Kommentar

St.Galler Regierung verteilt Departemente: Doktor Damann muss bittere Pille schlucken

Für die St.Galler Spitalpolitik ist der Wechsel von Regierungsrat Bruno Damann ins Gesundheitsdepartement ein hoffnungsvolles Zeichen – obwohl er sich dagegen gewehrt hatte. Dass er als Arzt durch die Coronakrise führen wird, schafft zusätzlich Vertrauen.

Michael Genova
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Michael Genova

Michael Genova

Bild: Ralph Ribi

Auf den ersten Blick ist es eine logische Personalie: Der Mediziner Bruno Damann wechselt vom Volkswirtschaftsdepartement ins Gesundheitsdepartement. Auf den zweiten Blick überrascht die Neuorientierung. Denn noch während des Wahlkampfs duckte Damann sich weg und bezeichnete einen möglichen Wechsel als «schlechte Lösung». Wurde er sanft dazu gezwungen? Sein Gesichtsausdruck während der Verkündung im Pfalzkeller sprach jedenfalls Bände.

Für die verfahrene St.Galler Spitalpolitik ist sein Wechsel jedenfalls ein Zeichen des Aufbruchs. Nach 16 Jahren Grabenkämpfen und linker Regentschaft im Gesundheitsdepartement sind nun die Bürgerlichen in der Pflicht, eine mehrheitsfähige Vision für die defizitären St.Galler Spitalverbunde zu entwickeln. Der unaufgeregte CVP-Politiker Damann könnte als Bindeglied zwischen den Maximalpositionen von links und rechts vermitteln. Auch für die Herausforderungen der Coronakrise ist Damann die richtige Wahl.

Ein Arzt an der Spitze des Gesundheitsdepartements schafft Vertrauen.


Ebenfalls Vertrauen schafft der Wechsel von Marc Mächler vom Bau- ins Finanzdepartement. Der ehemalige Banker war jahrelang Mitglied der kantonsrätlichen Finanzkommission und bringt die fachlichen Fähigkeiten mit, um auf die wirtschaftlichen Verwerfungen der Coronakrise zu reagieren.

Mit dem Bau erhält die neu gewählte Susanne Hartmann ein traditionelles Schlüsseldepartement. Wer im Kanton baut, darf öffentliche Bauwerke einweihen und erhält dafür viel Aufmerksamkeit. Das Baudepartement geht von der FDP an die CVP.

Dies könnte eine Ausgleichsmassnahme dafür sein, dass die CVP ihren traditionellen Anspruch auf die Finanzen aufgeben musste. Die Departemente der anderen Neuen sind zwar weniger prestigeträchtig. Doch Allrounder Beat Tinner (FDP) dürfte sich im Volkswirtschaftsdepartement und Juristin Laura Bucher im Innern gut zurechtfinden.

Die neue St.Galler Regierung hat ihren ersten Test als Kollegialbehörde bestanden – auch wenn sie darum ringen musste. Sie hat bei der Departementsverteilung den Schwerpunkt auf die fachlichen Fähigkeiten der Regierungsräte gelegt. Das ergibt Sinn.

Dass die Bisherigen Bruno Damann und Marc Mächler in der Krise zwei Schlüsseldepartemente übernehmen, ist eine gute Botschaft.

Ob freiwillig oder unfreiwillig, interessiert die Stimmberechtigten wenig.

Sie hätten es nicht verstanden, wenn die Bisherigen die zurzeit schwierigsten Dossiers wie eine heisse Kartoffel an die Neulinge weitergereicht hätten.

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