«Wir zeigen den Frauen Vorbilder»: Die Präsidentin des Frauennetzwerkes wünscht sich zwölf Frauen im Gossauer Stadtparlament

Nur wenige Frauen sitzen im Gossauer Stadtparlament, fast alle sind im Frauennetz dabei. Präsidentin Silvia Galli Aepli erklärt, wie viele Parlamentarierinnen sie sich wünschen würde und wie sie das erreichen will.

Interview: Johannes Wey
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«Wir zeigen den Frauen Vorbilder.» Frauennetz-Präsidentin Silvia Galli Aepli im Gespräch. (Bild: Benjamin Manser)

«Wir zeigen den Frauen Vorbilder.» Frauennetz-Präsidentin Silvia Galli Aepli im Gespräch. (Bild: Benjamin Manser)

Unter den Gossauer Lokalpolitikern ist nur ein Verein beliebter, als das Frauennetz. Von den acht Frauen in Stadtrat oder -parlament sind lediglich zwei nicht Mitglied im Frauennetz. Das Frauennetz will auch im Hinblick auf die nächsten Kommunalwahlen Frauen ermutigen, für ein Amt zu kandidieren, sagt Präsidentin Silvia Galli Aepli, die für die FDP im Stadtparlament politisiert.

Sie sind in jedem Verein dabei, der die Frauen im Namen trägt. Sind Sie die Netzwerkerin für die Frauen?

Ich finde, der Zusammenhalt unter den Frauen ist wichtig. Deshalb bin ich von Amtes wegen in diesen Vereinen dabei. Dass ich die Netzwerkerin für die Frauen bin, kann man durchaus so sagen.

Nicht nur Sie, fast alle Frauen in der Gossauer Lokalpolitik sind Mitglied im Frauennetz. Wie kommt das?

Das Frauennetz wurde im Jahr 2001 gegründet, weil die Frauen bei den Wahlen im Vorjahr sehr schlecht abgeschnitten hatten. Ein wichtiges Ziel des Vereins ist es, Frauen zu fördern – politisch, aber auch in den Bereichen Wirtschaft und Bildung. Ich denke, diese Förderung ist der Grund, weshalb so viele Frauen aus der Politik im Frauennetz sind.

Nur zwei Stadtparlamentarierinnen sind nicht im Frauennetz. Haben Sie schon versucht, sie zu überzeugen?

Nein, das muss jede für sich entscheiden.

Waren die Politikerinnen zuerst Mitglied im Frauennetz und machten dann den Schritt in die Politik?

Ich gehe davon aus. Frauen sind tendenziell eher die Menschen, die sagen «lieber nicht». Das Frauennetz ist dazu da, ihnen eine Plattform zu geben und ihnen Mut zu machen. Ich kann mir vorstellen, dass sich dank unserer Anlässe viele heutige Politikerinnen getraut haben, zu sagen: «Ich will das, ich mache das und was andere können, kann ich auch.»

Was kann das Frauennetz dazu beitragen?

Wir zeigen den Frauen Vorbilder. An unseren Anlässen treffen sie auf Politikerinnen, mit denen sie ins Gespräch kommen können. Vielleicht merken sie dabei, dass das auch etwas für sie wäre. Damit helfen wir auch den Parteien, die ja Frauen als Kandidatinnen suchen.

Wie profitiert eine Frau, die in die Politik will, vom Frauennetz?

Mir ist wichtig, dass die Politik nicht unser einziger Daseinszweck ist. Wir machen auch Anlässe zu Wirtschaft und Bildung. Es geht auch um Horizonterweiterung und Netzwerken in lustvoller Form. Aber natürlich, wenn Wahlen anstehen, dreht sich unser Programm stark um die Politik. Mit verschiedenen Anlässen sollen sie zu Kandidaturen ermutigt werden. Für die Kommunalwahlen 2020 werden wir wieder einen Flyer machen, um allen Kandidatinnen eine zusätzliche Plattform zu geben.

Vor den letzten Kommunalwahlen engagierte sich das Frauennetz intensiv. Der Frauenanteil im Stadtparlament blieb aber unverändert.

Das stimmt leider. Aber man darf die Hoffnung nie aufgeben. Wir haben die überparteiliche Gruppe von Politikerinnen, die uns damals begleitet hat, wieder aufleben lassen. Seit August bereiten wir uns auf die bevorstehenden Wahlen auf nationaler, kantonaler und kommunaler Ebene vor.

Was wäre aus Ihrer Sicht ein angemessener Frauenanteil im Gossauer Stadtparlament?

Das Ziel muss eigentlich ein Verhältnis von 50:50 sein. Gut die Hälfte der Bevölkerung ist weiblich. Das mag jetzt plakativ klingen, aber so ist es. Eine ausgeglichene Vertretung wünsche ich mir nicht nur in Gossau und nicht nur in der Politik, sondern nicht zuletzt in der Wirtschaft.

Und was für ein Resultat erwarten Sie?

Schön wäre es, wenn wir zwölf Parlamentssitze hätten. Im Stadtrat sind wir Frauen ja bereits in der Mehrheit. Der Schulrat ist auch nicht schlecht aufgestellt. Zwölf Parlamentarierinnen wäre ja schon fast die Hälfte.

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