St.Galler FDP-Kantonsrat fordert Steuerhilfe für Unternehmen — der Thurgau mache es vor

Der Kanton St. Gallen soll wie Thurgau Coronarückstellungen im Jahresabschluss 2019 steuerlich anerkennen. Das fordert Kantonsrat Walter Locher in einem politischen Vorstoss

Regula Weik
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Nach dem Corona-Lockdown können am Montag viele Geschäfte und Institutionen in der Schweiz ihren Betrieb wieder aufnehmen - unter Einhaltung der Hygiene- und Distanzvorschriften.

Nach dem Corona-Lockdown können am Montag viele Geschäfte und Institutionen in der Schweiz ihren Betrieb wieder aufnehmen - unter Einhaltung der Hygiene- und Distanzvorschriften. 

KEYSTONE

Einen Monat ist es her, seit die Thurgauer Regierung den Beschluss fasste: Bei besonders von der Pandemie betroffenen Unternehmen wird im Rechnungsabschluss 2019 eine Coronarückstellung steuerlich anerkannt. Der Zeitpunkt passte: In vielen Unternehmen werden in diesen Wochen die Steuererklärungen und Abschlüsse für 2019 fertiggestellt.

FDP-Kantonsrat Walter Locher

FDP-Kantonsrat Walter Locher

Mareycke Frehner

Was der Kanton Thurgau seither praktiziert, soll auch in St. Gallen geschehen, fordert FDP-Kantonsrat Walter Locher in einem politischen Vorstoss. Er will von der hiesigen Regierung wissen, ob sie bereit ist, eine steuerlich anerkannte Coronarückstellung zuzulassen – verbunden mit der Pflicht für die Unternehmen, «diese in den Jahresrechnungen 2020 oder 2021 zwingend wieder erfolgswirksam aufzulösen».

«Die Auswirkungen waren 2019 noch nicht absehbar»

Der Kanton St. Gallen hält nichts davon. Er lehnt solche Rückstellungen ab. «Da die wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronapandemie im letzten Jahr noch nicht absehbar waren, sind sie nach geltendem Steuerrecht nicht begründet», heisst es auf der Website des Kantons.

Locher kennt die Ausführungen. «Den betroffenen Unternehmen und Selbstständigerwerbenden hilft das nicht», sagt er und verweist auf andere Kantone, die «der Wirtschaft mit raschen steuerlichen Massnahmen helfen, die Krise zu mildern».

So lässt auch der Kanton Aargau eine Coronarückstellung zu. Damit stünde «den von der Krise besonders betroffenen Unternehmen ein weiteres Instrument zur Verfügung, Liquiditätsengpässe kurzfristig zu überbrücken», begründet er die Massnahme.

St.Gallen will schweizweite Regelung

St. Gallen graut vor kantonalen Einzellösungen. Eine von Kanton zu Kanton unterschiedliche Praxis wäre insbesondere «mit Blick auf die interkantonale Steuerausscheidung problematisch». Er hält denn auch fest:

«Der Kanton St. Gallen sieht keinen Anlass, im Alleingang Rückstellungen wegen der Coronapandemie für Jahresabschlüsse 2019 zu gewähren.»

Die Frage, ob aufgrund der ausserordentlichen Situation Coronarückstellungen möglich sind oder eben nicht, betreffe schliesslich die ganze Schweiz und solle deshalb auch schweizweit einheitlich beantwortet werden.

Zudem wären davon nicht nur die kantonalen Steuern betroffen; es gehe ausserdem auch um die direkte Bundessteuer. Der Kanton Aargau hält dazu explizit fest: «Die Rückstellung ist nur für die Kantons- und Gemeindesteuern zulässig, nicht aber für die direkte Bundessteuer.»

Die Antwort der Regierung auf Lochers Vorstoss steht noch aus.

Auch IHK gelangt an Regierung

Inzwischen ist auch die Industrie- und Handelskammer St. Gallen-Appenzell aktiv geworden. Sie hat die Regierungen von St. Gallen und beider Appenzell angeschrieben. Auch in diesen Kantonen sollten wie im Thurgau Coronarückstellungen möglich sein. St. Gallen habe ihre erste Anfrage abgelehnt – «doch eine Wiederaufnahme des Anliegens durch die vorberatende Kommission des Kantonsrats ist lanciert».