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St.Galler Künstler polarisiert mit Kunst aus Fingernägeln

Die Objekte aus Fingernägeln des St.Galler Künstlers Jan Kaeser haben bewegt. Im Netz beleidigen Kritiker den Künstler persönlich.
Martin Preisser
«Menschzeit»: Uhr mit Fingernagelabschnitten. (Bild: Michel Canonica)

«Menschzeit»: Uhr mit Fingernagelabschnitten. (Bild: Michel Canonica)

Die Arbeiten des St.Galler Künstlers Jan Kaeser haben oft die Absicht, Alltagsmaterialien in einen neuen, überraschenden Kontext zu stellen. Mit Fingernagelabschnitten als menschlichem Material gehen sie da noch einen Schritt weiter. Unsere Zeitung hat über die Ausstellung in der Arboner Galerie Bleisch berichtet, die Pendlerzeitung «20 Minuten» zog nach. Hier haben online fast zweihundert Leser Kaesers Kunst «kommentiert». Mit teils bösartigen Posts. So einer wie Kaeser gehöre in die Psychiatrie, heisst es da. Schnell und oft gibt es den Link zum Thema Fäkalien. Manche mutmassen, hier lebe einer seinen Fetisch aus. Was Kaeser da mache, sei «krankhaftes Verhalten, eine Neurose», schreibt jemand.

«Die Medien stehen in der Verantwortung»

Jan Kaeser ist über so viel Reaktion im Netz überrascht. «Vielleicht sind meine Werke ja ein radikaler Spiegel, worin sich der Betrachter selbst sieht und angeregt wird, sich Gedanken zu machen, wie er mit sich selbst, mit seinen Gedanken und seinem Körper umgeht.» Wenn man keine Sachargumente hat, zielt man oft auf die Person, auch bei dieser stillen, über viele Jahre gewachsenen Kunst aus einem besonderen Stoff. «Man kann sie mögen oder nicht, aber was verletzende, beleidigende Kommentare gegen meine Person angeht, sehe ich die Medien in der Verantwortung», sagt Jan Kaeser. Es gehe nicht, dass Sätze unter der Gürtellinie und Verunglimpfendes einfach so ungefiltert ins Netz laufen könnten.

Die Fingernageltasse mit Jan Kaesers Nägeln, die er für diese Arbeit während vierzehn Jahren gesammelt hat. (Bild: Michel Canonica)Die Fingernageltasse mit Jan Kaesers Nägeln, die er für diese Arbeit während vierzehn Jahren gesammelt hat. (Bild: Michel Canonica)
«Menschzeit»: Armbanduhr mit Fingernägeln. (Bild: Michel Canonica)«Menschzeit»: Armbanduhr mit Fingernägeln. (Bild: Michel Canonica)
Auf den ersten Blick erinnern die Fingernägel an eine Spule aus feinem Faden. (Bild: Michel Canonica)Auf den ersten Blick erinnern die Fingernägel an eine Spule aus feinem Faden. (Bild: Michel Canonica)
Hörnchen aus Fingernägeln: Mit ihnen assoziiert der Künstler auch die Hörner, die wir uns abstossen. (Bild: Michel Canonica)Hörnchen aus Fingernägeln: Mit ihnen assoziiert der Künstler auch die Hörner, die wir uns abstossen. (Bild: Michel Canonica)
Aus Nägeln entstand diese Nagelschere. (Bild: Michel Canonica)Aus Nägeln entstand diese Nagelschere. (Bild: Michel Canonica)
5 Bilder

Aus Fingernägeln wird Kunst: Zu sehen ist diese spezielle Aktion in Arbon

Jan Kaeser sei wahrscheinlich arbeitsscheu, solle auf dem Bau arbeiten, statt solche Kunst zu machen, schreibt ein «20 Minuten»-Leser. Andere haben Angst, Künstler wie er lägen dem Steuerzahler auf der Tasche. Das schnelle Internet mit der Möglichkeit, unreflektiert zu posten, steht für Kaeser in grossem Widerspruch zur Langsamkeit seiner Arbeiten. Zum Nachdenken sollen diese einladen, provozieren wollen sie nicht. Der Stoff, aus dem sie gemacht seien, sei natürlich abbaubar, regional, erneuerbar und garantiert steuergeldbefreit, sagt Jan Kaeser augenzwinkernd. Als «Potenzmittel für Chinesen», wie ein weiterer Kommentar empfiehlt, taugen sie nicht.

Jan Kaeser hat mit dieser speziellen Kunst Mutiges gewagt, die Reaktionen im Netz darauf sind aber oft mehr als bedenklich. Auch zwei grosse englische Boulevardzeitungen haben sich für diese Nagel-Kunst interessiert. Der Künstler hat nach diesen Reaktionen aber abgewunken. In der Arboner Galerie Bleisch sind die feinen Nagel- Kunstwerke indes auf grosses Interesse gestossen, mit durchweg positiver Resonanz. Heute sind sie letztmals zu sehen.

Finissage:

Sa, 26.10., 14-16 Uhr; Vortrag von Bistumsarchivar Stefan Kemmer: 15 Uhr (Galerie Bleisch, Arbon)

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