der FFA selber liefen militärische und zivile Projekte seit jeher parallel, ganz pragmatisch eben. Dass man im Bildarchiv Panzerketten nebst Sanitätsfahrzeugen und Ausrüstungsgegenständen für Spitäler findet, ist nicht ohne Ironie. Eher wenig Fotomaterial hat das Staatsarchiv bislang aus der Eisenbahnsparte der FFA – was mit der Aufteilung des Unternehmens zusammenhängt: Die Waggonabteilung ging 1987 an die Firma Schindler über – samt den Fotos.

Die FFA-Bilder sind im Online-Archivkatalog des Staatsarchivs zu finden, unter http://scope.staatsarchiv.sg.ch.

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