Kommentar

St.Galler Schwarzgeld-Bilanz: Eine mühselige, aber notwendige Detektivarbeit

Zwölf Millionen Franken hinterzogene Vermögen hat das St.Galler Steueramt seit Beginn des automatischen Informationsaustauschs ausfindig gemacht. Das klingt nach wenig – doch wichtiger als die Höhe der Summe ist etwas anderes.

Adrian Vögele
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Adrian Vögele, Redaktor Ostschweiz

Adrian Vögele, Redaktor Ostschweiz

Ralph Ribi

Kaum hat das Jahr begonnen, winkt schon wieder die nächste Steuererklärung. Da nimmt man als gewissenhafter Normalbürger gern zur Kenntnis, dass die Lage für Steuerhinterzieher immer ungemütlicher wird. Zwar ist die Zahl der Selbstanzeigen in St. Gallen deutlich gesunken – die Schwarzgeldsumme, die freiwillig offengelegt wurde, ist so tief wie seit Jahren nicht mehr. Gleichzeitig sind die unversteuerten Vermögen, die das Steueramt dank des begonnenen automatischen Informationsaustauschs mit dem Ausland selber ausfindig gemacht hat, noch vergleichsweise bescheiden. Ganze zwölf Millionen Franken wurden bisher aufgedeckt. Dennoch: Der Datenaustausch funktioniert, und er ist notwendig.

Klar ist es eine mühselige Aufgabe, Hunderttausende von Dossiers zu durchforsten. Da ist man versucht, den bürokratischen Aufwand daran zu messen, wie viel Schwarzgeld zum Vorschein kommt und welche Steuereinnahmen der Kanton dadurch generiert. Das greift jedoch zu kurz. Es geht hier nicht in erster Linie darum, Geld zu scheffeln, sondern Gerechtigkeit herzustellen. Wenn die einen ihr Vermögen immer vollständig versteuern und andere ihr Geld auf schwarzen Konten lagern, dann ist das unfair, und es muss Konsequenzen haben. Die staatlichen Leistungen, die via Steuern finanziert werden, will schliesslich auch jeder in Anspruch nehmen können.

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