Zwei neue Kandidaten drängen in den Gemeinderat Horn

Am 10. Februar wählt Horn den Gemeinderat neu. Für Nicole Josurans (FDP) Nachfolge gibt es zwei Kandidaten: Sowohl  Grenzgänger Thierry Kurtzemann (FDP) als auch Ur-Horner Dominique Lambert (parteilos) wollen den frei werdenden Sitz.

Jolanda Riedener
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Die Gemeinde Horn wählt ihren Rat neu. (Bild: Rudolf Hirtl)

Die Gemeinde Horn wählt ihren Rat neu. (Bild: Rudolf Hirtl)

Dominique Lambert

Es war nicht geplant, dass sich der 40-jährige Dominique Lambert zur Wahl als Gemeinderat stellt. Ausschlaggebend sei die Ignoranz der Behörde gewesen: Sie stelle sich quer gegen ein Fahrverbot rund um den Kindergarten und Spielplatz, setze damit deren Sicherheit willentlich aufs Spiel. «Der Gemeinderat macht seine Hausaufgaben nicht», sagt Lambert und spricht von Filz. Damit meint er auch die im Dorf präsenten FDP und SVP, die den Status quo im Rat beibehalten wollten und für die Wahlen ein gemeinsames «Päckli» geschnürt hatten.

Seebub und Ur-Horner: Dominique Lambert will sich auch kritisch im Rat einbringen. (Bild: Jolanda Riedener)

Seebub und Ur-Horner: Dominique Lambert will sich auch kritisch im Rat einbringen. (Bild: Jolanda Riedener)

Es gebe einiges, das ihn als «Ur-Horner der dritten Generation» in Horn nerve. «Ich will aber nicht nur motzen, sondern ich will bewegen», sagt Lambert. Deshalb stelle er sich zur Wahl – für ihn die logische Konsequenz. Er habe auf seine Kandidatur viele positive Rückmeldungen erhalten. «Ich bin, anders als alle anderen Kandidaten, in Horn aufgewachsen. Das ist meine Heimat. Man kennt mich und weiss, dass ich mich traue, auch unbequeme Themen anzusprechen», sagt Lambert. Der jetzige Gemeinderat ist für die Horner nicht greifbar. Er kümmere sich vor allem darum, wohlhabende Bürger anzulocken und sich selber Denkmäler zu bauen, statt sich um die Anliegen der Bevölkerung zu kümmern.

Bürgerlich, aber kein SVPler

Dominique Lambert ist Marketingfachmann. 20 Jahre war in der Kommunikationsbranche und als Journalist tätig, unter anderem als Chefredaktor des Fischerei-Fachmagazins «Petri Heil» oder als Redaktionsleiter der «Bodensee Nachrichten». Aktuell ist er auf der Suche nach einer neuen beruflichen Herausforderung. Während seiner Tätigkeit als Parteisekretär und Geschäftsführer der SVP Kanton St. Gallen, war er Mitglied in der Partei. Vorher und danach war er parteilos. «Mich kann man politisch nicht schubladisieren», sagt Lambert, begeisterter Harley-Fahrer und - Fan. Er sei bürgerlich, ihm liege aber auch Naturschutz oder Familienpolitik am Herzen. Lambert ist mit sieben Geschwistern in Horn aufgewachsen, heute lebt er zusammen mit seiner Frau hier. «Für mich ist es ein Vorteil, nicht in einer Partei zu sein: Ich verpflichte sich lieber den Bürgern statt einem Parteiprogramm», sagt er.

Im Gemeinderat will Dominique Lambert Kritik üben: «Der Rat ist kein Wohlfühl-Verein.» Er sei aber sehr wohl teamfähig und würde seine Kommunikationsfähigkeiten gerne im Rat einsetzen, da es in diesem Bereich seiner Meinung nach Verbesserungspotenzial gebe. Auch mit der enormen Bautätigkeit im Dorf habe er seine liebe Mühe: «Die Wohnungen in Horn-West zum Beispiel sind für Familien und für ‹Normalsterbliche› nicht erschwinglich. Und was soll ein teurer Park, während Kinder auf der Strasse, ohne Trottoir, zur Schule müssen?» Politische Gemeinde und Schulgemeinde sollen nach Lamberts Meinung eigenständig bleiben, aber schlanker werden. «Die Schule darf keine Pionierrolle auf Kosten der Kinder übernehmen wollen, sondern muss wieder auf Qualität setzen.»

