Swiss Skills: Die Chancen auf eine Austragung in St.Gallen stehen schlecht – Sorgen bei regionalen Berufsmessen

Die Swiss Skills reiten auf einer Welle der Euphorie. Aus Ostschweizer Sicht hat sich die Stimmung jedoch getrübt. Die Chancen auf eine Austragung in St.Gallen stehen schlecht. Zugleich fühlen sich die regionalen Berufsmessen bedroht, weil die Swiss Skills künftig voraussichtlich alle zwei Jahre stattfinden werden statt alle vier Jahre.

Adrian Vögele
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Zwei Bootsfachwarte in Aktion während der Eröffnungsfeier der Schweizer Berufsmeisterschaften 2018. (Bild: Keystone/Anthony Anex)

Zwei Bootsfachwarte in Aktion während der Eröffnungsfeier der Schweizer Berufsmeisterschaften 2018. (Bild: Keystone/Anthony Anex)

Rund um die Swiss Skills hat sich in den vergangenen Monaten eine euphorische Stimmung entwickelt. Über 110'000 Zuschauerinnen und Zuschauer besuchten die Schweizer Berufsmeisterschaften im September in Bern. Auch die Ostschweiz war gut vertreten: Von den 900 jungen Berufsleuten, die zu den Wettkämpfen antraten, kamen insgesamt 140 aus St.Gallen, dem Thurgau und beiden ­Appenzell – und sie brachten 34 Medaillen heim. CVP-Nationalrat und Olma-Direktor Nicolo Paganini setzt sich zusammen mit anderen Ostschweizer Bundesparlamentariern dafür ein, dass der Anlass auch in anderen Regionen als Bern stattfinden kann. Eine Bewerbung aus St.Gallen für die nächste Austragung liegt vor und wird auch von der Ostschweizer Regierungskonferenz unterstützt (Ausgabe vom 23. November).
Daraus wird allerdings nichts. Die Stiftung Swiss Skills hat zwar noch keinen definitiven Entscheid gefällt – doch für die nähere Zukunft steht wiederum der Standort Bern im Vordergrund, wie Stiftungsratspräsident Reto Wyss auf Anfrage sagt. Der Austragungsort müsse mehrere Kriterien erfüllen können. Zum Beispiel, dass ihn Schulklassen aus allen Landesteilen möglichst gut innerhalb eines Tages besuchen können.

Damit nicht genug: Die nationalen Berufsmeisterschaften drohen für die Ostschweiz von einer Chance zu einer Hypothek zu werden. Nicolo Paganini äussert sich besorgt über die neuesten Pläne der Stiftung. «Ich finde die Swiss Skills eine tolle Sache. Aber ich befürchte, dass die Organisatoren in der aktu­ellen Euphorie über das Ziel hinausschiessen.» Dabei geht es nicht um die Standortfrage, sondern um den Austragungsrhythmus: Die Stiftung wolle die nationalen Berufsmeisterschaften künftig alle zwei Jahre und nicht alle vier Jahre durchführen, so Paganini. Die personelle Struktur der Stiftung werde derzeit professionalisiert, neue Leute würden eingestellt.  
 

Sorgen wegen geplantem Zweijahresrhythmus

Als Messedirektor könne er nachvollziehen, dass die Organisation ein Interesse daran habe, die Veranstaltung möglichst oft durchzuführen, sagt Paganini. «Doch meine Sorge ist: Haben die Berufsverbände die Kraft, alle zwei Jahre bei den Swiss Skills mitzumachen – das ist ein Riesenaufwand – und dann auch noch an den regionalen Berufsmessen teilzunehmen?» Die regionalen Berufsmessen, etwa die Ostschweizer Bildungsausstellung (OBA) in St. Gallen, seien für die ­Jugendlichen in der Berufswahlphase ­besonders wichtig, «nur dort erfahren sie, bei welchen Betrieben sie welche Lehre machen können».

Nicht nur die OBA, auch andere ­Berufsmessen sind besorgt, dass durch den Zweijahresrhythmus der Swiss Skills eine Konkurrenzsituation entstehen könnte. «Wir teilen diese Befürchtungen», sagt Markus Hirt, Leiter der Zentralschweizer Bildungsmesse in Luzern. «Für uns ist eine Durchführung der Swiss Skills alle vier Jahre ideal.» Zurzeit stehe man in intensivem Kontakt mit den Verantwortlichen der Swiss Skills und arbeite an einer Lösung.

