St.Galler Kantonsgericht kürzt Freiheitsstrafen für Räuber

Zwei 25-jährige Männer gehörten vor vier Jahren zu einer Bande, die einen bewaffneten
Raubüberfall und Diebstähle beging. Nun hat das Kantonsgericht St. Gallen ihre Strafen abgemildert.

Claudia Schmid
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Vier Bandenmitglieder wurden im Frühling 2017 vom Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland verurteilt. Die beiden 25-Jährigen, die gegen das Urteil Berufung einlegten, erhielten damals teilbedingte Freiheitsstrafen von zweieinhalb Jahren und eine Busse. Acht Monate wurden als vollziehbar erklärt, 22 Monate bedingt mit einer Probezeit von vier Jahren ausgesprochen. Bewaffneter und bandenmässiger Raub, gewerbs- und bandenmässiger Diebstahl, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch, Begünstigung und Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz gehörten zu den Schuldsprüchen.
Die beiden Beschuldigten ­erzählten an der Berufungs­verhandlung am Kantonsgericht St. Gallen, sie hätten sich bereits während der Schulzeit kennen gelernt. Zu den Straftaten seien sie von einem weiteren ehemaligen Schulkollegen und dessen Kumpel überredet worden. Zunächst brachen sie ins Schützenhaus in Oberschaan ein, später in den Pavillon des Fussballclubs Trübbach. Sie entwendeten Lebensmittel, Getränke und Zigaretten. Bei diesen Einbrüchen seien sie nur unbeteiligt dabei ­gewesen, erklärten die beiden einhellig. Es habe intensive Überredungskünste der beiden Drahtzieher gebraucht, damit sie überhaupt mitgemacht hätten.

«Nichts von einer geladenen Waffe gewusst»

Kurze Zeit später folgte ein bewaffneter Raubüberfall auf eine Bar in Trübbach. Dort hatte man es auf Bargeld abgesehen. Auch in diesem Fall betonten die beiden, sie seien nur widerwillig mitgegangen und hätten sich keine Beute erhofft. Ihre Aufgabe sei gewesen, ins Lokal zu gehen, etwas zu bestellen und den beiden Drahtziehern draussen eine SMS zu schreiben. Vom Mitführen einer geladenen Waffe hätten sie nichts gewusst. Nach diesem Raub wurden sie von der Polizei verhaftet. Offenbar hatten die beiden Haupttäter auch schon über einen möglichen Banküberfall geredet.

Über ihre Verteidiger beantragten die beiden Beschuldigten, sie seien nur der Gehilfenschaft beim Raubüberfall und des einfachen Diebstahls schuldig zu erklären. Als Sanktion seien milde Freiheitsstrafen festzulegen, die bedingt auszusprechen seien. Unbestritten blieben die Delikte gegen das Betäubungsmittelgesetz und die damit verbundene Busse.

Beide Männer sind in der Schweiz aufgewachsen. Der eine ist Italiener, der andere hat die Staatsbürgerschaft von Sri Lanka. Die Verteidiger hoben in ihren Plädoyers hervor, ihre Mandanten seien bei den Straftaten lediglich Mitläufer gewesen. Sie seien von der Vorinstanz zu hart bestraft worden, zumal sie härtere Strafen als von der Anklage beantragt erhalten hätten. Auch im Vergleich zu den Haupttätern sei das Strafmass zu hoch, da jene weitere Straftaten wie mehrfacher Raub und Betrug auf dem Kerbholz hätten. Die Verteidiger bestritten zudem, dass bei ihren beiden Mandanten bandenmässiges Verhalten vorliegt. Den Beschuldigten könne eine gute Prognose gestellt werden. Sie lebten drogenfrei, gingen einer geregelten Arbeit nach oder besuchten eine weiterführende Schule und hätten in den letzten vier Jahren bewiesen, dass sie sich an die ­Regeln halten könnten.

Drei Jahre Probezeit

Die Staatsanwältin widersprach den Verteidigern. Der Raubüberfall sei von der Viererbande gemeinsam geplant und ausgeführt worden. Obwohl die Beute bei den drei Straftaten relativ gering gewesen sei und nur wenige hundert Franken betrage, sei die Bereicherungsabsicht gross gewesen. Allerdings stelle sie sich nicht quer, falls das Kantonsgericht auf den ursprünglichen Antrag der Staatsanwaltschaft zurückkomme und die Sanktion auf eine bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren mit einer Probezeit von vier Jahren reduziere.
Das Kantonsgericht St. Gallen gab das Urteil schriftlich bekannt. Es sprach beide Beschuldigten des bewaffneten und bandenmässigen Raubes, des bandenmässigen Diebstahls, der Begünstigung, der Sachbeschädigung, des Hausfriedensbruchs und der Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz schuldig. Die Freiheitsstrafe senkte das Kantonsgericht auf zwei Jahre. Der Vollzug wird mit einer Probezeit von drei Jahren aufgeschoben.