St.Galler SP zieht mit Laura Bucher
 und Fredy Fässler in den Regierungswahlkampf

Sie war die einzige Kandidatin und völlig unbestritten: Die offizielle Nomination der Rheintaler Kantonsrätin und Co-Fraktionspräsidentin Laura Bucher war am Freitagabend denn auch mehr eine Formsache als eine heiss diskutierte Personalie. Sie soll gemeinsam mit Sicherheits- und Justizdirektor Fredy Fässler die zwei SP-Regierungssitze verteidigen. Das werde kein Spaziergang, mahnte Parteipräsident Max Lemmenmeier die Genossinnen und Genossen. «Wir werden kämpfen müssen.»

Regula Weik
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Laura Bucher, Regierungskandidatin der St.Galler SP (Bild: Michel Canonica)

Laura Bucher, Regierungskandidatin der St.Galler SP (Bild: Michel Canonica)

Mitte Oktober hatte Heidi Hanselmann allen Spekulationen über ihre Zukunft ein Ende gesetzt: Die St.Galler Regierungspräsidentin und Gesundheitschefin kündigte an, im kommenden Frühling nicht zur Wiederwahl anzutreten. Zehn Tage später wurde bekannt, dass sich Laura Bucher für ihre Nachfolge interessiert. Am Freitagabend nun haben die SP-Delegierten an einem ausserordentlichen Parteitag in St.Gallen die Kantonsrätin und Co-Präsidentin der Fraktion von SP und Grünen im Kantonsparlament einstimmig nominiert. 

Laura Bucher politisiere «gradlinig und unbeirrt, mit viel Sachverstand, aber verständlich», lobte Bettina Surber, die mit ihr das Fraktionspräsidium teilt. Weiter sagt sie über die Regierungskandidatin:

«Sie bewahrt auch in schwierigen Situationen einen kühlen Kopf.»

Bucher ist Juristin und arbeitet als Gerichtsschreiberin am Bundesverwaltungsgericht in St.Gallen. Die 35-Jährige ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern im Vorschulalter und wohnt mit ihrer Familie in St.Margrethen. Sie gehört seit 2010 dem Kantonsparlament an und ist Mitglied der Finanzkommission. Die Finanz- und Steuerpolitik ist denn auch eines ihrer politischen Kernthemen. Darüber hinaus engagiert sie sich stark für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie die Chancengleichheit. 

«Wir eröffnen heute den Wahlkampf»

Laura Bucher soll im März 2020 gemeinsam mit dem bisherigen Sicherheits-und Justizchef Fredy Fässler für die SP die beiden Regierungssitze verteidigen. Das werde kein Spaziergang, mahnte Parteipräsident Max Lemmenmeier die Genossinnen und Genossen. «Wir eröffnen heute den Wahlkampf. Und wir werden kämpfen müssen.»

Lemmenmeier warf auch einen Blick zurück auf die Nationalratswahlen.

«Für die Sozialdemokratie waren sie eine Enttäuschung, auch wenn Links-grün insgesamt zulegen konnte.»

Fortan werde in Bern ein Mitte-Links-Parlament die Entscheide fällen.

«Wir haben uns alle eingesetzt, aber profitiert haben in erster Linie die Grünen.»

Das müsse in den Kantonsrats- und Regierungswahlen im kommenden Frühling anders werden. Die SP wolle den Kanton weiterhin entscheidend mitgestalten. Deshalb werde die Partei den Wahlkampf «entschlossen, mutig und optimistisch» führen.

FDP mit Tinner, CVP mit Frau?

Heidi Hanselmann ist nicht die einzige, die nächstes Jahr aus der Regierung ausscheiden wird. Auch Martin Klöti tritt nicht mehr an. Die St.Galler Freisinnigen haben vor drei Wochen Kantonsrat Beat Tinner, Gemeindepräsident von Wartau, als Regierungskandidaten nominiert. Die FDP-Vertretung in der Regierung wird bei einem Wahlerfolg Tinners männlich bleiben. Der zweite FDP-Regierungsrat, Marc Mächler, stellt sich zur Wiederwahl.  

Benedikt Würth (CVP) wird seinen Sessel in der Regierung ebenfalls räumen; am Sonntag hofft er darauf, als Ständerat bestätigt zu werden. Die CVP entscheidet in einer Woche, wen sie als Nachfolgerin oder Nachfolger von Würth ins Rennen schicken wird. Bruno Damann, das zweite Regierungsmitglied der CVP, dürfte eine weitere Amtsdauer anhängen, jedenfalls ist bislang nichts Gegenteiliges öffentlich geworden.  

SVP entscheidet im Dezember

Etwas mehr Zeit lässt sich die SVP. Dass sie einen zweiten Sitz erobern will, ist bekannt. Der Entscheid, wem sie dies zutraut, fällt im Dezember. Der erste SVP-Regierungsrat, Bildungschef Stefan Kölliker, tritt erneut an. Ob Grüne und Grünliberale ebenfalls ins Rennen steigen, ist derzeit noch offen. 

Die siebenköpfige St.Galler Regierung setzt sich derzeit aus je zwei Mitgliedern von CVP, FDP und SP sowie einem Vertreter der SVP zusammen.