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St.Galler Nachtleben: Es knallt heute heftiger als früher - Insider packt aus

Der Eklat um den Trischli-Türsteher gibt weiter zu reden. Laut einem Szenekenner hat sich die Gewalt im St.Galler Nachtleben verschärft – teils tragen Leute im Ausgang gar Waffen auf sich.
Daniel Walt
Im Nachtleben unabdingbar: Sicherheitsangestellte. (Keystone)

Im Nachtleben unabdingbar: Sicherheitsangestellte. (Keystone)

«Aus Jux greift kein Türsteher zu einer Waffe.» Das sagt ein Mann, der über lange Jahre aktiv ins St.Galler Nachtleben involviert war. Er kennt die Clubs dieser Stadt und deren Besitzer, hat auch Einblicke in die Türsteher-Szene gewonnen. Und er hat selber an der Front erlebt, wie schnell Situationen im Eingangsbereich von Clubs oder im Lokal drinnen ausser Kontrolle geraten können.

In der Nacht auf Samstag hat ein Türsteher des Trischli eine Gästegruppe mit einer Stange traktiert – eine Person wurde dabei verletzt. Auch der Szenekenner zeigt sich betroffen von dieser Gewalteskalation. Erklären kann er sich den Vorfall nur so, dass die entsprechenden Besucher – sie waren stark alkoholisiert - sehr aggressiv gewesen sein müssen. «Zudem weiss man als Türsteher oft nicht, was die entsprechenden Personen alles konsumiert haben», sagt der Mann.

Trotzdem ist er dezidiert der Meinung, dass ein Türsteher niemals zu einer Stange greifen darf, um auf Menschen einzuschlagen: «Ein Türsteher ist dazu da, Situationen zu beruhigen.» Dazu gehöre wenn nötig ein wirkungsvoller Pfefferspray, aber sicher kein Schlaginstrument.

«Bei Jüngeren sind die Auswüchse heftiger»

Ist die rohe Gewalt beim Trischli, die auch auf Videoaufnahmen dokumentiert ist, Ausdruck eines Wandels im St.Galler Nachtleben? Der Szenekenner antwortet:

«An den Türen der Clubs gab es schon immer Puff. Früher kursierten dazu einfach keine Videosequenzen im Internet.»

Dementsprechend glaubt er nicht, dass die Anzahl der Gewaltvorfälle gestiegen ist. «Allerdings sind die Auseinandersetzungen heftiger geworden», sagt der Mann. Zum einen ist seiner Wahrnehmung nach die Hemmschwelle gesunken. Bei einem Streit werden nicht mehr nur die Fäuste eingesetzt. Der Szenekenner sagt:

«In St.Gallen und verstärkt noch in Zürich gehen die Leute heutzutage teils bewaffnet in den Ausgang. Das gab es früher nicht.»

Zum anderen lassen die Clubs laut dem Insider auch jüngere Leute als früher rein. «Und wenn junge Leute betrunken sind, sind die Auswüchse heftiger.»

Einen Hauptauslöser für diese Entwicklung sieht der Mann in den rückläufigen Besucher- und Umsatzzahlen zahlreicher Clubs. Der wirtschaftliche Druck bringt die Betreiber dazu, auch Leuten Einlass zu gewähren, die früher aus Altersgründen oder anderen Motiven abgewiesen worden wären.

Billigere Türsteher gefragt

Ebenfalls mit den Umsatzrückgängen in der Clubszene zu tun haben dürfte ein weiterer Punkt, der am Ursprung von Konflikten stehen kann: «Gute Türsteher sind sehr teuer», sagt der Szenekenner. Deshalb würden immer wieder auch Sicherheitsfirmen engagiert, welche für weniger Geld arbeiteten. Die Folge: Im Dienst sind Türsteher, die ihre Stärken nicht unbedingt im kommunikativen, sondern eher im körperlichen Bereich haben.

Die Forderung nationaler Clubvertreter, in der Ausbildung von Türstehern vermehrt auf Aspekte wie Kommunikation oder Psychologie zu setzen, teilt der Szenekenner vollauf. Er findet es entscheidend, dass im Sicherheitsteam eines Clubs sämtliche Kompetenzen vorhanden sind: Es brauche auch kommunikativ starke Leute, denn in neun von zehn Fällen könne man deeskalieren. Gleichzeitig sagt er aber auch: «Im zehnten Fall braucht es jemanden, der darauf vorbereitet ist, zuzupacken.»


«Es herrscht Wildwuchs»: Ständerat Paul Rechsteiner will nationale Standards für Sicherheitsdienste

Der St.Galler Ständerat Paul Rechsteiner möchte, dass schweizweit verbindliche Standards für Sicherheitsfirmen eingeführt werden. Weshalb, erklärt er im Interview.
Daniel Walt
Ständerat Paul Rechsteiner. (Bild: Ralph Ribi)

Ständerat Paul Rechsteiner. (Bild: Ralph Ribi)

Paul Rechsteiner, was sagen Sie zur Gewalteskalation rund um das Trischli?

Ich kenne die Hintergründe des Vorfalls nicht. Deswegen möchte ich mich dazu auch nicht äussern.

Sie haben im Ständerat Ende vergangenen Jahres eine Motion eingereicht, der Bundesrat befürwortet sie. Darin fordern Sie, dass Mindeststandards für Sicherheitsfirmen national geregelt werden. Weshalb?

Die Sicherheitsbranche gewinnt immer mehr an Bedeutung, zumal zahlreiche Aufgaben nicht mehr von der Polizei erledigt werden können. Gleichzeitig fehlen nationale Mindeststandards. Diese müssen auf Bundesebene festgelegt werden. Sonst können Sicherheitsfirmen auf jene Kantone ausweichen, die eine largere Gesetzgebung haben.

Laut der St.Galler Kantonspolizei ist mit dem Sicherheitsunternehmen, das für den Trischli Club arbeitet, bewilligungstechnisch alles in Ordnung. Weshalb kam es trotzdem zu einer derartigen Gewalteskalation?

Standards sind keine Garantie, dass nicht doch einmal etwas passiert. Aber wenn es nationale Mindeststandards gibt, ist die Gefahr für solche Vorfälle sicherlich kleiner als beim Wildwuchs, der aktuell herrscht.

Nationale Verbände von Clubs fordern, dass in der Ausbildung von Sicherheitsangestellten mehr Gewicht auf Bereichen wie Psychologie oder Kommunikation in Krisensituationen liegen soll. Was halten Sie davon?

Es braucht eine umfassende Ausbildung. Wichtig sind aber auch gute Arbeitsbedingungen. Der Lohn und die Arbeitszeiten müssen stimmen – ansonsten bekommt man das falsche Personal.

Ist es nicht etwas blauäugig, von Psychologie und Kommunikation zu reden, wenn Türsteher mit betrunkenen, hoch aggressiven Gästen zu tun haben?

Sicherheitsangestellte haben eine hoch anspruchsvolle Aufgabe. Standardrezepte, wie sie sich verhalten müssen, gibt es nicht. Es geht um Professionalität und darum, vom Erfahrungswissen zu profitieren. Deeskalieren ist gefragt, genauso wie das Gewährleisten des Schutzes.

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