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St.Galler legen 264 Millionen Franken Schwarzgeld offen – Trend nimmt ab

Im Kanton St.Gallen haben sich im vergangenen Jahr knapp 900 Steuersünder selbst angezeigt. Das sind deutlich weniger als im Vorjahr.
Adrian Vögele
(KEYSTONE/Martin Ruetschi)

(KEYSTONE/Martin Ruetschi)

Die Zahl der Steuersünder, die sich im Kanton St.Gallen selbst anzeigen, ist im vergangenen Jahr gesunken. Nach dem Rekord von 2017 – gegen 1300 Anzeigen mit einem Gesamtvermögen von 435 Millionen Franken – waren es 2018 noch knapp 900 Anzeigen im Umfang von 264 Millionen. In 46 Fällen ging es um Beträge zwischen einer und fünf Millionen Franken, in sieben Fällen waren es über fünf Millionen. Der höchste offengelegte Betrag liegt bei 20 Millionen.

Von den 264 Millionen Franken Schwarzgeld, die im vergangenen Jahr offengelegt wurden, lagen fast 100 Millionen auf Konten im Fürstentum. Allerdings: Auch diese Zahl ist gegenüber dem Vorjahr deutlich gesunken, 176 Millionen waren es damals. Ein Hauptgrund für den Rückgang: Der Automatische Informationsaustausch (AIA) zwischen Liechtenstein und der Schweiz ist seit Anfang 2018 in Kraft. Die meisten St. Galler mit undeklarierten Vermögen in Liechtenstein dürften sich bereits 2017 angezeigt haben, als das Abkommen mit Liechtenstein konkret wurde.

Anstieg bei inländischem Schwarzgeld

Zugleich scheint das Vertrauen in das Schweizer Bankgeheimnis nicht mehr so unerschütterlich wie auch schon: Die Summe an inländischem Schwarzgeld, die die St. Galler deklariert haben, ist nämlich gestiegen – von 70 auf 114 Millionen Franken. Weitere rund 51 Millionen stammen aus dem übrigen Ausland ohne Liechtenstein.

Apropos übriges Ausland: Schon auf Anfang 2017 sind AIA-Abkommen mit den 28 EU-Staaten sowie weiteren Ländern wie Norwegen, Australien und Kanada in Kraft getreten. Hier sind nun erstmals Daten geflossen: Das St. Galler Steueramt hat im Dezember via Bund 65 000 Meldungen erhalten und muss nun überprüfen, ob sich darunter Vermögen befindet, das nicht versteuert wurde. Derzeit erarbeite man Prozeduren, um diesen Datenberg systematisch und effizient zu analysieren, sagte Felix Sager, Leiter des St. Galler Steueramts, am Mittwoch vor den Medien. Es geht vor allem darum, die Kontonummern zu erfassen und zu überprüfen, ob sie auch gegenüber dem Steueramt St. Gallen deklariert wurden. Wie viele der 65 000 Datensätze Schwarzgeld enthalten, sei schlicht nicht vorhersehbar, sagt Sager. «Wir werden mit der Analyse voraussichtlich bei den grossen Vermögenswerten beginnen.»

Steueramt kämpft mit Datenberg

Die meisten Meldungen dieser ersten Datenlieferung – rund 44 000 – stammen aus Deutschland. Österreich steht mit knapp 7200 Datensätzen an zweiter Stelle, gefolgt von Italien (2535), Spanien (2443), Portugal (2251), Grossbritannien (1812) und Luxemburg (897). Dass Deutschland derart weit vorne liegt, erklärt sich Sager damit, dass die Deutschen zu den grössten Ausländergruppen in der Schweiz gehören und wirtschaftlich vergleichsweise gut situiert sind. Die meisten Ausländer in der ständigen Wohnbevölkerung sind jedoch Italiener. Ist die Zahl der Meldungen aus Italien demnach nicht auffällig gering? Auf die Lieferung der Bankdaten aus dem Ausland hätten die kantonalen Steuerämter keinen Einfluss, so Sager. Es sei Sache des Bundes, allfällige Mängel festzustellen und zu intervenieren.

Bis zu zwei Jahre Wartezeit

Dass mit den AIA-Abkommen immer mehr Schlupflöcher für Steuersünder gestopft werden, dürfte sich auch auf die Selbstanzeigen auswirken: Sager rechnet damit, dass sich der abnehmende Trend im Kanton fortsetzt. Nicht auszuschliessen ist allerdings, dass es in den nächsten Monaten nochmals zu einer Schwemme von «Liechtenstein-Anzeigen» kommt, bevor im Herbst erstmals Daten zwischen dem Fürstentum und der Schweiz fliessen.

So oder so werden die Selbstanzeigen das Steueramt noch lange und intensiv beschäftigen: Der Aufwand für die Bewältigung der Hunderten von Fällen sei beträchtlich, sagt Sager. Wer sich im Kanton St. Gallen selber anzeigt, muss eineinhalb bis zwei Jahre warten, bis der Fall erledigt ist. Ein schnelles Mittel gegen ein schlechtes Gewissen ist dies Selbstanzeige somit nicht.

Mehr Selbstanzeigen in Ausserrhoden als im Thurgau

Im Gegensatz zum Kanton St. Gallen steigt in anderen Ostschweizer Kantonen die Zahl der Schwarzgeld-Fälle weiterhin an. Im Kanton Appenzell Ausserrhoden haben sich im vergangenen Jahr 364 Steuersünder angezeigt – ein Rekord. Im Vorjahr waren es noch 220 gewesen, und bereits dieser Wert war etwa viermal so hoch wie in früheren Jahren. Wie hoch der Gesamtbetrag des offengelegten Schwarzgelds aus dem vergangenen Jahr ist, kann das Ausserrhoder Steueramt noch nicht beziffern. Sicher ist: Bei der Anzahl Fälle hat Ausserrhoden bereits den Thurgau überholt. Dieser verzeichnete im Jahr 2018 insgesamt 318 Selbstanzeigen. Auch das ist Rekord und ein doppelt so hoher Wert wie in durchschnittlichen Jahren. 2017 hatten 238 Personen im Thurgau Schwarzgeld offengelegt. Laut dem Thurgauer Steueramt wurden im vergangenen Jahr 168 Millionen Franken Schwarzgeld offengelegt. Darunter seien einzelne besonders grosse Vermögen, aber viele Bagatellen. Der Kanton Appenzell Innerrhoden erteilt jeweils keine Auskunft zu den straflosen Selbstanzeigen. Begründet wird das mit den engräumigen Verhältnissen, die Rückschlüsse auf einzelne Personen ermöglichen würden. (av)

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