St.Galler Spitalpolitik: Viel Lärm um richtige
Therapie für kranke Spitäler

Die neue Strategie der St. Galler Regierung liegt vor. Ob sie sich durchsetzt, zeigt sich 2020. Fünf Spitäler im Kanton sollen geschlossen, die stationären Angebote in Grabs, St.Gallen, Uznach und Wil konzentriert werden.

Regula Weik
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Auf der Geburtsstation am Kantonsspital St. Gallen.

Auf der Geburtsstation am Kantonsspital St. Gallen.

Benjamin Manser

Die plappern einfach dem Spitalverwaltungsrat nach. Ausgerechnet jenem Gremium, das längst abgesetzt gehört. Mangels Kompetenz. Und wegen Missachtung der Volksrechte. Das ist doch ein abgekartetes Spiel. Die veräppeln uns seit Monaten. Sie fordern uns auf, Alternativen vorzuschlagen, dabei haben sie längst entschieden. Die, das sind Heidi Hanselmann, Bruno Damann, Fredy Fässler, Stefan Kölliker, Martin Klöti, Marc Mächler und Benedikt Würth. Kurz: Die St. Galler Regierung. Womit hat sie sich diese wenig schmeichelhaften Äusserungen eingebrockt? Mit einem gröberen Krankheitsfall. Im Krankenbett liegen die Spitäler.

Purlimunter, fit und frisch, so sollten sie einst werden. Die Spitäler im Kanton. In diesem Glauben genehmigten die Stimmberechtigten vor fünf Jahren mehrere hundert Millionen Franken für Sanierungen, Erweiterungen und Neubauten.

Mehr als kosmetische Korrekturen

Das Geld ist längst noch nicht verbaut, dennoch blinkt die Warnlampe. Rot, röter, tiefrot – so steht es um die Finanzen der St. Galler Spitäler. Es drohen jährliche Defizite von 70 Millionen Franken. Der Spitalverwaltungsrat fackelt nicht lange. Er tritt heftig auf die Bremse und die Regierung geht über die Bücher. Im Herbst präsentiert sie ihre Strategie, wie sie die Spitäler aus der Finanzmisere führen und die Gesundheitsversorgung sicherstellen will.

Die Regierung nimmt mehr als ein paar kosmetische Korrekturen vor. Sie pflügt die St. Galler Spitallandschaft um. Nur so lasse sich verhindern, dass die gesamte Spitalversorgung im Kanton ein Fall für den Notfall werde. Es sei nicht einfach pure Lust am Umgestalten. Es sei blutte Notwendigkeit. Denn sonst werde es richtig teuer in den nächsten Jahren, betont die Regierung.

Seither geht im Kanton das Gespenst der Spitalschliessungen um. Altstätten, Flawil, Rorschach, Walenstadt und Wattwil sollen nämlich bald ohne Spital dastehen. «Regionale Gesundheits- und Notfallzentren» heisst der Vorschlag der Regierung für diese Gemeinden. Doch was, wenn das Spital vor der Haustür weg ist und ein Toggenburger einen Herzinfarkt erleidet? Eine Flawilerin einen akut entzündeten Blinddarm hat? Oder ein Altstätter einen Bandscheibenvorfall? Das Siebnergremium in der Pfalz hat allen Einwohnerinnen und Einwohnern ein Versprechen abgegeben: Der Rettungsdienst ist in 15 Minuten an Ort, das nächste Notfallzentrum in 20 Minuten, das nächste Spital in 30 Minuten erreichbar. Im Normalfall. Wo steht dieses Spital? In Grabs, St.Gallen, Uznach oder Wil. An diesen vier Standorten sollen die stationären Angebote konzentriert werden.
Die Regierung hatte ihre Präsentation der neuen Strategie kaum abgeschlossen, da hagelte es bereits Kritik – von den betroffenen Gemeinden, dem Personal, den Linken. Sie hält bis heute an.

Nun muss das Parlament Farbe bekennen

Entschieden ist noch gar nichts. Ob die Regierung ihre Strategie wird umsetzen können, steht in den Sternen. Der politische Prozess läuft erst an. Die Vernehmlassung ist abgeschlossen, die definitive Botschaft liegt erst im neuen Jahr vor. Das Kantonsparlament wird sich im Frühling damit auseinandersetzen – und dann auch Entscheide fällen müssen. Wovon es sich dabei wohl leiten lässt? Von regionalpolitischen Überlegungen? Oder von finanziellen? Von der Qualität der gesundheitlichen Versorgung? Oder von persönlichen Spitalerlebnissen?

Geschrien wird laut, kritisiert harsch, gefordert vehement. Aus Überzeugung. Aus Prinzip. Von Amtes wegen. Und trotzdem: Der Konsens, dass sich der Kanton keine neun Spitäler mehr leisten kann und will, ist breit. Zwar stimmt kaum jemand der Strategie der Regierung uneingeschränkt zu. Werden aber Anpassungen und Korrekturen vorgenommen, sind viele mit im Boot.

Das nächste Jahr wird Klarheit bringen ins St. Galler Spital-Tohuwabohu. Das tut not. Ewige Reibereien, andauernde Unsicherheit, endlose Debatten, unfaire Attacken und monatelange Nervosität machen krank. Auf gesunde Spitäler!