St.Galler Katholiken schaffen 20 zusätzliche Räume in ihren Stiftsgebäuden

Mehr Platz für die Kirchenmusikschule, neue Büros für Sitzungen, Schulungen und Archive des Katholischen Konfessionsteils: Am Klosterhof hat die Renovation des ehemaligen Sparad-Bankgebäudes begonnen, in dem bis vor Kurzem ein Teil der Staatsanwaltschaft untergebracht war.

Marcel Elsener
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Im ehemaligen Sparad-Bankgebäude war bis zu diesem Sommer ein Teil der St.Galler Staatsanwaltschaft untergebracht.

Im ehemaligen Sparad-Bankgebäude war bis zu diesem Sommer ein Teil der St.Galler Staatsanwaltschaft untergebracht.

Bild: PD

Bankgeschäfte, Wirtschaftsdelikte – und künftig Kirchenmusik: Im Gebäude Klosterhof 8a südlich der Kathedrale zieht mit der am Montag begonnenen Renovation ein ganz neuer Geist ein. Bis Ende August war das Gebäude an den Kanton St.Gallen vermietet, seit gut zwei Jahrzehnten war dort die Abteilung Wirtschaftsdelikte der Staatsanwaltschaft untergebracht. Ursprünglich war es der Sitz der Sparkasse der katholischen Administration (Sparad), jener einst drittgrössten St.Galler Regionalbank, die 1995 nach riskanten Kreditgeschäften in einem Debakel unterging respektive von der Kantonalbank übernommen wurde. Die Sparad war allerdings in den 1980er-Jahren bereits an die Bankgasse 1 (heute Hypo Vorarlberg) gezogen.

Künftig werden im ehemaligen Sparad-Gebäude die Diözesane Kirchenmusikschule, die Pensionskasse der Diözese St.Gallen sowie der Administrationsrat neue Räume erhalten, wie es in einer Medienmitteilung heisst. In den leeren Büros sind seit dieser Woche die Handwerker an der Arbeit. Neun Büros, ein Gesangs- und ein Orgelproberaum, ein Archivraum sowie ein grosser Sitzungs- und Schulungssaal werden künftig zur Verfügung stehen, zusätzliche Räume, die dringend gebraucht werden.

Obwohl das Gebäude auf den ersten Blick gut in Schuss scheint, sind die Sanierungsarbeiten im Innern aufwendig. So müssen die sehr alten Elektroinstallationen im gesamten Haus erneuert, mehrere Wände eingebaut, eine Küche für die Hauswartwohnung sowie sanitäre Anlagen für den künftig multifunktional nutzbaren Versammlungsraum im Dachgeschoss eingebaut werden. Überall müssen die Decken samt Beleuchtung und die Bodenbeläge erneuert werden. 2,1 Millionen Franken sind für die Umbau- und Sanierungsarbeiten reserviert.

Erste von sechs Bauetappen

Thomas Franck, Verwaltungsdirektor Katholischer Konfessionsteil des Kantons St.Gallen

Thomas Franck, Verwaltungsdirektor Katholischer Konfessionsteil des Kantons St.Gallen

PD

In Zeiten schwindender Kirchenmitglieder mag der zusätzliche Raumbedarf für den katholischen Konfessionsteil erstaunen. Den vermeintlichen Widerspruch kann Verwaltungsdirektor Thomas Franck indes gut erklären: Einerseits wurden die «Buebeflade» ausgebaut und die Ausstellungsräume der Stiftsbibliothek vergrössert, andererseits viele Aufgaben vom «Land» in der Kantonshauptstadt zentralisiert. Es gehe demnach ums «Nachrutschen und Bürorucken», sprich um räumliche Verlagerungen.

Der Umbau des ehemaligen Bankgebäudes ist die erste von sechs Teiletappen zur Umsetzung des Raumkonzeptes in den Stiftsgebäuden. In nächsten Schritten entsteht eine Lernlandschaft für die Buebeflade im Erdgeschoss des Türmliflügels (gegenüber Eingang Stiftsbibliothek), im ersten Stockwerk entstehen Arbeitsräume für Schulsozialarbeit und Heilpädagogik sowie für die Informatik. In der bisherigen, ungünstig gelegenen Hauswartswohnung werden künftig die Kommunikationsbereiche von Bistum und Konfessionsteil angesiedelt, Besprechungsräume und ein Gästestudio eingebaut. Ein grosser Mehrzweckraum entsteht im «Dachstock» über dem Professenhaus Klosterhof 6a. Für das Personal wird es zudem den bisher fehlenden Aufenthaltsraum für Kaffee- und Mittagspausen geben.

Im dritten Geschoss des Dekanatsflügels entsteht durch geschicktere Raumeinteilung mehr nutzbare Bürofläche. Die Struktur der ehemaligen Mönchszellen wird wieder hergestellt. Die über 60-jährigen Räume werden komplett renoviert. Dank der zusätzlichen Räume werden Rochaden ermöglicht, so dass die Raumanordnung der Institutionen im Stiftsbezirk entflochten werden können.

Gesamtkosten von über 6 Millionen Franken

Gesamthaft werden nach Abschluss aller Umgestaltungs- und Sanierungsarbeiten an die 20 zusätzliche Räume für die verschiedensten Nutzungen zur Verfügung stehen. Die Arbeiten dauern bis im Juli 2022 und betreffen ausschliesslich den Innenbereich der Gebäude. Die Gesamtkosten von 6,35 Millionen Franken wurden im Juni 2020 durch das Katholische Kollegium bewilligt. Bereits jetzt steht für fast alle Räume die künftige Nutzung fest, einige Reserveflächen stehen für zukünftige Bedürfnisse noch zur Verfügung, wie es heisst.

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