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St.Galler Kreisrichter spielen Richter Hold

Gestern hat das Kantonsgericht St.Gallen seine Türen für die Öffentlichkeit geöffnet. Besucher konnten unter anderem einen Zivilprozess verfolgen, bei dem Richter gezeigt haben, wie gut sie schauspielern können.
Text: Marlen Hämmerli
Bei der Urteilsverkündung müssen auch die Kantonspolizisten aufstehen. Sie sind – wie bei echten Prozessen – zur Sicherheit der Besucher da. (Bild: Urs Bucher)

Bei der Urteilsverkündung müssen auch die Kantonspolizisten aufstehen. Sie sind – wie bei echten Prozessen – zur Sicherheit der Besucher da. (Bild: Urs Bucher)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Das gibt es sonst nicht. Das Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland tagt nicht in Mels, sondern in St.Gallen. Nicht in seinem eigenen Gerichtssaal, sondern im grossen Saal des St.Galler Kantonsgerichts. Und der Zivilprozess ist öffentlich.

Offiziell nennt sich die Veranstaltung Tag der offenen Tür. Ein anderer Titel wäre gewesen «Kantonsgericht spielt Richter Alexander Hold». Denn echte Richter, Rechtsanwälte und Gerichtsschreiber spielen heute zwei Prozesse nach, je einen aus dem Strafrecht und dem Zivilrecht. Anonymisiert, vereinfacht, aber doch tatsächliche Fälle. Und im Vergleich zu den Staats- und Rechtsanwälten der Richtershow Alexander Hold tun sie dies besser, spannender, glaubhafter.

Arbeitskollegen spielen zerstrittenes Ehepaar

Vor Gericht stehen zwei Kreisrichter aus Rorschach. In der Realität Arbeitskollegen, mimen sie heute ein zerstrittenes Ehepaar mit drei kleinen Kindern. Er hat sich neu verliebt, will sich neu orientieren. Sie hat sich in ihr Schicksal ergeben, will ihm aber nur ein minimales Besuchsrecht einräumen. Die zehn vergangenen Jahre war sie Hausfrau und betreute die Kinder. «Er arbei­tete und ging gerne auch mal abends weg.» Nun wolle ihr Noch-Ehemann plötzlich die Betreuung ebenfalls übernehmen. «Ich traue ihm das gar nicht zu», sagt die Frau in der Einzelanhörung, während er in seiner Anhörung genau das Gegenteil behauptet: «Sie ist überfordert, führt ein zu lasches Regime.»

Einzelanhörungen gab es bei der Sendung Familienfälle – Richter Hold, einem Ableger der Richtershow, kaum. Zu langweilig wären sie gewesen. Das Publikum – 79 Plätze sind alle besetzt – verfolgt die Anhörungen trotzdem gespannt. Eine ältere Dame zischt einmal gar:

«Macht ihr drei Kinder und will jetzt wieder frei sein!»

Weil sich das Ehepaar nicht einigen kann, wer die Kinder wie oft betreuen darf und wie hoch die Unterhaltszahlungen sein sollen, kommt es zur Hauptverhandlung. Drei Richter sitzen vorne leicht erhöht, links im Raum der Mann mit seiner Anwältin, rechts die Frau mit ihrem Anwalt. Dieser hält zuerst seinen sogenannten Parteivortrag, ohne Seitenhieb, ohne durch die gegnerische Anwältin unterbrochen zu werden. Argumentiert wird mit dem Wohl der Kinder: Ein weiterer Wechsel bei der Betreuung würde die noch sehr kleinen Kinder belasten. «Sehr gut», kommentiert die ältere Zuschauerin. Dann folgt die Gegenseite und argumentiert, besonders die beiden Buben bräuchten eine männliche Bezugsperson.

Das Urteil ist schliesslich ein Kompromiss. Der Mann darf seine Kinder künftig zusätzlich zu jedem zweiten Wochenende auch unter der Woche an einem Tag betreuen.

Über 1000 Besucher besichtigen das Gericht

Die Besucher verlassen den Saal, steigen ins Erdgeschoss. Bratwurstduft strömt ihnen entgegen: Vor dem Eingang wurde ein Verpflegungsstand aufgebaut. Doch statt zu essen, erkunden viele lieber das Gerichtsgebäude – spielerisch.

Über alle Räume sind Posten verteilt, wo die Besucher Fragen zum Mietrecht oder dem Arbeitsrecht beantworten können. Wer das Quiz löst, erhält am Ende aber nicht einen Gutschein für eine Gerichtsverhandlung, sondern ein Brügeli. Bis 16 Uhr haben gestern über 1000 Personen das Kantonsgericht besucht.

Tag der offenen Tür in Mels

Am Samstag, 22. September, öffnet das Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland seine Türen. Alle Infos unter www.gerichte.sg.ch.

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