St.Galler Regierung schränkt Besuche in Alters- und Pflegeheimen ein +++ Am Freitag folgen weitere Entscheide +++ Gesundheitsdirektor Damann: «Wir wollen nicht jeden zweiten Tag neue Massnahmen ergreifen»

Bewohnerinnen und Bewohner von Alters- und Pflegeheimen im Kanton St.Gallen können ab Dienstag pro Tag noch zwei Besuchende empfangen. Diese müssen sich im Voraus anmelden und erhöhte Schutzmassnahmen beachten. Dies hat die Regierung aufgrund der epidemiologischen Lage für alle Alters- und Pflegeheime beschlossen.

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Besuche sind nur noch auf Voranmeldung möglich.

Besuche sind nur noch auf Voranmeldung möglich.

Bild: Sandra Ardizzone

(pd/bro/mel) Einschränkungen der Bewegungsfreiheit von Heimbewohnenden und von Angehörigen bei Besuchen müssen gemäss der St.Galler Regierung mit Blick auf ethische und soziale Aspekte verhältnismässig sein. Das ist ein Grundsatz im neuen 3-Phasenmodell, welches das Amt für Soziales (Departement des Innern) mit dem Heimverband Curaviva St.Gallen und der Geriatrischen Klinik St.Gallen erarbeitet hat.

Die Regierung hat gestützt darauf und aufgrund der aktuellen epidemiologischen Lage heute an ihrer ausserordentlichen Sitzung eine Beschränkung der Besuche beschlossen, heisst es in einer Medienmitteilung vom Sonntagnachmittag.

Maximal zwei Personen, nur auf Voranmeldung

Neu sind täglich noch zwei Besuchende je Bewohnerin oder Bewohner möglich. Diese Zahl kann in Ausnahmesituationen, wenn jemand beispielsweise im Sterben liegt, nach Absprache mit der Heimleitung überschritten werden. Die Besucherinnen und Besucher müssen sich im Voraus anmelden. Je nach Heim können die Besuche auf besondere Zeitfenster beschränkt werden.

Besucherinnen und Besucher müssen ihre Kontaktdaten hinterlegen und sind aufgefordert, bei Symptomen einer allfälligen Covid-19-Erkrankung von einem Besuch abzusehen. Wer sich unsicher fühlt, kann im Vorfeld den Coronavirus-Check des Bundesamtes für Gesundheit durchführen (www.bag-coronavirus.ch). Cafeterien in den Heimen sind gemäss der vom jeweiligen Heim vorgegebenen Nutzung in der Regel nur noch im Rahmen der allgemeinen Besuchsregelung zugänglich.

Diese Regelung gilt ab diesem Dienstag, 27. Oktober, und für alle Alters- und Pflegeheime im Kanton St.Gallen vorläufig bis zum Jahresende oder bis sich die epidemiologische Lage verbessert. Die Einschränkungen entsprechen der «Phase 2: Ausbruchsbekämpfung» des neuen «3-Phasenmodells: Besuchsregelungen in Heimen» vom 22. Oktober. Das Dokument ist auf www.sg.ch/coronavirus abrufbar.

Vorläufiger Verzicht auf weitergehende Besuchsbeschränkungen

Erkranken in einem Heim mehr als drei Bewohnende oder Mitarbeitende, so dass Personalengpässe auftreten, kann die Heimleitung die Besuche auch auf begründete Einzelfälle oder Ausnahmesituationen beschränken. Dies ist laut der St.Galler Regierung aktuell in wenigstens sechs Heimen im Kanton St.Gallen der Fall. Die Vorkehrungen der Heime gemäss eigenem Schutzkonzept und die allgemein geltenden Hygiene- und Abstandsregelungen sind stets zu beachten. Besuchende werden bereits heute um die Angabe der Kontaktdaten gebeten.

Die Umsetzung des Modells liegt primär in der Verantwortung der einzelnen Heime, weshalb bei einer grösseren Betroffenheit von Covid-19-Erkrankungen bisher und auch künftig eine Einschränkung der Besuche auf Ausnahmefälle zulässig ist. Kantonsweit ist aus Sicht der Regierung indes derzeit eine massvolle Beschränkung der Besuche ausreichend, heisst es weiter. Diese Situation kann sich aufgrund der Dynamik der Pandemieentwicklung aber verändern und weitergehende Einschränkungen durch den Bundesrat sind nicht auszuschliessen.

Lage in Behinderteneinrichtungen stabil

Da betagte Menschen die grösste Risikogruppe darstellen, die es mit entsprechenden Massnahmen zu schützen gilt, fokussiert das 3-Phasenmodell primär auf die Betagten- und Pflegeheime. Die Fallzahlen in den Behinderteneinrichtungen nahmen in den letzten Tagen zwar ebenfalls zu, erfordern aber noch keine generellen Regelungen im Kanton. Das Amt für Soziales steht im direkten Austausch mit den Einrichtungen für Menschen mit Behinderung. Die Empfehlungen wurden in Absprache mit dem Branchenverband Insos entsprechend den Bedürfnissen angepasst.

Der St.Galler Gesundheitsdirektor Bruno Damann.

Der St.Galler Gesundheitsdirektor Bruno Damann.

Bild: Ralph Ribi

Die Verschärfung der Massnahmen einzig in den Heimen begründet Regierungspräsident Bruno Damann auf Nachfrage mit dem Schutz der grössten Risikogruppe und den aktuellen Fällen von Infektionen in Heimen. Die Sonntagssitzung habe die St.Galler Regierung aufgrund der bundesrätlichen Vernehmlassung der Gesundheitsdirektorenkonferenz abgehalten, unabhängig von den Beschlüssen des Kantons Ausserrhoden.

Weitere Einschränkungen angedacht

Der Kanton Appenzell Ausserrhoden hatte am Sonntagmittag folgende Verschärfung der Massnahmen beschlossen: Maskenpflicht am Arbeitsplatz und Märkten und keine Veranstaltungen mit mehr als 50 Leuten. Ob St.Gallen ebenfalls eine Maskenpflicht im Freien oder am Arbeitsplatz plane, wollte Damann nicht bestätigen:

«Wir warten bis Freitag, weil es zwei Wochen dauert, bis man den Erfolg der letzten getroffenen Massnahmen beurteilen kann.»

Die Entwicklung der Fallzahlen spricht laut der Regierung nicht gegen das Abwarten. «Wir waren vergangene Woche mit täglich 300 bis 350 neuen Fällen auf hohem Niveau stabil», sagt Bruno Damann. Dies gelte auch fürs Wochenende, jedenfalls für die Fallzahlen von Freitag und Samstag in der gleichen Grössenordnung. Solange kein drastischer Sprung passiere, seien unter der Woche aus kantonaler Sicht keine zusätzlichen Verschärfungen nötig.

Ähnlich wie sein Thurgauer Regierungskollege Urs Martin, mit dem sich Damann am Donnerstag in Bern abgesprochen hat, will der St.Galler Gesundheitschef «nicht jeden zweiten oder dritten Tag neue Massnahmen ergreifen», die dann durch Bundesratsentscheide überholt würden.

«Das wäre eine Sisyphusarbeit, die wir unseren Leuten nicht zumuten können.»