Zwei Theologen zieht es in den Wald

Ein reformierter Pfarrer und ein katholischer Seelsorger suchen Interessierte, um eine Waldkirche aufzubauen.

Christina Weder
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Die Natur sei ein besonderer Ort, findet Uwe Habenicht, Pfarrer der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Straubenzell. «Die Natur ermöglicht andere Selbst- und Gotteserfahrungen, als sie im Innenraum möglich sind.» Seit zwei Jahren organisiert er aus diesem Grund hin und wieder eine Waldkirche. Diese versteht sich als Angebot für Naturliebhaber und Personen, die auf der Suche nach neuen Formen von Spiritualität sind.

Pfarrer Uwe Habenicht hat eine Ausbildung zum Outdoor-Guide gemacht. (Bild: Mareycke Frehner - 24. Mai 2018)

Pfarrer Uwe Habenicht hat eine Ausbildung zum Outdoor-Guide gemacht. (Bild: Mareycke Frehner - 24. Mai 2018)

Nun will Habenicht die Waldkirche ausbauen und ökumenisch ausrichten. Er hat sich deshalb mit Matthias Wenk, Seelsorger der ökumenischen Kirche Halden, zusammengetan. Wenk hat im Juni oberhalb von St.Georgen drei Wochen lang wie Gallus im Wald gelebt und Erfahrungen mit naturnaher Spiritualität gesammelt.

Seelsorger Matthias Wenk hat drei Wochen lang wie Gallus im Wald gelebt. (Bild: Benjamin Manser - 24. Juni 2019)

Seelsorger Matthias Wenk hat drei Wochen lang wie Gallus im Wald gelebt. (Bild: Benjamin Manser - 24. Juni 2019)

Das Ziel von Wenk und Habenicht ist es, bis im kommenden Sommer die Waldkirche mit einer Projektgruppe aufzubauen. Nun sind die beiden auf der Suche nach Interessierten und laden morgen zu einem Infoabend ins Alte Pfarrhaus Bruggen. Habenicht empfiehlt, wetterfeste Kleider anzuziehen und eine Taschenlampe mitzubringen. Man werde in den Pfarrhausgarten gehen. Interessierte könnten unverbindlich vorbeikommen, Ideen einbringen und Fragen stellen.

Waldkirche verzichtet auf die Predigt

Offenheit und Neugier seien gefragt, sagt Habenicht. Denn die Waldkirche unterscheidet sich von einem Feld- oder Open­air-Gottesdienst.

«Wir wollen nicht einfach das draussen machen, was man sonst drinnen in der Kirche macht.»

So verzichtet die Waldkirche zum Beispiel bewusst auf die Predigt und setzt damit das Experiment fort, das die Kirchgemeinde Straubenzell mit dem Predigverzicht im Mai durchgeführt hat. Gesucht seien neue spirituelle Erfahrungen.

Das Konzept der Waldkirche hat seine Wurzeln in der englischen «Forest Church». Habenicht ist von einer englischen Kollegin darauf aufmerksam gemacht worden, als er noch in Italien lebte und eine Ausbildung zum Outdoor-Guide absolvierte. In den vergangenen zwei Jahren hat er erste Erfahrungen mit der Kirchgemeinde Straubenzell im Menzlenwald gesammelt. Dazu zählt er intensive Naturbeobachtungen. Nach der Waldkirche sassen die Teilnehmer jeweils bei einem Picknick zusammen. Auf diesen Erfahrungen will Habenicht aufbauen. Er hofft auf grössere Teilnehmerzahlen. Wo und wie oft die Waldkirche künftig stattfinden wird, ist noch offen. Klar ist: Nach den Sommerferien soll es losgehen.

Hinweis

Infoanlass zur Waldkirche, Donnerstag, 19 Uhr, Altes Pfarrhaus Bruggen, Zürcher Strasse 217.