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ST.GALLEN/AUSSERRHODEN: Missgeschick mit tödlichen Folgen bei Luchs-Einfangaktion: St.Galler Behörden erklären, was schiefgelaufen ist

Am Sonntag hat die Wildhut in Gais einen verletzten Luchs von seinem Leiden erlösen müssen. Das Tier hatte sich zuvor bei einem Einfangversuch schwer verletzt. "Es ist ein Missgeschick passiert, und dazu stehen wir", sagt Dominik Thiel vom Amt für Natur, Jagd und Fischerei des Kantons St.Gallen.
Jonas Manser
Die Schweiz macht seit 2013 an Luchs-Wiederansiedlungsprojekten im benachbarten Ausland mit. (Bild: Archiv/Keystone (Symbolbild))

Die Schweiz macht seit 2013 an Luchs-Wiederansiedlungsprojekten im benachbarten Ausland mit. (Bild: Archiv/Keystone (Symbolbild))

Am Sonntagvormittag meldeten Bewohner einer Liegenschaft am Dorfrand von Gais der Einsatzzentrale der Kantonspolizei Appenzell Ausserrhoden einen kranken Luchs. Die kantonale Wildhut fand daraufhin das Tier, welches keine Fluchtreaktion mehr zeigte und sich atypisch verhielt, wie es in einem Communiqué der St.Galler Staatskanzlei heisst.

Das ausgewachsene Tier hatte sich in einem Holzschopf verkrochen. Es war abgemagert und hatte an der linken Vorderpfote eine offensichtliche Verletzung und Reste einer Fangschlinge. Der Luchs musste von seinem Leiden erlöst werden.

Konstruktionsfehler an der Falle

«Es ist ein Missgeschick passiert, und dazu stehen wir», bedauert Dominik Thiel, Leiter Amt für Natur, Jagd und Fischerei. Mitte März versuchte die St.Galler Jagdbehörde für ein internationales Umsiedlungsprojekt einen Luchs einzufangen: Um ein gerissenes Reh wurden Fussfallen aufgestellt, knapp 100 Meter entfernt lagen die Jäger mit Nachtsichtgeräten ausgestattet auf der Lauer. Ein Luchs ging ihnen in die Falle. Nur wenige Sekunden später riss sich das Tier jedoch wieder los. Die Jäger leiteten sofort eine Suchaktion ein - doch vom Luchs keine Spur. Nicht einmal Blutspuren konnten gefunden werden.

Die Verantwortlichen nahmen an, dass sich die Schlinge während der Flucht vom Fuss des Luchses gelöst haben musste. «Wir konnten nicht damit rechnen, dass das Ganze so enden würde», sagt Thiel. Offenbar hatte sich der Luchs bei der Flucht derart unglücklich verletzt, dass er nicht mehr jagen konnte und deshalb erlegt werden musste.

In der Folge stellte sich heraus, dass die vom Verein für Raubtierökologie und Wildtiermanagement (KORA) bereitgestellte Falle einen Konstruktionsfehler aufwies. «Fussschlingen-Fallen sind seit 35 Jahren eine bewährte Methode. Bei der Auslese des Materials für die neue Serie ist nun aber ein Fehler unterlaufen», sagt Urs Breitenmoser, Projektleiter der KORA, und nimmt die Schuld auf sich. Alle Fallen sind mittlerweile vom Verein zurückgezogen und korrigiert worden.

«Es ist letztlich unerheblich, wem der Fehler unterlaufen ist. Den toten Luchs interessiert das nicht», sagt Dominik Thiel. Zurzeit laufen weitere Ermittlungen zur Abklärung der genauen Umstände, wie es in der Mitteilung heisst. Das Tier wird am Zentrum für Fisch- und Wildtiermedizin in Bern pathologisch untersucht.

Wiederansiedlung geglückt

Die Schweiz beteiligt sich seit 2013 an Luchs-Wiederansiedlungsprojekten im benachbarten Ausland, um den Aufbau neuer Populationen in den Nachbarstaaten zu unterstützen und die Vernetzung zu fördern. "Die Wiederansiedlung des Luchses ist in der Schweiz geglückt. Damit der Luchs in ganz Europa längerfristig erhalten bleibt, braucht es eine weitere Ausbreitung und eine länderübergreifende Kooperation. Daher werden seit einigen Jahren Luchse in der Schweiz eingefangen und nach Italien, Österreich oder Deutschland umgesiedelt", teilt die St.Galler Staatskanzlei mit. Im Kanton St.Gallen leben rund 20 bis 30 Luchse.

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