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«Es gab keinen Verdacht, nichts»: St.Galler Bischof zeigt pensionierten Priester wegen sexueller Übergriffe gegen Minderjährigen an

Ein St.Galler Priester soll sich an einem Minderjährigen sexuell vergangen haben. Der mutmassliche Täter hat laut dem Bistum zuletzt in der Region Goldach gearbeitet.
Andri Rostetter, Tim Naef, Michael Genova
Die St.Galler Kathedrale. (Bild: Urs Jaudas)

Die St.Galler Kathedrale. (Bild: Urs Jaudas)

Die Taten liegen mehrere Jahre zurück. In den Jahren 1987 bis 1996 soll ein Priester sexuelle Übergriffe gegen einen Minderjährigen begangen haben. Der Bub war zum Zeitpunkt der ersten Taten 13 Jahre alt war. Dies teilte das Bistum St. Gallen gestern in einem Communiqué mit.

Nachdem Bischof Markus Büchel vom Fachgremium gegen sexuelle Übergriffe des Bistums im April 2019 von den Vorgängen erfahren hatte, habe er umgehend Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet. Dies, obwohl die Tat verjährt sei und als solche nicht mehr gerichtlich verfolgt werden könne.

Seelsorgerische Tätigkeit per sofort untersagt


Das Bistum St. Gallen hat sich aus zwei Gründen dennoch für eine Anzeige entschieden: «Zum einen haben sich die Schweizer Bischöfe verpflichtet, sobald sie von einem Vorfall erfahren, diesen der Staatsanwaltschaft zu melden – auch wenn er Jahre zurückliegt», sagt Claudius Luterbacher, Kanzler des Bistums St. Gallen. «Nur schon, damit die Meldung für mögliche weitere Fälle nützlich sein könnte.» Zum anderen sei es die Aufgabe der Behörden festzustellen, ob der Fall verjährt sei.

Laut Luterbacher wurde dem Priester, der noch regelmässig in der Pfarrei Goldach aushalf, als erste Massnahme jede «seelsorgerische Tätigkeit per ­sofort untersagt». Weitere Sanktionsmöglichkeiten habe das Bistum St. Gallen nicht. Diese müssten die zivilen Behörden verfügen. Wie die Kirche über das Berufsverbot hinaus mit dem Priester umgeht, entscheidet ein kirchenrechtliches Verfahren.

Bischof Markus Büchel. (Bild: Benjamin Manser)

Bischof Markus Büchel. (Bild: Benjamin Manser)

«In Rom wurde sofort ein kirchenrechtliches Verfahren eröffnet, da die Tat auch nach kirch­lichem Recht eine Straftat darstellt», sagt Bischof Markus Büchel. Er sei aber überzeugt, dass Rom harte Massnahmen ergreifen werde. Wie diese konkret ausgestaltet sein könnten, kann der Bischof aber nicht sagen.

Opfer ist heute 46-jährig

Über die Vorgänge wurde Büchel vom unabhängigen Fachgremium gegen sexuelle Übergriffe im Bistum St. Gallen unterrichtet. Das Opfer habe sich direkt an das Gremium gewandt und den Vorfall gemeldet, so Büchel. Auf die Vorwürfe angesprochen, habe der beschuldigte Priester die damaligen sexuellen Übergriffe gegen den heute 46-jährigen Mann zugegeben.

Wie Recherchen zeigen, haben sich die Übergriffe in Altstätten zugetragen. Dort hat der Priester in den 1980er- und 1990er-­Jahren als Seelsorger und Religionslehrer gearbeitet. Laut Luterbacher haben sich bis heute keine weiteren Opfer gemeldet. Das Bistum werde diesbezüglich auch keine Nachforschungen anstellen. Dies sei die Aufgabe der staatlichen Behörden.

Bischof bittet Opfer um Verzeihung

Der heute 78-jährige Beschuldigte bereue sein Handeln zutiefst, heisst es in der Mitteilung des Bistums. Bis zum Zeitpunkt der Meldung durch das Fachgremium hätten dem Bistum keinerlei Anhaltspunkte oder Meldungen für ein Fehlverhalten dieses Priesters vorgelegen. Auch Bischof Büchel sagt, er habe nichts geahnt: «Ich kenne alle meine Priester. Es gab keinen Verdacht, nichts.»

Der Bischof zeigt sich tief betroffen über den Missbrauch durch einen Priester aus dem Bistum St.Gallen. Er habe das Opfer als Vertreter der Kirche um Verzeihung gebeten. «Wir sind ihm sehr dankbar, dass er sich gemeldet hat», sagt Büchel. Auch wenn die Vorfälle bereits Jahrzehnte zurückliegen, sei es wichtig, dass das Opfer darüber reden könne. «Genauso wichtig war es, damit wir Massnahmen gegen den beschuldigten Priester treffen konnten.»

Aus Genugtuungsfonds entschädigt

Im Bistum St. Gallen gibt es seit 2002 ein Fachgremium gegen sexuelle Übergriffe. Es war die erste Fachstelle dieser Art in der Schweiz. Auslöser war ein Fall im Sarganserland kurz vor ­Ostern 2002. «Wie viele Fälle seither behandelt wurden, geben wir bewusst nicht bekannt», sagt Franziska Gschwend, Präsidentin des Fachgremiums. Einerseits beträfen nicht alle Fälle sexuelle Übergriffe im strafrechtlichen Sinn, andererseits schwanke die Zahl der Fälle von Jahr zu Jahr stark. «Das wäre nicht repräsentativ.»

Das Opfer wird aus dem Genugtuungsfonds der katholischen Kirche der Schweiz einen finanziellen Beitrag über 20000 Franken erhalten. Ein Antrag des Bistums St. Gallen wurde von der zuständigen Kommission bewilligt. Damit erhält das Opfer den Maximalbeitrag für «besonders schwerwiegende Fälle», wie es im entsprechenden Reglement heisst. In der Regel beträgt der Beitrag 10000 Franken. Gschwend betont indes: «Natürlich kann man das immense Leid des Opfers mit einer Geldzahlung nicht wiedergutmachen.»

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