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Zwischen Kanzel und Kunst - Nach 30 Jahren tritt der Gossauer Pfarrer Rudy Van Kerckhove in den Ruhestand

30 Jahre lang prägte Rudy Van Kerckhove die evangelische Kirchgemeinde Gossau-Andwil. Der Pfarrer, der aus einer katholischen Familie kommt, widmet sich nun ganz der Malerei.
Ursula Ammann
Beim Malen kam Rudy Van Kerckhoven oft auf Ideen für eine Predigt. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

Beim Malen kam Rudy Van Kerckhoven oft auf Ideen für eine Predigt. (Bild: Adriana Ortiz Cardozo)

Der Himmel ist vollendet, die Erde noch in Arbeit. Pfarrer Rudy Van Kerckhove steht neben einem halbfertigen Acryl-Gemälde in seinem Atelier. Er sei dabei, eine flämische Dünenlandschaft zu malen, erklärt der gebürtige Belgier. Im Gestell hinter ihm lagern Werke, die er über die letzten Jahre geschaffen hat. Darunter prächtige Blütenbilder, Tierporträts, Ikonenmalereien.

Für Van Kerckhove gibt es nicht den einen richtigen Malstil – ebenso wenig, wie den einen richtigen Glauben. Als Künstler bedient er sich verschiedener Materialien und Techniken, als Pfarrer lässt er auch mal katholische oder jüdische Elemente in den Gottesdienst einfliessen. Seit 1989 ist Rudy Van Kerckhove bei der evangelischen Kirchgemeinde Gossau-Andwil tätig. Nun wird er pensioniert. Im Gottesdienst vom 30. Juni nimmt der 65-Jährige Abschied. Auf den Tag genau 30 Jahre, nachdem er dort die Pfarrstelle angetreten hat.

Frei denken, statt die Wahrheit pachten

Pfarrer werden wollte Rudy Van Kerckhove schon als Kind. Jedoch hatte seine Familie trotz des Nachnamens – Kerckhove bedeutet auf Deutsch Friedhof – nicht viel mit der Kirche am Hut. Und schon gar nicht mit der Evangelischen. «Flandern ist sehr katholisch», sagt Van Kerckhove, der in der Stadt Gent aufgewachsen ist. Er selbst kehrte dem Katholizismus als 14-Jähriger den Rücken. Ausschlaggebend waren die Worte des Priesters in einer Messe. Dieser habe zu einem Gebet aufgerufen für die «verlorenen Brüder und Schwestern», womit die protestantische Minderheit gemeint gewesen sei, erinnert sich der Belgier. «Das fand ich völlig daneben.» So sei er am Sonntag darauf bei den Reformierten in die Predigt gegangen. «Es hat mich fasziniert, wie stark man sich dort mit den Texten auseinandersetzte», sagt er. «Und ich schätzte es, dass auch kritische Gedanken erwünscht waren.» Als knapp 20-Jähriger schrieb er sich nach einem abgebrochenen Studium in Betriebswirtschaft an der protestantisch-theologischen Fakultät in Brüssel ein. Manchmal kamen ihm dennoch Zweifel. «Die fanatische Gesinnung in manch einer flämischen protestantischen Gemeinde trieb mich fast zurück in den Katholizismus». Es bereitet ihm Mühe, wenn eine Religionsgemeinschaft die Wahrheit für sich pachtet. «Mit Fanatismus kann ich nichts anfangen.»

Er glaube an Gott, sagt Rudy Van Kerckhove. Aber dessen Existenz beweisen könne er nicht. Jemanden zum Glauben zu drängen, liegt dem Pfarrer, der sich als freidenkend beschreibt, fern. Bei seinem ersten Bewerbungsgespräch in der Schweiz fragte man ihn, was er denn für einer sei. Seine Antwort: «Ich bin kein Hirtenhund, der die Schäfchen in den Stall bellt.» Er bekam die Stelle und zog von der belgischen Stadt Ronse ins Bündnerland. Dort war er fünf Jahre als Pfarrer tätig, bevor er einen Anruf aus Gossau erhielt und zusagte. Der Umzug in die Schweiz sei eine Art Rettung gewesen, so Van Kerckhove. Denn im belgischen Ronse zog er den Unmut konservativer Kreise auf sich, weil er im Pfarrhaus ein Büro für ein Aktionskomitee gegen Atomwaffen beherbergte, dem er selbst angehörte.

Eine Kirche mit Tanzfläche

Als Pfarrer war es Van Kerckhove stets wichtig, Freude am Leben zu vermitteln. Die Kirche sieht er als Raum, wo die Menschen zusammenfinden. Er hätte nichts dagegen, die Bänke einmal zur Seite zu schieben, damit eine Tanzfläche entstünde. «Für Walzer, Tango oder von mir aus auch Hip-Hop», sagt er. Van Kerckhove mag das Bunte und Lebendige. Davon zeugt auch der Rucksack, der im Atelier hängt. Ein in fröhlichen Farben dargestellter Jesus ziert dessen Oberfläche. «Mit diesem Rucksack haben mich die Jugendlichen auf der Konfreise nie aus den Augen verloren», lacht Van Kerckhove.

Der 65-Jährige kann sich gut vorstellen, künftig noch ab und zu als stellvertretender Pfarrer einzuspringen. Vor allem aber möchte er sich nun mehr der Malerei widmen. Seine Werke stellt er regelmässig aus. Signiert sind sie mit dem Namen Mario de Santieri. Mario ist Van Kerckhoves dritter Vorname, de Santieri die romanische Übersetzung seines Familiennamens. Seine Leidenschaft für die Malerei flammte bei Van Kerckhove in Gossau wieder richtig auf. Und oft ist er dabei auch auf einen guten Gedanken für die Predigt gekommen.

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