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St.Galler Kokain-Scheinkäufe sind erfolgreich - in mehreren Aspekten

Im Rahmen der «Aktion Ameise» fängt die St.Galler Kantonspolizei Kleindealer mit Scheinkäufen. Hin und wieder stösst sie dabei auf die Hintermänner der «Chügeli-Dealer» – wie letzten Dienstag in St.Gallen.
Kaspar Enz
Die St.Galler Kantonspolizei jagt verdeckt nach Kleindealern. (Bild: Christian Brun/KEY)

Die St.Galler Kantonspolizei jagt verdeckt nach Kleindealern. (Bild: Christian Brun/KEY)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Es war ein grosser Fang, den die St.Galler Kantonspolizei am Dienstag vermelden konnte: 3,5 Kilogramm Kokain fand sie in einem Haus in St.Gallen. 15 Personen wurden verhaftet. Die Gruppe belieferte etliche Kleindealer mit Stoff.

Der Kokainring war kein Zufallsfund. Ein Jahr lang hatte die Kantonspolizei ermittelt. Zwölf Personen wurden in dieser Zeit verhaftet, 5,8 Kilogramm Kokain sichergestellt. Die Spur witterte die Polizei bei der Festnahme von Kleindealern im Rahmen der «Aktion Ameise»: Dabei lassen sich verdeckt ermittelnde Poli­zisten Drogen anbieten. Solche Scheinkäufe führte die Kapo bereits zwischen 2003 und 2009 durch, ein Bundesgerichtsentscheid stoppte aber deren Einsatz für einige Jahre.

239 Kleindealer verhaftet

Nach einer Revision des Polizeigesetzes sind die verdeckten Drogenfahnder seit 2014 wieder im Einsatz. In den Augen der Polizei eine Erfolgsgeschichte: 239 Personen nahm sie seither fest – Kleindealer, die kleine Mengen Kokain auf der Strasse anbieten. Aber immer ergeben sich aus der Jagd nach den «Chügeli-Dea­lern» Hinweise auf Hintermänner der kriminellen Organisationen, sagt Gian Andrea Rezzoli, Mediensprecher der St.Galler Kapo. «Die Ermittlungen nehmen oft auf einer unteren Stufe ihren Anfang.» Jeder Fang sei ein Faden eines grösseres Netzes.

Diese Netze sind oft weit ­gespannt. Die erwischten Kleindealer stammen grösstenteils aus Westafrika, vor allem aus Nigeria. Nur wenige wohnen aber in der Schweiz. «Die verhafteten Dealer haben ihren Wohnsitz meist im Ausland, oft in Italien oder Spanien», sagt Gian Andrea Rezzoli. Wer erwischt wird, wird in einem Schnellverfahren verurteilt. «Innerhalb von 48 Stunden bekommen sie einen Strafbefehl.» Die Untersuchung sei meist leicht abzuschliessen – die Scheinkäufe erlauben eine leichte Beweisführung. Meist kommt so auch ein ausländerrechtliches Verfahren in Gang, das oft in einer Ausschaffung endet.

Den Erfolg der «Aktion Ameise» sieht die Polizei aber nicht nur in der Zahl der Festnahmen. Sie verdrängt den offenen Drogenhandel. Das habe das Jahr 2016 gezeigt: Damals betrieb die Kapo die Aktion intensiv, nahm 104 Kleindealer fest. Dies führte dazu, dass die Dealer weniger offen auftraten, sagt Rezzoli. Er ist aber realistisch: Verschwinden wird der Drogenhandel nicht. Die Kleindealer werden schnell ersetzt. «Konsumenten und Händler wird es immer geben.» Und ein bedeutender Teil der Kunden beschafft sich den Stoff nicht von Strassenhändlern. «An diese ist es schwierig, heranzukommen.»

Auch Thurgauer Polizei darf verdeckt einkaufen

Da die Polizei damit ein gewisses Mass an Täuschung einsetzt, sind Scheinkäufe rechtlich nicht ganz unumstritten. Trotzdem setzt nicht nur die St.Galler Kantonspolizei sie ein. Auch in Luzern und Zürich fahnden Polizisten in Zivil auf diese Weise nach Strassendealern. Auch die Thurgauer Kantonspolizei verfüge über die Kompetenz, diese durchzuführen, sagt Mario Christen, Sprecher der Thurgauer Kantonspolizei. Ob sie aber solche Scheinkäufe auch durchführt, will er nicht sagen. «Da es sich um ein taktisches Vorgehen handelt, macht die Kantonspolizei Thurgau ­keine Angaben dazu.»

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