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Interview

St.Galler FDP-Ständeratskandidat Marcel Dobler: «Es ist Zeit für jüngere Gesichter im Stöckli»

Der St.Galler FDP-Ständeratskandidat Marcel Dobler über sein Wahlkampf-Budget, Paul Rechsteiner und Deals mit der SVP.
Stefan Schmid und Andri Rostetter
«Es geht nicht um meine persönlichen Bedürfnisse»: Digitec-Gründer und St.Galler FDP-Nationalrat Marcel Dobler. (Bild: Benjamin Manser)

«Es geht nicht um meine persönlichen Bedürfnisse»: Digitec-Gründer und St.Galler FDP-Nationalrat Marcel Dobler. (Bild: Benjamin Manser)

Mit Paul Rechsteiner und Benedikt Würth sitzen zwei politische Schwergewichte im Stöckli. Warum sollte das St.Galler Volk auf einen Newcomer wie Sie setzen?

Marcel Dobler: Ich bin in Bern so gut vernetzt wie Würth und Rechsteiner. Da gibt es wenig Unterschiede. Nach 33 Jahren im Bundeshaus ist es zudem Zeit, einem jüngeren, fähigen Gesicht eine Chance zu geben.

Ihre Kandidatur zielt damit auf Paul Rechsteiner.

Ich trete an, um dem Volk eine Auswahl zu geben. Aber ja: Mein Ziel ist eine ungeteilte bürgerliche Standesstimme.

Gehört die SP nicht in den Ständerat?

Es geht ja nicht nur um die Frage, ob St.Gallen einen linken Ständerat braucht. Mindestens so wichtig sind meine Fähigkeiten und das Alter. Wollen die St.Gallerinnen und St.Galler, dass ihr Ständerat in der nächsten Legislatur 70 wird? Das ist die entscheidende Frage.

Sie wohnen im Linthgebiet, das sich stark nach Zürich orientiert. Sehen Sie sich überhaupt als St.Galler?

Der Kanton St.Gallen ist meine Wahlheimat. Wir sind wegen unserer Kinder nach Rapperswil-Jona gezogen. Ich habe aber vorher bereits in Rapperswil-Jona studiert und viele Jahre Fussball gespielt. Zu Ihrer Frage: Klar bin ich St.Galler und liebe meine Heimat.

Marcel Dobler (Bild: Benjamin Manser)

Marcel Dobler (Bild: Benjamin Manser)

Sie sind in Bern bisher nicht dadurch aufgefallen, dass Sie sich für spezifisch st.gallische Anliegen eingesetzt hätten.

Ich habe mich dort eingebracht, wo ich gefragt war: Zum Beispiel in der sicherheitspolitischen Kommission. Als junger Nationalrat sitzt man nicht in mehreren Kommissionen. Entsprechend konzentriert man sich neben den eigenen Themen insbesondere auf die Geschäfte in der Kommission.

Was Sie nicht daran gehindert hätte, für den Kanton zu weibeln.

Als Nationalrat macht man Politik für das ganze Land. Das nützt unmittelbar auch dem Kanton und allen St.Gallerinnen und St.Gallern. Es ist aber falsch, dass ich mich nicht für die Ostschweiz eingesetzt hätte.

Wo konkret?

Ich habe dafür gekämpft, dass das Grenzwachtkorps in unserer Region personell aufgestockt wird. Auch beim Thema E-Voting, das den Kanton St.Gallen stark umtreibt, war ich stets intensiv im Austausch mit den kantonalen Verantwortlichen.

Man nimmt Sie nicht als thematisch breit abgestützter Politiker wahr. Sie gelten als Mister IT.

Ich bin IT-Unternehmer, ja. Die Digitalisierung ist selbstverständlich ein wichtiges Querschnittsthema. Ich habe in diesen Bereichen immer wieder Ideen lanciert – jüngst etwa die Forderung, ausländische Fachkräfte, die hier studiert haben, im Land zu behalten.

Marcel Dobler (Bild: Benjamin Manser)

Marcel Dobler (Bild: Benjamin Manser)

Eben: Sie kümmern sich fast ausschliesslich um IT-Fragen.

Das stimmt nicht. Ich habe Vorstösse in den Themen Wirtschaft, Sicherheit, Bildung und Bürokratieabbau eingereicht. Aber klar: Ich war 15 Jahre lang IT-Unternehmer. Ich glaube, dass ich dank dieser Vergangenheit neue Perspektiven in die Politik bringen kann, die dringend gefragt sind. Digitalisierung ist schliesslich kein Selbstzweck.

Kommen wir zu anderen Sachfragen: Wie muss die Altersvorsorge langfristig gesichert werden?

Ich bin für die Beibehaltung des Rentenniveaus. Gleichzeitig muss das Rentenalter für Frau und Mann auf 65 beziehungsweise 66 angehoben werden. Entscheidend ist mittelfristig eine Flexibilisierung des Rentenalters. Es muss je nach Branche möglich sein, früher oder später in Pension zu gehen. Die Lebensarbeitszeit muss an die Lebenserwartung gekoppelt werden. Sie muss steigen, wenn wir älter werden.

