St.Galler Finanzdirektor Benedikt Würth wird Verwaltungsrat einer Regionalbank – er sagt: «Einen Interessenkonflikt sehe ich nicht»

Benedikt Würth will Verwaltungsrat der Bank Acrevis werden – einen Interessenkonflikt sieht er nicht.

Michael Genova
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Der St.Galler Ständerat Benedikt Würth will sich ein berufliches Standbein aufbauen : «Ich sehe mich nicht als Teilzeitarbeiter.»

Der St.Galler Ständerat Benedikt Würth will sich ein berufliches Standbein aufbauen : «Ich sehe mich nicht als Teilzeitarbeiter.»

Bild: Regina Kühne

Wenn es um seine berufliche Zukunft geht, überlässt der scheidende St.Galler Regierungsrat Benedikt Würth nichts dem Zufall. Gestern meldete die St.Galler Regionalbank Acrevis, dass sie Würth als Mitglied des Verwaltungsrats nominiert. Und ebenfalls diese Woche wurde bekannt, dass Würth Konsulent in einem St.Galler Anwaltsbüro wird.

Die Ankündigungen kommen zu einem ungewöhnlich frühen Zeitpunkt. Würths Amtszeit als St.Galler Finanzdirektor dauert noch bis Ende Mai. Danach wird er sich auf sein Ständeratsmandat konzentrieren – und seine frisch gewonnenen Mandate in der Privatwirtschaft.

Aufschrei bei Leuthards Seitenwechsel

Bei ehemaligen Bundesräten wurde wiederholt eine Wartefrist bei Wechseln in die Privatwirtschaft gefordert. Kürzlich sorgte Doris Leuthards Nominierung als Verwaltungsrätin des Zugherstellers Stadler für Aufregung. Linke wie rechte Politiker reagierten empört. Stadler betonte jedoch, dass Leuthard die politisch geforderte Karenzfrist von einem Jahr einhalte. Bislang scheiterten allerdings Versuche, eine solche Frist für Bundesräte im Gesetz zu verankern.

Auch im Kanton St.Gallen gibt es keine gesetzliche Wartefrist für Regierungsräte. Ab dem 1. Juni arbeite er nicht mehr beim Kanton und sei somit nicht mehr gebunden, teilt Benedikt Würth auf Anfrage mit. Er geht davon aus, dass ihn sein Ständeratsmandat zu 60 bis 70 Prozent ausfüllen werde.

«Ich bin 52 und noch voller Tatendrang. Ich sehe mich nicht als Teilzeitarbeiter.»

Zudem habe er im Wahlkampf immer gesagt, dass er neben dem Ständeratsmandat ein berufliches Standbein aufbauen werde. «Im Unterschied zu einem Bundesrat werde ich weder Ruhegehalt noch Abgangsentschädigung erhalten», sagt Würth.

Heikel sind Seitenwechsel von Exekutivpolitikern wegen potenzieller Interessenkonflikte. Die Frage stellt sich vor allem, wenn eine thematische Nähe zwischen den alten politischen Ämtern und den neuen Wirtschaftsmandaten besteht. So etwa bei Doris Leuthard, die als ehemalige Verkehrsministerin zu einem Zugherstellers wechselt. Oder bei Benedikt Würth, der als ehemaliger St.Galler Finanzdirektor in den Verwaltungsrat einer der wichtigsten Ostschweizer Regionalbanken aufsteigen wird.

Dazu Würth:

«Einen Interessenkonflikt sehe ich nicht.»

Es gebe keine Geschäftsbeziehung zwischen Acrevis und der Staatsverwaltung. Ein Wechsel in die Privatwirtschaft sei für ihn nichts Ungewöhnliches, betont Würth. «Ich finde es gut, dass man nach Beendigung der Behördentätigkeit weiterhin einen Beruf ausübt.»

Würth rechnet damit, dass er als Verwaltungsrat für Acrevis durchschnittlich zwei bis drei Arbeitstage pro Monat tätig sein werde. Genaue Angaben zu seinem künftigen Lohn macht er nicht, verweist aber auf den Geschäftsbericht 2018. Dort wurde eine Gesamtentschädigung für alle neun VR-Mitglieder zusammen von 600'000 Franken veröffentlicht. Im Durchschnitt also rund 67'000 Franken pro VR-­Mitglied.