Laut Swiss-Skills-Präsident Reto Wyss findet diese Woche ein Workshop mit den Veranstaltern der Berufsmessen zum Thema statt. Die Berufsverbände jedoch hätten sich bereits grossmehrheitlich für den Zweijahresrhythmus ausgesprochen. «Regionale Berufsmessen und die zentralen Swiss Skills ergänzen und bereichern sich in erster Linie», sagt Wyss. «Die Swiss Skills bieten Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, den ‹Fächer› zu öffnen und sich von der enormen Vielfalt der Berufe inspirieren zu lassen.» An den regionalen Berufsmessen hingegen könne man sich dann vertieft mit einzelnen Berufsbildern auseinandersetzen und vor allem auch ­Informationen über das regionale Lehrstellenangebot und die lokalen Unternehmen abholen. «Das ist an den Swiss Skills nicht möglich.»

Wenn es zum Zweijahresrhythmus komme, werde der Standort Bern für die Jahre 2020 und 2022 fix sein, sagt Wyss. «Dies auch, um den Berufsverbänden und dem OK Planungssicherheit zu ­geben und das Synergiepotenzial des kürzeren Durchführungsrhythmus optimal zu nutzen.» Hingegen sei offen, wie es nach 2022 weitergehe. «Es scheint uns in jedem Fall wichtig, dass ein allfälliger neuer Standort genügend Zeit hat, um sich auf die Durchführung der zentralen Swiss Skills vorzubereiten.»  

Bund als Geldgeber soll Antworten liefern

Der Bund hält sich in der Diskussion um die Swiss Skills bisher zurück. Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann will der Stiftung nicht dreinreden, weder bei der Standortfrage noch beim Austragungsrhythmus. Dies hatte er bereits im September auf Nachfrage der Thurgauer Nationalräte Diana Gutjahr (SVP) und Hansjörg Brunner (FDP) gesagt. Und er wiederholte die Botschaft Anfang November in der Antwort auf ein Postulat von Nicolo Paganini (siehe Kasten). Doch Fakt ist: Der Bund spielt als Geldgeber eine wichtige Rolle. Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) steuerte 10 Millionen zu den Swiss Skills 2018 bei, mehr als die Hälfte des organisatorischen ­Gesamtbudgets. Zugleich aber zahlt das SBFI auch für die regionalen Berufsmessen Beiträge. «Dank dieser Subventionen ist beispielsweise der Eintritt an der OBA gratis», sagt Nicolo Paganini. «Es kann ja nicht sein, dass der Bund diese regionalen Messen torpediert, indem er grünes Licht gibt für eine häufigere Austragung der Swiss Skills.» Paganini will nun vom Bundesrat Auskunft dazu. Die Antwort wird heute Montag erwartet.

Schneider-Ammann will sich nicht einmischen

Der Bundesrat ist nicht grundsätzlich dagegen, dass die Swiss Skills künftig auch ausserhalb von Bern stattfinden. Aktiv darauf hinwirken will er ­jedoch nicht: Das geht aus der Antwort auf ein Postulat von CVP-Nationalrat ­Nicolo Paganini hervor. Der Bundesrat ist bereit, das Anliegen bei der Stiftung Swiss Skills zu deponieren. «Es obliegt jedoch weiterhin der Stiftung, die Anforderungen an Messestandorte und den Durchführungsrhythmus festzulegen.» Der Bund ist im Stiftungsrat nicht vertreten – obwohl er erhebliche finanzielle Beiträge leistet. Seit 2008 hat er mit den Swiss Skills einen Subventionsvertrag, der die Aufgaben und Leistungen der Stiftung regelt. Zusätzlich zu den vertraglich vereinbarten Leistungen unterstützte der Bund die letzten zwei Schweizer Berufsmeisterschaften finanziell: 2014 mit rund 9 Millionen Franken, 2018 mit rund 10 Millionen Franken. Mit diesen Beiträgen wurde unter anderem sichergestellt, dass die Berufsverbände keine Standmiete bezahlen mussten. Paganini sprach im Vorstoss auch die Bewerbung der Stadt St. Gallen an, der Bundesrat äussert sich dazu jedoch nicht. Die Regierung lehnt das Postulat ab – als nächstes muss nun das Parlament darüber befinden. (av)