Braucht die Schweiz ein Rahmenabkommen mit der EU?

Wenn es dem Bundesrat gelingt, die noch offenen Punkte zu präzisieren, dann schaue ich mir das gerne an.

Sie sind also wie die SVP dagegen.

Nicht grundsätzlich. Aber ohne die fehlenden Präzisierungen lehne ich es ab.

Marcel Dobler (Bild: Benjamin Manser)

Marcel Dobler (Bild: Benjamin Manser)

Welche Massnahmen zum Schutz des Klimas unterstützen Sie?

Ich unterstütze das Pariser Abkommen. Dieses schreibt vor, dass wir bis 2050 unseren CO2-Ausstoss um 75 bis 85 Prozent senken müssen. Diesen Fahrplan müssen wir einhalten.

Können Sie konkreter werden?

Es wäre zum Beispiel nützlich, auch Hybridfahrzeuge bei der Motorfahrzeugsteuer zu begünstigen – und nicht nur Elektrofahrzeuge. Entscheidend ist aber für mich, dass die Menschen eigenverantwortlich handeln.

Eigenverantwortung bedeutet doch, dass nichts passiert.

Falsch. Ich lebe privat sehr grün. Ich fahre einen Tesla und habe zu Hause eine Wärmepumpe und eine Solaranlage auf dem Dach. Wir sind alle auch als Private gefragt, einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

Darf Klimaschutz nichts kosten?

Das sage ich nicht. Klimaschutz ist eine globale Herausforderung. Aber ich finde es falsch, wenn man Hauseigentümer, die finanziell nicht auf Rosen gebettet sind, mit Verboten zum Klimaschutz zwingen will. Aber auch wenn wir im Klimaschutz dreimal schneller sind als der Rest der Welt, wird man statistisch keine Wirkung nachweisen können. Wir müssen global handeln.

Im Luzerner Ständeratswahlkampf unterstützen Sie den SVP-Kandidaten Franz Grüter, der gegen den bisherigen FDP-Mann Damian Müller antritt. Wieso?

Zuerst einmal: Ich bin in beiden Unterstützungskomitees, also von Grüter und Müller. Das Inserat, dass Sie ansprechen, lief unter dem Titel «Unternehmer wählen Unternehmer». Grüter ist IT-Unternehmer und Vizepräsident im Branchenverband ICT Switzerland, den ich präsidiere. Wir arbeiten seit Jahren eng zusammen, wir kennen uns sehr gut und haben ähnliche Wertvorstellungen. Wen soll man sonst unterstützen, wenn nicht jemanden, der einem so nahe ist?

Marcel Dobler (Bild: Benjamin Manser)

Marcel Dobler (Bild: Benjamin Manser)

Sie selber haben 2015 einen aufwendigen und teuren Wahlkampf geführt. Wie viel Geld kostet Ihre Kampagne in diesem Jahr?

Wenn Sie meinen, der Dobler nimmt fünfmal mehr in die Hand als andere, sage ich Ihnen: Das wird nicht passieren. Meine Kampagne ist im Rahmen einer vergleichbaren Ständeratskandidatur. Sie können auch davon ausgehen, dass ich nicht von unendlich vielen Leute Geld bekomme. 2015 habe ich meinen Wahlkampf praktisch allein bezahlt. Das wird auch dieses Jahr so sein.

Sie müssten nicht offenlegen, woher das Geld kommt. Sie könnten einfach sagen, wie viel Sie investieren.

Das könnte ich. Ich mach es aber nicht.

Dann müssen Sie in Kauf nehmen, dass Leute wie Mike Egger erzählen, man könne sich einen Sitz kaufen, wenn man unbeschränkte finanzielle Mittel hat.

Das kann er schon erzählen. Es stimmt einfach nicht. Der Vorwurf zum Geld ist auch deshalb absurd, weil ich vor allem extrem viel Zeit investiere.

Das Geld bleibt aber zentral.

Mit kleinem Budget ist es schwieriger. Man ist auf Plakatwänden weniger präsent, kann weniger Flyer drucken und weniger Anlässe machen. Eine Veranstaltung kostet schnell 3000 Franken.

Sollten Sie in den Ständerat gewählt werden: Würden Sie lieber mit Roland Rino Büchel von der SVP oder mit Benedikt Würth von der CVP zusammenarbeiten.

Das spielt mir keine Rolle, ich kenne beide sehr gut. Ich verstehe mich übrigens auch mit Paul Rechsteiner gut, ich hätte keine Probleme, mit ihm als Person zusammenzuarbeiten. Wir haben unterschiedliche Wertvorstellungen, das ist völlig normal.

Die St.Galler Bürgerliche reden schon länger von der ungeteilten Standesstimme. Sind Sie bereit, sich im zweiten Wahlgang zurückzuziehen, wenn Büchel das bessere Resultat gemacht hat als Sie?

Es gibt noch keinen Deal. Aber ich bin der Ansicht, dass es keinen Sinn macht, im zweiten Wahlgang nochmals anzutreten, wenn ich deutlich schlechter als Büchel war. Es geht hier nicht um meine persönlichen Bedürfnisse, sondern um unseren Kanton.

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