St.Galler Regierungsratswahlen: Ein bürgerliches Duell und eine linksgrüne Allianz – das könnte die Ausgangslage für den zweiten Wahlgang sein

Die Ausgangslage der SVP für einen zweiten St.Galler Regierungssitz ist günstig. FDP und SP haben ihre Sitze noch nicht im Trockenen.

Michael Genova und Regula Weik
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Sie haben den Sprung in die Regierung noch nicht geschafft (von links): Michael Götte (SVP), Beat Tinner (FDP), Rahel Würmli (Grüne) und Laura Bucher (SP).

Sie haben den Sprung in die Regierung noch nicht geschafft (von links): Michael Götte (SVP), Beat Tinner (FDP), Rahel Würmli (Grüne) und Laura Bucher (SP).

Bild: Ralph Ribi

Die Frau des Tages ist Susanne Hartmann. Die Wiler Stadtpräsidentin hat den Sprung in die St.Galler Regierung im ersten Wahlgang geschafft. Die CVP hat damit ihre beiden bisherigen Sitze im Trockenen. Sie sei «extrem überrascht und erfreut», dass es bereits im ersten Durchgang geklappt habe, sagt Hartmann. Die Region Wil ist neu mit einem Trio in der Regierung vertreten; Hartmann verstärkt die bisherige Wiler Fraktion bestehend aus Marc Mächler und Stefan Kölliker.

Der zweite Wahlgang verspricht Spannung. Michael Götte (SVP), Beat Tinner (FDP) und Laura Bucher (SP) trennen nur gerade 2000 Stimmen. Aus der Poleposition startet Götte, Tübacher Gemeindepräsident und Fraktionspräsident der SVP. Die trotz Sitzverlusten im Kantonsparlament nach wie vor wählerstärkste Partei im Kanton ist mit Götte so nahe am zweiten Regierungssitz dran wie noch nie. «Ich bin parat, nochmals durchzustarten», sagt Götte. Für Präsident Walter Gartmann ist klar: Ihr Mann im zweiten Wahlgang heisst wiederum Götte – «ein SVP-Mann, der auch im urbanen Raum punktet». Gartmann, der in der Vergangenheit wiederholt ein bürgerliches Ticket gefordert hatte, winkt diesmal ab: «Die bürgerlichen Parteien müssen jetzt ihre Kräfte selber bündeln.» Dann fügt er an:

«Schön wäre, wenn die CVP uns unterstützen würde.»

Götte und Tinner liefern sich hartes Duell

Auch die erneute Nomination von Beat Tinner dürfte eine reine Formsache sein. Hatte sich der Wartauer Gemeindepräsident und Fraktionspräsident nicht eine bessere Positionierung erhofft? Immerhin musste er die ebenfalls Neukandidierenden Hartmann und Götte an sich vorbeziehen lassen. Er sei von einem Kopf-an-Kopf-Rennen ausgegangen, sagt Tinner. Parteipräsident Raphael Frei spricht von «gleichauf». Tinner habe im Wahlkampf «spürbar Profil und Konturen gezeigt». Keine Frage ist für ihn, dass die Partei nochmals antritt. Es sieht ganz danach aus, dass es im zweiten Wahlgang zu einem harten Duell zwischen den beiden bürgerlichen Kandidaten kommen wird. In ihren politischen Positionen unterscheiden sie sich kaum.

Verzichten die Grünen zu Gunsten der SP?

Tinner gefährlich nahe rückte SP-Kandidatin Laura Bucher. Die beiden trennten schliesslich keine 500 Stimmen. Die Co-Präsidentin der Fraktion legte einen wahren Schlussspurt hin – dank vieler Stimmen aus der Stadt St.Gallen. Bucher freut sich über ihr Resultat – «als linke Frau erst recht». Linke Kandidaturen hätten es nie einfach in diesem Kanton. SP-Parteipräsident Max Lemmenmeier sagt:

«Unser oberstes Ziel ist es, eine zweite Frau in der Regierung zu haben. Sechs Männer und eine Frau ist nicht mehr zeitgemäss.»

Um dieses Ziel zu erreichen, müssen SP und Grüne ihre Kräfte bündeln – auch mit Blick auf ihre Wahlkampfbudgets. Das wissen auch die Parteistrategen. Eine Zusammenarbeit ist daher wahrscheinlich. SP-Präsident Lemmenmeier gibt sich noch bedeckt: «Wir werden Gespräche führen.»

Ähnlich tönt es bei den Grünen. Auf die Frage, ob ihre Kandidatin nochmals antritt oder Laura Bucher das Feld überlässt, antwortet Thomas Schwager, Präsident der St.Galler Grünen: «Das sind die beiden Optionen, eine dritte Variante gibt es nicht.» Rahel Würmli hat ein beachtliches Resultat erzielt. «Sie ist nicht abgefallen», sagt denn auch Schwager. In der Favoritenrolle ist aber Bucher; sie hat rund 6000 Stimmen mehr erzielt als Würmli. «Wir werden nun intern diskutieren und mit der SP das Gespräch suchen», sagt Schwager. Die SP stehe ihnen politisch am nächsten; in mehreren Wahlkreisen seien sie ja auch mit gemeinsamen Listen angetreten. Für Schwager ist deshalb klar:

«Wenn wir nicht selber kandidieren, unterstützen wir Laura Bucher.»

FDP, SVP, SP und Grüne entscheiden in den nächsten Tagen, wen sie in den zweiten Wahlgang vom 19. April schicken. Die Einreichfrist für Kandidaturen läuft in einer Woche ab.

Damann erzielt Glanzresultat

Nach dem ersten Wahlgang sind somit fünf der sieben Regierungssitze vergeben. Von den Bisherigen erzielte Volkswirtschaftsdirektor Bruno Damann (CVP) das Spitzenresultat. Das erinnert an seinen Durchmarsch vor vier Jahren. Damals schaffte er bereits im ersten Wahlgang den Sprung in den Regierungsrat – anders als sein FDP-Regierungskollege Marc Mächler, der in den zweiten Wahlgang musste. Gestern erzielte der Bauchef das zweitbeste Ergebnis. Auf dem dritten Platz folgt Sicherheits- und Justizchef Fredy Fässler (SP). Das schlechteste Resultat der vier Bisherigen erzielte Bildungschef Stefan Kölliker (SVP).