Der ursprüngliche Baselbieter lebt seit 18 Jahren in seiner Wahlheimat Horn: «Das Amt hat mich immer schon gereizt.» (Bild: Jolanda Riedener)

Der ursprüngliche Baselbieter lebt seit 18 Jahren in seiner Wahlheimat Horn: «Das Amt hat mich immer schon gereizt.» (Bild: Jolanda Riedener)

Thierry Kurtzemann

Seinen Dialekt hat der gebürtige Baselbieter auch nach 26 Jahren in der Ostschweiz nicht ganz abgelegt. Nach dem Doktoratsstudium an der Hochschule St. Gallen ist Thierry Kurtzemann damals hier «hängen geblieben», wie er sagt. Seit 18 Jahren lebt er mit seiner Frau in Horn und hat zwei Kinder. Ein Amt in der Exekutive habe den 53-Jährigen schon immer gereizt, so der Vizepräsident der FDP Horn. Sieben Jahre war er ausserdem Mitglied der Schulbehörde, zuletzt als Vizepräsident. 2012 liess er sich für den Grossen Rat Thurgau aufstellen. Die FDP Horn wolle nun auch nach dem Rücktritt von Nicole Josuran ihren Sitz im Gemeinderat behalten.

Kurtzemann arbeitet als Schulleiter bei der Akademie in St. Gallen, der Höheren Fachschule für Wirtschaft, wo er auch seinen Mitstreiter Dominique Lambert kennenlernte, der einer seiner Studierenden war. «Ich finde es gut, dass die Horner eine Auswahl haben», sagt Kurtzemann. Die kantonale Weiterbildungsinstitution zählt 1500 Studierende, 380 Dozierende und 14 Festangestellte. «Ich bin nicht mehr so stark operativ tätig, sondern eher strategisch.»

Die Arbeit als Gemeinderat könne er zeitlich gut mit seinem Beruf unter einen Hut bringen, da seine Mitarbeiter ihn unterstützen würden. Weiter sehe er Parallelen zwischen seiner Arbeit und den Aufgaben im Gemeinderat. Vor vier Jahren ist Kurtzemann ausserdem als Kirchenratspräsident gewählt worden. «Dieses Amt werde ich weiterhin ausführen», sagt er. Es sei ausserdem nicht so arbeitsintensiv. An Horn schätzt Thierry Kurtzemann die Mischung: «Die Gemeinde liegt am See, hat eine gute Grösse und attraktive Lage, nahe an St. Gallen.» Die thurgauische Enklave im Kanton St. Gallen habe auch Vorteile, zum Beispiel ein selbstbestimmtes Zusammenarbeiten über die Kantonsgrenzen hinweg, was ihn besonders interessiere. Ausserdem biete das Dorf seinen Einwohnern eine hohe Lebensqualität.

«Lösungen präsentieren statt Probleme suchen»

Durch sein Engagement bei der FDP Horn kennt er die Gemeinderäte persönlich und kann sich eine Zusammenarbeit mit ihnen gut vorstellen. «Ich arbeite gerne mit Menschen und bin bereit für Diskussionen», sagt Kurtzemann. In Horn laufe vieles gut, die Gemeinde sei finanziell gut aufgestellt: «Das hat aber vielleicht auch damit zu tun, dass die Horner jeden Franken zweimal umdrehen, bevor sie ihn ausgeben.» In den Gemeinderat wolle er denn auch kreative Lösungen einbringen. Eine offensivere und transparentere Kommunikationspolitik der Gemeinde würde er begrüssen. «Ich möchte auf dem Guten aufbauen und lösungsorientiert arbeiten, statt überall Probleme zu sehen», sagt Kurtzemann. Beim Thema Einheitsgemeinde hat Thierry Kurtzemann keine Präferenz: «Es ist sinnvoll eine Auslegeordnung zu machen, ohne eine Lösung bereits im Hinterkopf zu haben.» Weitere bauliche Projekte würden die Gemeinde ebenfalls beschäftigen: «Die Überbauung Horn West stellt sicher eine Herausforderung dar.»