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Zwei Nullen für das Ego: Der Gossauer Kampf um eine neue Postleitzahl

30 Jahre lange bemühte sich die Stadt Gossau für eine «standesgemässe» Postleitzahl.
Melissa Müller
Die Postleitzahlen helfen seit 55 Jahren beim Sortieren der Post. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone)

Die Postleitzahlen helfen seit 55 Jahren beim Sortieren der Post. (Bild: Gaëtan Bally/Keystone)

Viele Schweizer haben eine emotionale Verbindung zu ihrer Postleitzahl. Manche Gossauer ganz besonders. Denn sie mussten sich ihre Postleitzahl 9200 mühselig erkämpfen: 30 Jahre warteten sie auf eine zweite Null. Als die Schweiz 1964 als drittes Land der Welt nach den USA und Deutschland die Postleitzahlen einführt, erhält Gossau die Zahl 9202 zugeteilt. Damit ist man nicht zufrieden.

Grösseren Städten wie St. Gallen teilt die Post damals drei Nullen zu. Mittelgrosse Städte werden mit zwei Nullen gekennzeichnet – Wil hat 9500, Herisau 9100, Rorschach 9400. Bedeutende Gemeinden erhalten als letzte Zahl eine Null, beispielsweise Flawil mit 9230. Dass das grössere Gossau als letzte Ziffer lediglich eine 2 bekommt, kratzt am Selbstbewusstsein.

Zum Kaff degradiert

«Seit 1964 wurmt die Gossauerinnen und Gossauer eine kleine Zahl, die unscheinbare 2», notiert die «Ostschweiz» am 13. Juni 1995. Die stehe nämlich seit 31 Jahren am Schluss der Postleitzahl und degradiere Gossau zu einem «Feld-, Wald- und Wiesen-Ort».

«Es war eine Enttäuschung», erinnert sich Johann C. Krapf, von 1977 bis Ende 2000 Gemeindeammann von Gossau. «9200 klingt edler und grosszügiger als 9202. Die Post konnte sachlich nicht begründen, warum sie uns schlechter behandelt als zum Beispiel Herisau.» Zudem war das Objekt der Begierde, die Zahl 9200, noch nicht vergeben. Eine «postalische Ungerechtigkeit», klagt die «Gossauer Zeitung» 1995:«Mit 9202 hat man Gossau, die eigenständige Stadt zwischen St. Gallen und Wil, eindeutig unter Wert abgespeist.» Bevor es Postleitzahlen gab, mussten die Pöstler sämtliche Poststellen auswendig lernen.

Dank der vierstelligen Ziffernkombination konnten auch Hilfskräfte ohne Geografiekenntnisse beim Sortieren von Briefen und Paketen mithelfen. Später wurden ihre Stellen wegrationalisiert und Sortierungsmaschinen eingeführt. Über 4000 Postleitzahlen hat die Schweiz. Sie sind auch ein Stück Identität. Radio SRF ging dem Phänomen kürzlich auf den Grund. Und thematisierte den Sonderfall Gossau.

«02» tönt nach Provinz, «00» nach Stadt

Der Gemeinderat nimmt vier Anläufe für eine mondänere Postleitzahl: 1964, 1973, 1978 und 1988. Doch der gelbe Riese lässt Gossau abblitzen. Begründung: «Zu grosse Umtriebe und namhafte Kosten». Am 1. April 1996 wird der Traum der Doppel-Null plötzlich doch noch wahr: Die Post stimmt zu, weil auch die Telefonnummern um eine Ziffer erweitert werden. Endlich kann der Gemeinderat neues Briefpapier aufsetzen und «Freundliche Grüsse aus 9200 Gossau» verschicken.

«Seit dem 1. April schreiben wir mit Schwung und Stolz vor den Namen unseres Wohnortes die magischen vier Zahlen 9200. Jetzt sind wir wer», frohlockt die «Gossauer Zeitung». Endlich habe Gossau keine Zwei mehr auf dem Rücken. «Die Doppel-Null meint, dass wir in den erlauchten Kreis der mittelgrossen Städte aufgenommen worden sind.»

Das zeigt: Obwohl Mathematik für die meisten ein trockenes Thema ist, haben viele Menschen ein ausgeprägtes Verhältnis zu Zahlen. Einige sollen Glück bringen, andere Pech. Der Gossauer Postverwalter Armin Städler relativierte 1995 in einem Interview: «Aus betrieblichen Gründen hätte kein Postleitzahlenwechsel erfolgen müssen.» Für ihn stehe hinter der Postleitzahl vielmehr ein psychologischer Wert.

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